«Ich bin einfach niemand gewesen» beim Museum.BL

Diese Wanderausstellung «Ich bin einfach niemand gewesen» beleuchtet die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen bis 1981, von denen hunderttausende Menschen in der Schweiz betroffen waren. Vom 27. Mai bis 14. Juni 2026 macht sie Halt auf dem Zeughausplatz vor dem Museum.BL in Liestal.

Bis 1981 konnten in der Schweiz Menschen, die nicht für sich selbst sorgen konnten, die als verwahrlost galten oder deren Lebensweise den gesellschaftlichen Normen widersprach, von Behörden ohne Gerichtsentscheid in Heime, psychiatrische Kliniken, Arbeitsanstalten oder Pflegefamilien eingewiesen werden. Betroffen von Massnahmen wie Fremdplatzierung, administrativer Versorgung, Zwangssterilisation oder Arbeitszwang waren hunderttausende Menschen: darunter Kinder, Jugendliche, ledige Mütter, Suchtkranke und Menschen mit Behinderungen. Die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen oder Fremdplatzierungen führten häufig zu Entwurzelung, Missbrauch- und Gewalterfahrungen und schweren Traumata.

Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Zwang
Die Ausstellung «Ich bin einfach niemand gewesen» macht das Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Zwang sichtbar, gibt Betroffenen eine Stimme und weckt Empathie für Menschen, die am Rand der Gesellschaft standen – und stehen. Sie blickt kritisch auf die Vergangenheit und Gegenwart und fragt: Wann wird Fürsorge zu Zwang? Wann ist Zwang legitim? Und wie lassen sich Machtmissbrauch und Unrecht verhindern?

Vom 27. Mai bis 14. Juni 2026 widmen sich drei mobile Häuser auf dem Zeughausplatz vor dem Museum.BL diesen Themen aus unterschiedlichen Perspektiven. Im ersten Haus sind persönliche Geschichten von Betroffenen zu hören, während das zweite Haus den Verantwortlichen und ihrer Optik gewidmet ist. Videointerviews geben Einblick in die aktuellen Rahmenbedingungen. Im dritten Haus werden die Besuchenden – Öffentlichkeit, Medien und Politik – in die Auseinandersetzung miteinbezogen. Das Projekt, das vom Ausstellungsbüro Fischteich aus Aarau erarbeitet wurde, fasst das Thema bewusst weiter: von den Betroffenen der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen über vom Saisonnier-Statut betroffene Familien bis hin zu Geflüchteten und Sans Papiers.

Veranstaltungen im Museum.BL
Begleitend zur Ausstellung findet im Museum.BL am Donnerstag, 11. Juni 2026 um 18 Uhr ein moderiertes Erzählcafé statt. Interessierte und Betroffene können sich zum Thema austauschen und ihre Geschichten erzählen. Im Nachgang zur Ausstellung haben Personen, die selbst Opfer waren oder deren Familiengeschichte von Fürsorge und Zwang beeinflusst wurde, die Möglichkeit, an einer Geschichtswerkstatt teilzunehmen. Sie werden von Fachpersonen dabei unterstützt, ihre eigene Geschichte zu erforschen und sich mit anderen auszutauschen.

Am Dienstag, 2. Juni 2026 um 18 Uhr findet im Museum.BL ein Themenabend mit Historikerin Miriam Baumeister statt, an dem die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in Kanton Basel-Landschaft beleuchtet werden.

Die Ausstellung für Schulklassen

Schulklassen können die Ausstellung ab dem 28. Mai 2026 besuchen. Für die Vor- und Nachbearbeitung des Ausstellungsbesuchs steht den Lehrpersonen didaktisches Material zur Verfügung. Es richtet sich primär an die Sekundarstufe II. Der Ausstellungsbesuch und das Unterrichtsmaterial können bei Jennifer Degen von der Storie Kulturagentur gebucht, respektive bezogen werden ([email protected]).

Text: Jennifer Degen, für das Museum.BL
Fotos: Staatsarchiv Baselland

Bild Legende:
Schülerinnen und Schüler, Lehrerpersonen und Betreuerinnen und Betreuer vor dem Schulheim Schillingsrain, Liestal, Datum unbekannt
Bild Legende:
Arbeiten auf dem Feld, Schulheim Schillingsrain, Liestal, zw. 1943 und 1957