Im Gespräch mit Lukas Dettwiler

Nach zwölfeinhalb Jahren als Leiter ICT Bildung bei der Abteilung Informatik der BKSD (IT.SBL) ging Lukas Dettwiler Ende Januar 2026 in Pension. Im Interview blickt er zurück auf Meilensteine, Erfolge und Herausforderungen.

Lukas Dettwiler, seit Februar bist du nicht mehr für die BKSD tätig. Magst du uns von deiner Zeit als Leiter ICT Bildung erzählen?
Ich habe die Stelle als Leiter ICT Bildung im Jahr 2013 angetreten. Zuvor war ich als Lehrer und Schulleiter an einer Sekundarschule im Kanton tätig. ICT steht für Informations- und Kommunikationstechnologie und umfasst insbesondere die digitale Infrastruktur, Geräte, Software sowie pädagogische Konzepte für den Einsatz digitaler Medien in den Schulen.

Damals standen im Landrat drei wichtige Vorlagen an: die «IT‑Strategie für den pädagogischen Bereich der kantonalen Schulen», die Vorlage «ICT‑Primar» mit einem verpflichtenden Bildungsauftrag zu Medien und Informatik für die kommunalen Schulen sowie SAL, die neue Schuladministrationslösung.

Die Umsetzung dieser Vorlagen bedeutete, dass der Bildungsauftrag in Medien und Informatik in den Schulen stark an Bedeutung gewinnen würde. Dieser Aufbruch hat mich fasziniert – ich wollte diese Entwicklung aktiv mitgestalten. Dafür war ich auch bereit, die Schule zu verlassen, obwohl ich meine Arbeit dort sehr geschätzt habe.

Was waren für dich die wichtigsten Meilensteine?
Die exakten Meilensteine der verschiedenen Projekte weiss ich heute nicht mehr im Detail. Aber die grossen Linien sind mir sehr präsent.

Die IT-Strategie war im Grunde eine Infrastrukturvorlage: Alle kantonalen Schulen erhielten eine moderne ICT-Infrastruktur, damit ein zeitgemässer Unterricht überhaupt erst möglich wurde. Natürlich war die Infrastruktur nicht Selbstzweck – im Kern ging es immer um den Bildungsauftrag. Die Vorlage enthielt deshalb auch klare pädagogische Ziele. So mussten beispielsweise 95 Prozent der Lehrpersonen innerhalb von fünf Jahren definierte Mindestkompetenzen nachweisen und diese in ihrer Unterrichtstätigkeit umsetzen.

Zu Beginn entwickelten wir zahlreiche neue Weiterbildungsformate und -angebote für Lehrpersonen. Einige davon konnten allerdings gar nicht durchgeführt werden, weil sich zu wenig Teilnehmende anmeldeten. Deutlich erfolgreicher waren die Weiterbildungen zur Lern- und Arbeitsplattform Office 365, dem heutigen M365. Innerhalb von neun Monaten konnten wir an allen kantonalen Schulen obligatorische Einführungskurse durchführen. Als kurz darauf während der Covid-19-Pandemie Fernunterricht eingeführt werden musste, trugen diese Schulungen zusammen mit der bereitgestellten Plattform wesentlich dazu bei, dass die kantonalen Schulen im Baselbiet die Phase der Schulschliessungen gut bewältigen konnten.

Rückblickend brachte die Pandemie durch die Priorisierung digitaler Unterrichtsformen einen deutlichen Praxisschub bei den Lehrpersonen und damit auch einen erheblichen Kompetenzzuwachs. Flächendeckende Weiterbildungen zur Plattform sind heute kaum mehr nötig, weil M365 im Schulalltag etabliert ist und der Schwerpunkt nun eher auf vertiefender didaktischer Nutzung und spezifischen Fragestellungen liegt.

Ich hatte in den vergangenen Jahren immer wieder die Möglichkeit, Schulen im In- und Ausland zu besuchen, die mit innovativen ICT-Konzepten arbeiteten. Besonders beeindruckt haben mich jene Schulen mit einem 1:1-Modell, in denen alle Lernenden mit einem persönlichen Gerät arbeiteten. Es war mir klar, dass hoch verfügbare digitale Geräte den Unterricht grundlegend verändern können – im Positiven, aber nur, wenn man sie gut durchdacht einsetzt.

In einem ersten Schritt haben wir deshalb das Pilotprojekt «Tabletkoffer» gestartet. Wir luden interessierte Lehrpersonen ein, ihren Unterricht für ein Schuljahr in einem 1:1-Setting zu erproben – also mit einem eigenen Gerät pro Schülerin und Schüler. Wir stellten die nötige Ausrüstung zur Verfügung und begleiteten sie eng, damit sie neue Formen des Lehrens und Lernens ausprobieren konnten.

Dieses Projekt war sehr erfolgreich: Wir erhielten wertvolle Einblicke, wie Unterricht im 1:1-Setting konkret funktioniert und wo Chancen, aber auch Grenzen liegen. Darauf aufbauend starteten wir einen Piloten mit Schulen, die während drei Jahren mit einigen Klassen systematisch Erfahrungen sammeln konnten. Am Ende dieses Weges stand die flächendeckende Einführung des 1:1-Modells an allen Schulen der Sekundarstufe I im Schuljahr 2020/2021.

Besonders geschätzt habe ich dabei die Zusammenarbeit mit engagierten Lehrpersonen, mit denen wir praxistaugliche Lösungen entwickeln konnten. Einige von ihnen unterstützten uns später als externe Mitarbeitende und brachten ihre Erfahrungen direkt in die Weiterentwicklung der Massnahmen ein – das war für uns eine grosse Hilfe.

