Wenn der Buntspecht durchs Museum führt

Im Museum.BL sieht man neuerdings einen Buntspecht durchs Haus flattern.  Er nimmt Schulkinder und Familien mit auf die Suche nach dem Paradiesvogel und berichtet aus seinem Spechtleben und von seinen gefiederten Artgenossen rund um den Globus. Ein Blick hinter die Kulissen mit der Verantwortlichen Simone Ochsner und dem Museumspädagogen Leander High.

Simone Ochsner, Sie konzipieren Theaterführungen als Besonderheit des Museum.BL. Was bietet diese Form der Vermittlung?
Bei einer Theaterführung tritt die vermittelnde Person als Tier oder historische Figur direkt aus der Ausstellung heraus und kommt mit den Museumsgästen ins Gespräch. Bei einer klassischen Führung hingegen übernimmt sie eine Vermittlungsrolle zwischen der Ausstellung und den Gästen und berichtet «neutral» über die Ausstellung. Das vermittelte Wissen bleibt im Grundsatz dasselbe. Die Theaterführung bietet aber eine zusätzliche Perspektive. Im Fall der neuen Ausstellung «Auf der Suche nach dem Paradiesvogel» tauchen die Gäste an einer Theaterführung nicht nur in die paradiesische Vogelwelt rund um den Globus ein, sondern sie erfahren auch eine Menge über den Buntspecht selbst – beispielsweise warum er einen spitzen Schnabel hat und weshalb seine Eier leuchtend weiss sind.

Kann die Führungsperson ihre Rolle mitgestalten?
Am Museum.BL sind Theaterführungen auf die Führungspersonen zugeschnitten und entstehen in direkter Zusammenarbeit mit ihnen. Voraussetzung dafür ist, dass sie neben schauspielerischen und pädagogischen Kompetenzen ein fundiertes Wissen zum Ausstellungsthema besitzen. Diese Kombination ist zentral, denn jede Führung gestaltet sich etwas anders – abhängig vom der Zusammensetzung der Gruppe, vom Vorwissen der Teilnehmenden oder von den Wünschen der Lehrpersonen. Auf diese Individualität legen wir auch bei den klassischen Führungen Wert.

Warum macht das Museum.BL Theaterführungen?
Theaterführungen machen einfach Spass – nicht nur live zum Miterleben, sondern auch in der Erarbeitungsphase. Sie eigenen sich für alle Altersstufen. Vor allem für Kinder sind sie ein wunderbares Vermittlungsinstrument. Die Kinder lassen sich gerne und ohne Schwierigkeiten auf die Geschichten der Führungsperson ein. Die Beziehung zwischen Kindern und Führungsperson entsteht wie von selbst. Dass der Buntspecht eigentlich ein Mensch ist, irritiert die Kinder nicht – sie nehmen ihn ernst und hören ihm zu. Sie entwickeln Empathie für ihn und fragen ihn über sein Vogelleben aus. Die Kinder haben ihr Vergnügen daran, wenn der Buntspecht von ihnen wissen will, wo ihre Flügel sind, was sie fressen und weshalb sie zur Schule gehen. Oder wenn er sich mühelos mit Papageientaucher- oder Paradiesvogelpräparaten unterhält. Diese Form von Interaktion ermöglicht es, dass die Kinder mit Leichtigkeit Wissen über die Vogelwelt und über das Leben des Buntspechts erwerben, und das auf lustige und entspannte Weise.

Leander High, Sie sind Museumspädagoge und führend Schulklassen und Familien durch die Ausstellung «Auf der Suche nach dem Paradiesvogel». Wieso gerade als Buntspecht?
Als einheimischer Vogel passt er gut in den Lehrplan der Schulen und in das Erfahrungsumfeld der Kinder. Der Buntspecht ist auch in Stadtparks zu sehen und sein Balzklopfen ist unüberhörbar. Die Lebensweise des Buntspechts fasziniert die Kinder. Daneben wirkt er, wenn er sich an einen senkrechten Stamm klammert, aufrecht positioniert menschähnlich. Das fördert die Identifikation mit dem Tier. 

Welches Wissen vermitteln Sie den Kindern?
Die Auswahl an ökologischen, biologischen, geschichtlichen und kulturellen Inhalten richtet sich unter anderem nach dem Alter. Die Kinder der ersten vier Primarklassen stellen sehr gerne Sachverhalte szenisch dar. Ich arbeite viel mit festen Zweiergruppen, die während der Führung verschiedene Aufgaben bekommen: «Stellt diese Szene dar: Ein Kind ist der Baumstamm, das andere Kind ist der Buntspecht, der einen Föhrenzapfen einklemmt und die Samen daraus schlägt!» Die Kinder sind mit Eifer dabei und schätzen diese unterhaltsamen Momente.

Können Sie ein Beispiel für die Vermittlung von kulturellem Wissen liefern?
Handwerk und Wissen kann schon physisch schwer daherkommen. So gehen zwei Kinder mit «Muskeln» in die «Bibliothek» und holen ein Riesenbuch mit den wissenschaftlichen Illustrationen der lange verkannten Elizabeth Gould Anfang des 19. Jahrhunderts. Dann schlüpfen sie in die Rolle von Lehrpersonen und zeigen der Klasse die Werke.

Was finden die Kinder besonders lustig?
Wenn ich als Buntspecht und Baumhöhlenbrüter für den Papageientaucher auf den Lofoten in seiner Erdhöhle Licht schöpfe – mit einem Kaffeesack aus Brasilien. Seldwyla lässt grüssen.

LINKS: Theaterführung «Der Buntspecht und der Paradiesvogel»
Buchbar
Öffentlich: Samstag, 25.11.2023, 18–18.30 Uhr/ 19–19.30 Uhr
Ausstellung «Auf der Suche nach dem Paradiesvogel»

Weitere Theaterführungen:
Seidenband «Das Seidenband. Aus dem Leben einer Baselbieter Posamenterin»
Wildes Baselbiet «Tierische Signale. Leuchtkäfer, Wildkatze, Waldkauz»

Fotos: Georgios Kefalas