Augusta Raurica im Leuchtturmprojekt «Muoniverse»
Das Projekt «Muoniverse» widmet sich der Forschung mit Myonen, die zerstörungsfreie und hochpräzise Materialanalysen ermöglichen. Mit dem nationalen Forschungsschwerpunkt eröffnen sich für die Archäologie vielversprechende Perspektiven. Auch die Römerstadt Augusta Raurica bringt ihre Expertise ein.
Teilchenphysik ermöglicht neue Einblicke in archäologische Funde
Das Projekt widmet sich der Forschung mit Myonen – Elementarteilchen, die es erlauben, Materialien tiefgreifend und gleichzeitig zerstörungsfrei zu untersuchen. Dank «Muoniverse» können die nutzbaren Myonenstrahlen deutlich besser fokussiert werden, wodurch hochpräzise Analysen selbst kleinster Proben möglich werden und sich neue Anwendungsfelder erschliessen. So lassen sich etwa die Elementzusammensetzung bestimmen, verborgene Schichten, Strukturen und Hohlräume sichtbar machen, Fälschungen erkennen oder Herstellungsprozesse und Datierungen präzisieren. Mit demselben Prinzip der Myonenradiographie wurden 2017 geheime Hohlräume der Cheops-Pyramide aufgespürt. Die Weiterentwicklung der Myonenforschung wäre ein fundamentaler Schritt und eröffnet einzigartige Möglichkeiten für die archäologischen Wissenschaften.
Die Rolle von Augusta Raurica im Projekt
Als bedeutendes archäologisches Forschungs- und Vermittlungszentrum verfügt die Römerstadt Augusta Raurica über eine umfangreiche Sammlung sowie langjährige Erfahrung in der archäologischen Analyse, Konservierung und Kontextualisierung von Fundobjekten. Gemeinsam mit dem Schweizerischen Nationalmuseum formuliert Augusta Raurica konkrete Fragestellungen aus der Praxis und trägt dazu bei, dass die neuen Technologien gezielt für die Erforschung und den Erhalt von Kulturgütern weiterentwickelt werden.
Mit dem Schweizerischen Nationalmuseum ist die Römerstadt ausserdem für die Vermittlung der Forschungsergebnisse zuständig und entwickelt Vermittlungsformate, um die Forschung aus «Muoniverse» für die breite Öffentlichkeit verständlich und zugänglich zu machen – ein zentrales Anliegen des Projekts.
Text: Fabiana Castiglione, Römerstadt Augusta Raurica
Foto: Paul Scherrer Institut PSI/Mahir Dzambegovic
Weitere Informationen:
Medienmitteilung PSI
Beitrag Magazin "Augusta Raurica", Ausgabe 02/2021, "Tiefe Einblicke in römerzeitliches Metallhandwerk"
News PSI, 8.6.2022, "Herkules und Akkus durchleuchtet"