Worauf blickst du besonders stolz zurück?
Besonders stolz bin ich auf das PICTS‑Projekt, mit dem der Pädagogische ICT‑Support an den Schulen aller Stufen aufgebaut werden konnte. Als ICT Bildung unterstützen wir die Schulen schon lange mit Weiterbildungen, Beratungen, Vernetzungsanlässen und Empfehlungen dabei, Medien und Informatik im Unterricht sowie die digitale Transformation umzusetzen. Irgendwann wurde aber klar, dass wir mit zentralen Angeboten allein den Alltag in den Klassenzimmern nur begrenzt erreichen.

Es war daher der konsequente nächste Schritt, an jeder Schule eigene PICTS‑Lehrpersonen aufzubauen, die ihre Kollegien vor Ort beraten, begleiten und bei der konkreten Unterrichtsentwicklung mit digitalen Medien unterstützen. So verbindet das PICTS‑Modell den kantonalen Rahmen und die Standards von IT.SBL mit einer schulnahen, niederschwelligen Umsetzungsstruktur. Die PICTS in den Schulen haben sich in kurzer Zeit als unersetzlich erwiesen – gerade jetzt, wo Themen wie der Umgang mit künstlicher Intelligenz im Unterricht neue Fragen aufwerfen und viele Lehrpersonen dankbar sind für jemanden, der sie fachlich und pädagogisch durch diese Veränderungen begleitet.

Erzählst du uns auch von herausfordernden Momenten?
Der Regierungsratsentscheid von 2019, allen Sekundarschülerinnen und -schülern ein iPad als digitalen Lernbegleiter zur Verfügung zu stellen, war ein sehr umfangreiches und anspruchsvolles Projekt. Eine Herausforderung war für uns die Frage, wie wir die Lehrpersonen so vorbereiten können, dass die Geräte im Unterricht auch tatsächlich gewinnbringend eingesetzt werden.

Wir rüsteten die Lehrpersonen deshalb vor den Schülerinnen und Schülern mit iPads aus und organisierten obligatorische Einführungskurse für alle Schulen. Dabei zeigte sich rasch, dass das iPad für viele Lehrpersonen Neuland war und der Weiterbildungsbedarf deutlich über diese Kurse hinausging. Anstatt zusätzliche Schulungen extern einzukaufen, entschied ich mich für einen nachhaltigeren Weg: Wir bauten einen Pool engagierter Lehrpersonen auf, die aus ihrer Unterrichtspraxis heraus Weiterbildungen für Kolleginnen und Kollegen anboten.

Noch während der Pandemie starteten wir mit einer Gruppe von Lehrpersonen Online-Mikroweiterbildungen zu Unterrichtsideen mit dem iPad, die wir «iPad-Inputs» nannten. Das Angebot war von Anfang an sehr gefragt und verzeichnete auch in den Folgejahren bis zu 800 Anmeldungen pro Jahr.

Wie hat sich die digitale Bildung in den letzten Jahren verändert? Welche Entwicklungen siehst du für die kommenden Jahre?
Digitale Bildung ist im Zeitalter der digitalen Transformation von grosser Bedeutung. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, mit digitalen Technologien kompetent umzugehen, um sich in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft orientieren und aktiv teilhaben zu können. Diese Notwendigkeit hat sich in den letzten Jahren nochmals deutlich verstärkt – nicht zuletzt durch die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz, die ganz neue Fragen an den Unterricht und an die Kompetenzen der Lehrpersonen stellt.

Als ich anfing, wurde ich von Lehrpersonen oft darauf hingewiesen, dass die Ausrüstung und Infrastruktur unzuverlässig und nicht ausreichend seien. Das hat sich grundlegend verändert: Heute sind die ICT‑Infrastruktur und ‑Ausstattung sowie die verfügbaren digitalen Plattformen und Anwendungen an den kantonalen Schulen dank IT.SBL hoch verfügbar und professionell betreut.

Ebenso hat sich die Verbindlichkeit stark gewandelt. Früher hatte ich manchmal den Eindruck, es hänge stark vom persönlichen Engagement und den Kompetenzen einzelner Lehrpersonen ab, ob Schülerinnen und Schüler überhaupt mit digitalen Medien und Informatik im Unterricht lernen und arbeiten konnten. Auf der Volksschulstufe ist digitale Bildung heute deutlich verbindlicher geworden: Durch den Modullehrplan «Medien und Informatik», die Einführung eines eigenen Unterrichtsgefässes im Jahr 2021 und die Weiterbildungen im Rahmen von «Zukunft Volksschule» ist sie fest im Schulalltag verankert.

Was möchtest du deiner Nachfolgerin Nina Ledwinka auf den Weg geben?
Die Umsetzung zahlreicher Projekte, an denen ich beteiligt war, lag letztlich in der Verantwortung der Schulen und Lehrpersonen – nach dem Motto: «Die Umsetzung im Unterricht ist Sache der Lehrpersonen».

Ich würde meiner Nachfolgerin daher mitgeben, die Schulen und Lehrpersonen als zentrale Akteure der Umsetzung zu sehen und die eigene Rolle vor allem unterstützend zu verstehen: Orientierung geben, zuhören und Unterstützung anbieten. Ich war selber manchmal versucht, zu viel zentral steuern zu wollen – daher dieser Hinweis.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wie wirst du deine freie Zeit zukünftig verbringen?
Dies habe ich noch nicht entschieden. Ganz sicher will ich mehr Zeit gemeinsam mit meiner Frau verbringen.

Bild Legende:
Foto: zVg Lukas Dettwiler