Arbeitsluft schnuppern und ein Ziel vor Augen

Wer erinnert sich nicht an die Frage: «Was mache ich beruflich nach der Schule?» Viele finden im Laufe ihrer Schuljahre einen Weg, für einige bleibt die Antwort auf diese Frage lange ungewiss und quälend. Eine Vielzahl von schulischen Angeboten zur beruflichen Orientierung leistet hier wichtige Unterstützung. Eines dieser Angebote ist das Jugendprojekt LIFT (siehe Box). Es richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten haben, die nötige Motivation für den Unterricht aufzubringen oder jene, die nicht wissen, was nach dem Schulabschluss auf sie zukommt und wie sie den beruflichen Einstieg schaffen sollen.

Fokus auf etwas Positives: Durchhaltevermögen beweisen
Elf Sekundarschulen aus dem Baselbiet machen mittlerweile mit beim Präventionsprogramm an der Schnittstelle zwischen Volksschule und Berufswelt. Die Sekundarschule Sissach ist eine davon – als eine der Ersten im Kanton. «Bei LIFT liegt der Fokus nicht auf den schulischen Schwächen der Schülerinnen und Schüler, sondern auf der Stärkung ihrer Fähigkeiten und persönlichen Interessen», erklärt Sandra Meyer, Fachperson für Berufliche Orientierung (BO) und Berufswegbereitung (BWB) an der Sekundarschule Sissach. Sie darin zu bestätigen, etwas anzupacken, Durchhaltevermögen zu zeigen und praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln, sind wichtige Eckpfeiler des Projekts.

LIFT funktioniert so: Schülerinnen und Schüler können sich ab der 1. Sekundarklasse für das Programm bewerben, sofern sie beim Start der praktischen Tätigkeit 13 Jahre alt sind. Ab diesem Alter ist sogenanntes «leichtes Arbeiten» erlaubt, und genau darum geht es bei LFFT. Die Jugendlichen sollen in regionalen Betrieben für drei Monate richtige Arbeitsluft schnuppern. Bis zu 40 Bewerbungen pro Schuljahr gehen beim LIFT-Team an der Sekundarschule Sissach ein, wobei der Zuspruch sehr unterschiedlich ist. Im Herbst und im Frühling eines Schuljahres wird jeweils ein Kurs mit maximal acht Jugendlichen durchgeführt.

Chance für Jugendliche und Unternehmen
Im Oktober ist in Sissach ein Kurs in Vollbesetzung gestartet. Die Schülerinnen und Schüler durchlaufen zunächst ein Einführungsmodul und machen gemeinsam mit den Fachpersonen eine Standortbestimmung: Welcher Beruf und welche Tätigkeiten kommen überhaupt in Frage? Danach folgt gleich das Praktische: Wie schreibe ich einen Lebenslauf? Was sage ich am Telefon? Wie verhalte ich mich während eines Bewerbungsgesprächs?

In Sissach hat man mittlerweile ein grosses Netzwerk von rund 40 Firmen aufgebaut, welches den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung steht. Sandra Meyer greift aber auch jedes Jahr erneut zum Telefon und schaut persönlich bei den Firmen vorbei, um neue Partner zu akquirieren. Dank der grossen Auswahl an Betrieben können so die Jugendlichen in den Beruf reinschnuppern, der sie wirklich interessiert. Schliesslich startet das Herzstück des Programms, der so genannte Wochenarbeitsplatz (WAP). Zwei- bis dreimal in der Woche arbeiten die Jugendlichen bis zu drei Stunden in den Betrieben und erhalten einen Stundenlohn von fünf Franken.

Die beste Motivation: Ein Ziel vor Augen
«Mehr als jedes Geld zählt jedoch die Erfahrung, etwas durchzuziehen und herauszufinden, ob der ausgewählte Beruf wirklich gefällt und zu einem passt», erklären die LIFT-Verantwortlichen in Sissach. Nicht selten würden Beziehungen geknüpft, die später zu einem Lehrstellenangebot führten. Das schweizweite Jugendprojekt LIFT erwähnt auf seiner Webseite, dass 50 bis 60 Prozent der Teilnehmenden nach Schulabschluss ein Lehrstellenangebot erhalten. Das Programm ist also nicht nur eine Chance für die Jugendlichen, sondern bietet auch den regionalen Betrieben die einmalige Gelegenheit, passende Auszubildende zu finden und aktiv dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Während des Einsatzes am WAP können die Jugendlichen durchaus an ihre Grenzen stossen, weil der Schulalltag parallel dazu normal weiterläuft. Die meisten Jugendlichen sind jedoch begeistert und beenden LIFT mit einem konkreten Berufswunsch. Diese positive Erfahrung löst bei vielen einen Motivationsschub in der Schule aus. Man sei sehr stolz auf die LIFT-Jugendlichen, heisst es aus Sissach. «Ziel ist, dass alle unsere Schülerinnen und Schüler an der obligatorischen Schule bestmöglich auf ihre Zukunft vorbereitet werden. LIFT ist ein wichtiges Puzzleteil in einer ganzen Reihe von Angeboten zur beruflichen Orientierung», so Schulleiter Dieter Gunzinger.

Über LIFT
Das Projekt LIFT (Leistungsfähig durch individuelle Förderung und praktische Tätigkeit) startete im Jahre 2006 an je zwei Schulen in Bern und Zürich. 2016 wurde es in einen Verein überführt und ist seither stark gewachsen. Heute gibt es LIFT gibt in 20 Kantonen, an über 340 Standorten und in rund 400 Schulhäusern. Schweizweit nehmen rund 3’000 Schülerinnen und Schüler am Programm teil. Finanziert wird LIFT vom Bund, einigen Kantonen, Stiftungen und Kooperationspartnern aus der Wirtschaft.

Text: Sabrina Mierisch, Leiterin Kommunikation und Projekte, Amt für Volksschulen