Die AKK erklärt – im Interview mit Ernst Schürch
Die Amtliche Kantonalkonferenz der Lehrerinnen und Lehrer (AKK) vertritt die rund 6000 Lehrpersonen aller Schulstufen in pädagogischen und bildungspolitischen Fragen. Sie ist das gesetzlich verankerte Bindeglied zur BKSD. Ernst Schürch, AKK-Präsident und Landrat, erklärt im Interview, was das konkret bedeutet.
Ernst Schürch, würden Sie Entstehung und Auftrag der AKK kurz erklären?
Die AKK entstand kurz nach der Gründung des Kantons Basel-Landschaft. 1833 hiess sie noch «Kantonallehrer-Conferenz». Für die Schulen des jungen Kantons mussten Lehrpläne geschrieben werden, da man die bestehenden Lehrpläne aus dem Nachbarskanton Basel-Stadt nicht übernehmen wollte. Zusätzlich wollten sich die Lehrpersonen nicht wie bis anhin die Lehrpläne von der Kirchensynode diktieren lassen. Die erste Aufgabe der AKK war es also, zusammen mit den Verantwortlichen der damaligen Erziehungsdirektion, die neuen Lehrpläne für die Volksschule des Kantons Basel-Landschaft zu schreiben.
Heute ist die Amtliche Kantonalkonferenz der Lehrerinnen und Lehrer (AKK) eine Betriebsorganisation der BKSD. Sie muss in allen pädagogischen und bildungspolitischen Fragen angehört und einbezogen werden. Meistens kann die AKK von Anfang an bei Projekten der kantonalen Schulentwicklung mitarbeiten, lange bevor zum Beispiel eine Vorlage in die öffentliche Diskussion kommt. Sie gestaltet zusammen mit der Direktion, den Schulleitungskonferenzen und partnerschaftlich mit weiteren Anspruchsgruppen im Kanton und im Bildungsraum Nordwestschweiz aktiv Schulentwicklung und Bildungspolitik. Die AKK hat keine gewerkschaftliche Funktion.
Was heisst das jetzt? Wie kann man sich als Lehrperson in der AKK einbringen?
Alle Lehrpersonen aller Schulstufen aus dem Kanton Basel-Landschaft können sich über die acht Stufenkonferenzen und den Vorstand der AKK einbringen. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann die AKK bei allen Vernehmlassungen und Anhörungen der Regierung Stellung nehmen. Die Meinungsbildung geschieht dabei über die Stufenverantwortlichen und die Delegierten der Konvente der einzelnen Schulen. Der Vorstand diskutiert und schreibt die Stellungnahmen der AKK, welche oft Mehr- und Minderheitshaltungen beinhalten. Zum anderen können einzelne Schulen über ihre Delegierten dem Vorstand konkrete Aufträge geben, falls diese in einer Stufenkonferenz mehrheitsfähig sind.
Und warum sollte man das tun?
Man muss zwischen Schulentwicklung vor Ort und derjenigen im ganzen Kanton unterscheiden. Schulentwicklung vor Ort geschieht in den teilautonom geleiteten Schulen in Zusammenarbeit zwischen Schulleitung und Kollegium. Kantonal ist Schulentwicklung eine gemeinsame Aufgabe zwischen den Zuständigen in der BKSD, den bereits erwähnten Anspruchsgruppen und der AKK. In den letzten Jahren hat der Einbezug der Praxis stark an Bedeutung gewonnen. Insofern ist es sehr sinnvoll und zeigt eine grosse Wirkung, sich für die AKK in kantonalen Projekten einzusetzen. Aktuell vertreten rund 450 Lehrpersonen die AKK in verschiedensten Gremien.
Welche Themen stehen aktuell im Fokus?
Neben den bereits erwähnten Gremien, Vernehmlassungen und Anhörungen steht aktuell die Umsetzung der verschiedenen Massnahmen des Projekts Zukunft Volksschule, namentlich Leseförderung, Medien und Informatik, Berufliche Orientierung, Stärkung des Leistungszugs A und der Fächer Deutsch und Mathematik im Zentrum. Stark engagiert ist die AKK unter anderem auch bei der Weiterentwicklung der gymnasialen Matur WEGM, dem Projekt Schulen 2040+ und dem Sprachenkonzept für die Volksschule.
In welchen Bereichen möchte die AKK künftig gezielt Impulse setzen?
Wir werden unseren Weg weitergehen und uns, sei es «Top-down» oder «Bottom-up», für die Schulen unseres Kantons einsetzen. Dabei ziehen wir auch in Zukunft die sachliche und fachliche Mitarbeit und das Einbringen unserer Expertise gegenüber medialen Schlagzeilen vor. Das bringt Ruhe in die Schulen und verhindert politisch motivierte Schnellschüsse.
Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit den Schulleitungskonferenzen (SLK) und der Verwaltung?
Diese Zusammenarbeit ist sehr konstruktiv. Zum einen, weil sie bereits in einer sehr frühen Phase der Projekte startet und sich alle konstruktiv und kompromissbereit einbringen. Zum anderen auch, weil sich die Vertretungen der einzelnen Organisationen kennen und sich informell auf vertraulicher Basis austauschen können. In der Regel können so unter Einbezug der Praxisseite gute, realistische und tragfähige Kompromisse erzielt werden. Sie tragen wesentlich zu einer guten kantonalen Schulentwicklung bei.
Ernst Schürch ist Präsident der Amtlichen Kantonalkonferenz (AKK). In Rünenberg wohnhaft, arbeitet er seit mehr als 20 Jahren in Sissach als Sekundarlehrer. Politisch ist Ernst Schürch seit dem 1. Juli 2019 als Landrat für die SP aktiv und Mitglied der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission sowie der Finanzkommission.