Als Psychologin beim Schulpsychologischen Dienst

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Wie sieht die Arbeit einer Mitarbeiterin des Schulpsychologischen Diensts (SPD) aus? Einen spannenden Einblick in ihre vielfältigen Aufgaben gibt uns Jasmin Ihr, Schulpsychologin in Muttenz. Dazu verrät sie uns, wie sie emotional belastende Momente besser bewältigen kann.

Jasmin Ihr, was sind die Aufgaben einer Psychologin im SPD?
Zu meinen Aufgaben gehören die Diagnostik und Beratung bei Fragen zu schulischen Problemen von Schülerinnen und Schülern mit dem Ziel, für die Kinder und Jugendlichen geeignete Lösungen und Hilfestellungen zu finden. Dazu arbeiten wir mit Eltern, Lehrpersonen und Schulleitungen und anderen Fachpersonen zusammen. Wir beraten auch Lehrpersonen, Schulleitungen oder die Schulsozialarbeit bei schwierigen Situationen mit Schülerinnen und Schülern und Klassensituationen. Zudem gehören Interventionen im Bereich der Prävention zu unseren Aufgabenbereichen. Des Weiteren ist der SPD für alle Kinder zuständig, welche sonderschulische Massnahmen benötigen. Wir klären die Kinder ab und geben unsere Empfehlungen zuhanden der entscheidenden Stellen ab.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
In der Regel beginne ich meinen Tag mit einer Abklärung, welche ein ausführliches Gespräch mit dem Kind und den Erziehungsberechtigten beinhaltet. Zuerst möchte ich jeweils herausfinden, ob das Kind weiss, warum es zum SPD gekommen ist. Manche Kinder wissen das sehr genau, andere sind weniger gut darüber informiert oder scheuen sich, über den Anmeldegrund zu sprechen. Mir ist es wichtig, einen entspannten und auch humorvollen Umgang mit dem Kind zu finden, damit der Stress der Abklärung bald verfliegt und das Kind Vertrauen fassen kann. In einem zweiten Teil findet die Diagnostik statt, bei der meist auch ein allgemeiner Leistungstest und weitere, für die Fragestellung hilfreiche diagnostische Verfahren durchgeführt werden. Eine solche Abklärung und Auswertung dauert in der Regel drei bis vier Stunden.

Darüber hinaus beantworte ich täglich Mails mit Anfragen von Schulbeteiligten, prüfe Voranmeldungen, führe Telefonate mit Lehrpersonen und Schulleitungen oder auch mit Eltern. Wenn es die Zeit erlaubt, was sehr «schuljahreszeitabhängig» ist, verfasse ich Berichte, damit die gewonnenen Informationen und Vereinbarungen gut dokumentiert sind. Nicht selten werden die Berichte zu einem späteren Zeitpunkt wieder benötigt.  

Am Nachmittag finden oft Abschlussgespräche statt, in denen gemeinsam mit den Lehrkräften, den Eltern und auf Wunsch auch im Beisein des Kindes die Ergebnisse der Abklärung besprochen, Massnahmen diskutiert und gegebenenfalls Empfehlungen zuhanden der Schulleitung abgeleitet werden. Natürlich gehören auch Schulbesuche, Fallbesprechungen mit Schulleitungen, Teamsitzungen, Weiterbildungen und Supervisionen sowie in meinem Fall die Mitarbeit in der Kinderschutzkommission zu meiner Tätigkeit.

Was mögen Sie an Ihrem Job besonders?
Besonders gefällt mir der Kontakt zu den unterschiedlichsten Kindern und Jugendlichen und die Herausforderung, ihnen aus der kurzen, oft einmaligen Begegnung am SPD etwas Positives und Stärkendes mit auf den Weg zu geben. Wenn es mir gelingt, dem Kind - das ja meist wegen einer Schwierigkeit zu mir kommt - und den Eltern dessen Ressourcen und Stärken zu spiegeln und für alle Beteiligten sichtbar zu machen, erfüllt mich das mit besonderer Freude. Ein weiteres sehr befriedigendes Gefühl ist für mich, wenn ich von Lehrpersonen und Erziehungsberechtigten erfahre, dass meine Beratung ihnen neue Sichtweisen und einen grösseren Handlungsspielraum ermöglicht hat, was sich wiederum positiv auf die schulische Laufbahn und das emotionale Wohlbefinden des Kindes auswirkt.

Als weitere Bereicherung in meinem Job sehe ich unser Team, welches in unterschiedlichen Bereichen Spezialisierungen aufweist, was zu einem hohen Fachwissen und guter Unterstützung beiträgt.

Gibt es schwierige Seiten an Ihrem Job?
Die Arbeitsbelastung hat in den letzten Jahren ständig zugenommen, und es gibt immer mehr komplexe «Fälle», an denen viele Fachstellen beteiligt sind. Auch der Druck auf die Kinder hat zugenommen. Die Vorstellung davon, was Kinder aus meiner Sicht leisten sollten, und dem, was ihnen im Alltag abverlangt wird, stimmt nicht immer überein. Das macht mich manchmal etwas ratlos. Und obwohl in der Regel eine gemeinsame Problemsicht gefunden wird, kommt es in seltenen Fällen vor, dass Eltern mit meiner Diagnose und meinen Empfehlungen nicht einverstanden sind. Dann bleibt mir nur die Hoffnung, dass ich mich vielleicht doch geirrt habe und das Kind trotzdem eine gute Schullaufbahn machen kann. Negative Entwicklungen oder Umwege können wir nicht immer verhindern.

Was tun Sie zum Ausgleich?
Ich treibe gerne Sport: Tennis, Sypoba, Wandern, Skifahren. Zudem lese ich gerne, schaue hin und wieder Serien und Filme, gehe gerne mit Freundinnen und Freunden essen und liebe Partys, wo ich ausgelassen tanzen kann!


Kurzbiographie
Nach ihrem Psychologiestudium hat Jasmin Ihr eine Ausbildung zur Psychotherapeutin absolviert und ein Jahr in der Kinder- und Jugendpsychiatrie BS gearbeitet. Seit 2001 arbeitet sie beim SPD BL und in eigener Praxis in Pratteln. Zudem ist sie in der Kinderschutzkommission und als Vertrauensperson bei sexueller Belästigung im Kanton Basel-Landschaft tätig. Des Weiteren bietet sie Supervisionen für Lehrpersonen an.

Jasmin wohnt in Pratteln, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 15 und 11 Jahren.


Mein Lebensmotto:
Ein Gläschen Prosecco, gute Musik und tanzen: das geht immer!"
(Nicht zuletzt auch um die emotionale Belastung abschütteln zu können)

Foto: Daniel Nussbaumer