Perspektivenwechsel durch Sensibilisierungs-Parcours
Gehörlos miteinander reden, sich mit dem weissen Stock orientieren oder im Rollstuhl Barrieren überwinden: Ein Sensibilisierungs-Parcours ermöglichte Mitarbeitenden des Amts für Kultur einen eindrücklichen Perspektivenwechsel und machte unterschiedliche Wahrnehmungen erfahrbar.
Rund 60 Mitarbeitende des Amts für Kultur bewältigten zum Jahresausklang 2025 einen Sensibilisierungs-Parcours im und rund um das Museum.BL. Im Zentrum stand das direkte Erleben von Behinderung: Begleitet von Fachpersonen aus Organisationen der Behindertenselbsthilfe und -beratung konnten die Teilnehmenden gehörlos miteinander reden, sich mit dem weissen Stock orientieren oder im Rollstuhl Barrieren überwinden. Viele Teilnehmende beschrieben die Übungen als herausfordernd und nachhaltig wirkend.
Erfahrungsräume im Sensibilisierungs-Parcours
Aufgeteilt in sechs Gruppen wurden die Mitarbeitenden des Amts für Kultur durch unterschiedliche Erfahrungsräume geführt. Jede Gruppe absolvierte zwei Posten. Pro Station gab es eine kurze Einführung durch die jeweilige Fachperson und anschliessend den Perspektivenwechsel – mit Hilfsmitteln, Übungen und Begleitung.
Rollstuhl – Wege, Kanten, Menschenmengen
Zwei Stationen fokussierten auf Mobilität im Rollstuhl. Christine Bühler, Präsidentin des Behindertenforums Region Basel, und Chikha Benallal, Peer-Beraterin Deutschschweiz der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, begleiteten die Teilnehmenden in den Ausstellungsräumen des Museum.BL sowie auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt. Rampen, Lifte, Toilettenzugänge, Thekensituationen, Kopfsteinpflaster und dichte Besucherströme machten deutlich, wie rasch selbst kurze Strecken zur Hürde werden. In den Gesprächen zeigte sich: Unterstützung ist hilfreich – entscheidend bleibt jedoch, dass Zugänge grundsätzlich funktionieren.
Gehörlos – Kommunikation ohne Stimme
Lua Leirner vom Gehörlosen-Fürsorgeverein der Region Basel führte in Fingeralphabet und Gebärdensprache ein. Der Wechsel in eine Kommunikation ohne gesprochene Sprache zeigte, wie wichtig klare Signale, Blickkontakt und Struktur sind – und wie schnell Information verloren geht, wenn Übersetzung oder Sichtbezug fehlen.
Hörbehinderung – Mundbild, Kontext und Akustik
Mit Dieter Isch undPatrick Dubach vom Schwerhörigen-Verein Nordwestschweiz erlebten die Teilnehmenden, wie anspruchsvoll Lippenlesen und Mundbilddeutung sind – insbesondere ohne Kontext. Gleichzeitig wurde deutlich, wie zentral gute Akustik für die Teilhabe ist – nicht nur für schwerhörige Menschen, sondern für alle.
Blindheit – sicher gehen, Vertrauen aufbauen
Mit Dunkelbrille und weissem Stock ging es vom Museum.BL über die Treppe in obere Stockwerke des Amtshauses. Josef Camenzind, Präsident der Sektion Nordwestschweiz des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands, zeigte, wie zentral Begleitung, Orientierung und verlässliche Strukturen sind.
Sehbehinderung – beschreiben, finden, orientieren
In der Ausstellung «Seidenband. Kapital, Kunst & Krise» im Museum.BL sensibilisierte Paolo Fraschina, Vorstandsmitglied der Sektion Nordwestschweiz des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands, für eingeschränktes Sehen. Das Beschreiben von Objekten, das Zurechtfinden in der Ausstellung sowie das Auffinden von Informationen machten deutlich, wie wichtig Kontraste, Beleuchtung, Lesbarkeit und Sprache für den Zugang sind.
Was der Parcours erfahrbar machte: ein Mehrwert für Kulturinstitutionen
Der Parcours war Teil des Jahresausklangs des Amts für Kultur und wurde gemeinsam mit dem Museum.BL sowie der amtsinternen Inklusionsbeauftragten Paola Pitton geplant und umgesetzt. Amtsleiterin Esther Roth betonte, die Expertinnen und Experten hätten Einblick in eine Realität ermöglicht, «die oft genug nicht unsere ist».
Text: Claudia Puzik, Amt für Kultur
Fotos: Matthias Willi
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