«Seidenband jetzt!»: Wissenssicherung und Vermittlung einer alten Tradition

Im Projekt «Seidenband jetzt!» erforscht das Museum.BL seit August 2025 die Seidenbandweberei in der Region. Einst prägte diese den Kanton Basel-Landschaft bis ins letzte Dorf, heute zählt sie zu den lebendigen Traditionen der Schweiz.

Die Herstellung von Seidenbändern war über Jahrhunderte ein zentraler Erwerbszweig im Baselbiet. Heute ist sie Teil der Erinnerungskultur des Kantons Basel-Landschaft. Das Projekt «Seidenband jetzt!», lanciert vom Amt für Kultur und realisiert vom Museum.BL, will möglichst viele Menschen für dieses einzigartige Kulturerbe sensibilisieren und begeistern. Denn das gelebte Wissen rund um die Bandproduktion, das oft eng mit Familiengeschichten und Arbeitsbiografien verknüpft ist, droht zunehmend verloren zu gehen. Die Hauptaufgabe des Projekts ist daher, dieses wertvolle Erfahrungswissen aufzuspüren, zu dokumentieren und für kommende Generationen zu sichern.

Das Herzstück des Projekts «Seidenband jetzt!» bildet ein dreiköpfiges Team unter der Leitung von Dr. Simone Ochsner. Sie ist Historikerin mit langjähriger Erfahrung in der Vermittlungstätigkeit für unterschiedlichste Zielgruppen im Museum.BL. Hinzu kommt die Kulturanthropologin und Kuratorin Melanie Frey, die sich bestens mit der Seidenbandsammlung, bestehend aus den Nachlässen der Firmen Senn & Co. AG, Seiler & Co. AG und Vischer & Co sowie den historischen Zusammenhängen der Bandproduktion auskennt. Dritte im Bunde ist die Kulturwissenschaftlerin Dr. Leonie Häsler. Ihr Forschungsbereich bildet die Textilgeschichte. Ausserdem gibt sie regelmässig Führungen in der Dauerausstellung «Seidenband. Kapital, Kunst & Krise».

Modernisierte Dauerausstellung im Museum.BL
Die drei Frauen widmen sich nicht nur der vielschichtigen Geschichte der Bandweberei, sondern stellen ebenso Bezüge zur Gegenwart her. Neu wird es neben den klassischen Führungen durch die Ausstellung auch Vermittlungsangebote im Museumsdepot der kantonalen Seidenbandsammlungen auf dem Hanro-Areal in Liestal geben. Gleichzeitig wird die langjährige Dauerausstellung «Seidenband. Kapital, Kunst & Krise» im Museum.BL erweitert und modernisiert. Zentrale Themen werden anschaulich erlebbar gemacht. Der neue Ausstellungsbereich eröffnet am 17. April 2026.

Neben dem Museum.BL sind in zwölf Baselbieter Ortsmuseen Bandwebstühle zu finden, von denen die meisten dank engagierter Freiwilliger in Aktion erlebt werden können. Ein weiteres Ziel des Projekts «Seidenband jetzt!» ist es, die Zusammenarbeit mit diesen Ortsmuseen in der Region zu verstärkten. Die Webstühle sollen auch in Zukunft genutzt werden, in Vernetzung mit der Koordinationsgruppe «Webstuhlrattern». Denn auch heute gibt es sie noch: die Menschen, die über die Baselbieter Landschaft verteilt ehrenamtlich und mit Herzblut ihre Freizeit an historischen Bandwebstühlen verbringen und wunderschöne Bänder weben.

Ab Mitte April werden auch Kurzfilme aus unterschiedlichen Ortsmuseen Einblicke in diese ganz unterschiedlichen Biografien geben. Die Filme werden sämtlichen beteiligten Institutionen zur Verfügung gestellt, um das dichte Netzwerk der Baselbieter Museen und Webstuben, in denen ein Bandwebstuhl rattert, für alle Interessierten sichtbar zu machen.

Das Wissenssicherungs- und Vermittlungsprojekt «Seidenband jetzt!» läuft bis Ende 2027 und ist eine einmalige Gelegenheit, neues Wissen über die Bandproduktion in der Region zu erarbeiten, der Bevölkerung zugänglich zu machen und neue Trägerinnen und Träger dieser lebendigen Tradition zu finden.

Text: Michèle Nussberger, Museum.BL

Weitere Informationen:
Medienmitteilung
Ausstellung Seidenband. Kapital, Kunst & Krise - Eröffnung der überarbeiteten Ausstellung: 17. April 2026

Bild Legende:
Foto: Museum.BL

Der Bandwebstuhl im Dorfmuseum Bennwil. Im Hintergrund die Weberin Agnes Felber.

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Foto: Fotoman, Basel

Lars Conzett am Webstuhl. Schauschopf, Ortssammlung Gelterkinden, 2026.

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Foto: Museum.BL Blick ins Depot der Seidenbandsammlung von Archäologie und Museum Baselland auf dem Hanro-Areal.