Murat Yakin zeigte sich am SportTalk in WM-Form
Der Schweizer Fussballnationaltrainer Murat Yakin sprach beim ersten SportTalk in der Kantonsbibliothek Baselland über seine Philosophie, die Vorbereitung und Erwartungen an sein Team vor der Weltmeisterschaft im kommenden Juni in den USA, Kanada und Mexiko.
Die Premiere des ersten gemeinsamen SportTalks des Sportamts Baselland und der Kantonsbibliothek Baselland wartete am 13. Januar 2026 gleich mit dem Besuch einer der wichtigsten Sportpersönlichkeiten der Schweiz auf: Der in Münchenstein aufgewachsene Gesprächsgast, Fussballnationaltrainer Murat Yakin, präsentierte sich eine Stunde lang bestens gelaunt und informativ. Das Schweizer Nationalteam im Fussball wird in diesem Sommer zum sechsten Mal in Folge die Endrunde einer Weltmeisterschaft bestreiten. In den USA und Kanada wird die Schweizer Auswahl auf Gastgeber Kanada, Katar und die Sieger der europäischen Playoff-Runde (Italien, Bosnien-Herzegowina, Wales oder Nordirland) treffen.
«Strive for greatness» ist das Motto der Schweizer Delegation, das bereits vor der erfolgten Qualifikation, im Rahmen eines Trainingscamps im Juni 2025 in den USA, gewählt wurde. In diesem Camp, so erzählt Yakin, sei vieles zusammengewachsen in seinem Team. Diese Basis habe eine souveräne Qualifikationsphase ermöglicht und soll nun auch in der Vorbereitungsphase für die WM im Fokus stehen. Das Schweizer Nationalteam wird im März gegen Deutschland und Norwegen zwei herausfordernde Testspiele bestreiten, gegen Deutschland wird am 28. März 2026 im Basler St. Jakob-Park gespielt.
Grosse Veränderungen im Schweizer Kader sind nicht mehr zu erwarten. «Wir hatten ein gutes Gefühl, als wir im vergangenen Sommer Johan Manzambi vom SC Freiburg für den Zusammenzug in den USA eingeladen haben. Er hat sich mittlerweile in der Bundesliga sehr gut entwickelt», sagt Yakin. Aber natürlich bleibt die Tür für die definitive WM-Selektion bis zum Schluss offen. «Ich werde viele Kontakte mit den Nationalspielern haben, die in ganz Europa engagiert sind», sagte Yakin. Er hielt auch fest, dass es aufgrund der wachsenden Ansprüche in der Weltmeisterschaft immer schwieriger werde, Spieler aus der Schweizer Liga zu nominieren.
Yakin ging am SportTalk, der rund 130 Interessierte anlockte, auf seine Karriere als Trainer ein, die 2006 beim FC Concordia Basel begann und sich mit Stationen beim FC Frauenfeld und der U21 des Grasshoppers Club Zürich (GC) vielversprechend entwickelte. Nach dem Aufstieg mit dem FC Thun und zwei Meistertiteln mit dem FC Basel 1893 kam es zu einem Bruch. Noch immer kann er schwer nachvollziehen, warum er den FCB damals nach zwei erfolgreichen Jahren verlassen musste. Durch die Vermittlung seines damaligen Spielers Marek Suchy kam er in Kontakt mit dem russischen Fussballverein Spartak Moskau, welchen er in der Saison 2014/15 betreuen konnte. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war er für GC, Sion und den FC Schaffhausen tätig, wo er auch Management-Aufgaben übernahm. Etwas unverhofft für ihn kam dann am 1. August 2021, dem Schweizer Nationalfeiertag, die Anfrage von SFV-Direktor Pierluigi Tami, ob er sich das Amt des Nationaltrainers vorstellen könnte.
Nun ist er seit 55 Spielen verantwortlich für die Schweizer Auswahl und sagt, dass er die Arbeitsstruktur rund um sein Team sehr schätze. «Es gibt sehr intensive Phasen mit der Vorbereitung und Umsetzung der Zusammenzüge, aber es gibt auch immer wieder Rückzugsmöglichkeiten. Das ist der grosse Unterschied zur Arbeit als Clubtrainer.» Yakin glaubt, dass er mit den Jahren vor allem an Reife zugelegt habe und auch offen sei für verschiedenste Impulse in- und ausserhalb seines unmittelbaren Umfelds.
«Die Anforderungen an ein Nationalteam wachsen laufend», schilderte Yakin. «Die grossen Nationen kommen mittlerweile mit einer Delegation von über 120 Leuten zu den Spielen – wir bewegen uns mit 50 bis 60 Leuten, inklusive der Spieler.» Er wünscht sich, dass im Hinblick auf die WM der Staff qualitativ ergänzt werden kann.
In einer kurzen Frage-Antwort-Sequenz mit Moderator Daniel Schaub bezeichnete Yakin seinen ehemaligen Mitspieler Stéphane Chapuisat als besten Schweizer Nationalspieler aller Zeiten, wobei er auch seinen aktuellen Captain und Rekordnationalspieler Granit Xhaka nicht unerwähnt liess. Köbi Kuhn ist sein bester Nationaltrainer und das Heimspiel gegen Celtic Glasgow im Spätsommer 2002, welches die erste Champions-League-Qualifikation des FCB besiegelte, sein «Spiel des Lebens»: «Wie mein Bruder Hakan Yakin seinen Mitspieler Christian Gimenez beim 2:0 fand, ist mir heute noch ein Rätsel. Der muss zehn Augen gehabt haben.»
Obwohl Murat Yakin zuletzt viel Zeit in den USA verbrachte, kann er dem Land des WM-Gastgebers 2026 nicht ganz so viel abgewinnen. Als er mit der Familie über Weihnachten in New York war, zog er sich aufgrund der Hektik der Stadt auch mal ins Hotelzimmer zurück. Ruhe strahlt er auch seinen Spielern gegenüber aus – und diese Eigenschaft ist offensichtlich erfolgsbringend.
Text: Daniel Schaub, Sportamt Baselland
Fotos: Timea Lütte (im Auftrag der Kantonsbibliothek Baselland)