Das Baselbiet zu Gast am Sacco di Roma
Vom 4. bis zum 6. Mai 2024 weilte die offizielle Delegation des Kantons Basel-Landschaft im kleinsten Staat der Welt. Angeführt von Regierungspräsidentin Monica Gschwind folgten die Regierung sowie Vertretungen aus Behörden und Kirche der Einladung der Päpstlichen Schweizergarde an die Vereidigung der neuen Rekruten. Vorbereitet wurde der Kantonsauftritt im Vatikan von einem Organisationskomitee aus Mitgliedern der Verwaltung und der römisch-katholischen Landeskirche.
Bereits im Jahr 2020 hätte das Baselbiet zum ersten Mal in seiner Geschichte als Gastkanton am „Sacco di Roma“ dabei sein dürfen. Wegen der Corona-Pandemie musste der Besuch jedoch verschoben werden. Mit vier Jahren Verspätung durften nun rund 400 Personen aus dem Baselbiet am feierlichen Vereidigungsakt teilnehmen. Neben den 33 Mitgliedern der offiziellen Delegation, in welcher neben der Regierung auch die Legislative, die Judikative und die beiden Landeskirchen vertreten waren, reisten rund 270 interessierte Baselbieterinnen und Baselbieter als Selbstzahlende nach Rom. Der Gästekreis wurde komplettiert durch insgesamt 112 Personen, welche das kulturelle Rahmenprogramm rund um den eigentlichen Vereidigungsakt bestritten.
Für die besinnlicheren Töne – unter anderem an der Frühmesse im Petersdom am 6. Mai – sorgte das von der römisch-katholischen Landeskirche eigens lancierte Chorprojekt unter der musikalischen Leitung von David Rossel. 45 geschulte Sängerinnen und Sänger des Aescher Cäcilienchors, ergänzt um Mitglieder von Chören weiterer Pfarreien und Kirchgemeinden, und zehn Musikerinnen und Musikern boten ein gemischtes Liederprogramm sowie eine Messe des Schweizer Komponisten Benno Ammann dar.
Die Darbietungen der von Philipp Wagner dirigierten Stadtmusik und Stadtharmonie Laufen am Baselbieter Apéro im Ulmenhof der Gardekaserne am Vortag der Vereidigung – diese gemeinsam mit dem Chor – sowie kurz vor dem offiziellen Vereidigungsakt im Damasushof des Apostolischen Palasts verliehen dem Auftritt des Kantons Basel-Landschaft eine besondere Sicht- und Hörbarkeit: vor über 3000 Anwesenden, darunter Bundespräsidentin Viola Amherd und weitere hohe Amts- und Würdenträger aus der eidgenössischen und internationalen Politik, wehte zu Blasmusikklängen während einer Stunde die Baselbieter Fahne. Natürlich erklang auch das Baselbieter Lied, wobei sich sämtliche Gästekreise aus dem Kanton – insbesondere auch die Mitglieder des Regierungsrats – als äusserst singfreudig und textsicher erwiesen. Die Anwesenheit von Nationalratspräsident Eric Nussbaumer sowie der aus Liestal stammenden Ständeratspräsidentin Eva Herzog als Angehörige der eidgenössischen Delegation verstärkte die Baselbieter Präsenz im Vatikan noch zusätzlich.
Nach der Vereidigung luden die Schweizergarde sowie das Baselbiet zu einem gemeinsamen Apéro in der Aula Paolo VI, an dem über 1200 Personen teilnahmen. In diesem ungezwungenen Rahmen konnte man sich mit den anderen Anwesenden über die vielfältigen Impressionen des einzigartigen, aber intensiven Aufenthalts austauschen, oder einfach die letzte Gelegenheit nutzen, ein Selfie mit einem der geduldigen uniformierten Gardisten zu ergattern.
Für die Mitglieder der offiziellen Delegation wohl unvergesslich bleiben wird die Audienz mit Papst Franziskus nach dem Gottesdienst im Petersdom, der während eines langen Händedrucks mit jeder und jedem ein paar freundliche, interessierte Worte wechselte. Neben den stimmungsvollen Gottesdiensten, welche von Bischofsvikar Valentine Koledoye, Bischof Felix Gmür und Kardinal Pietro Pasolin und damit für durchschnittliche Baselbieter Katholiken ungewohnt hohen Würdenträgern zelebriert wurden, beeindruckten auch die exklusiven Führungen durch die Vatikanischen Gärten und Museen ausserhalb der regulären Besuchszeiten und teilweise über die für Touristen zugänglichen Bereiche hinaus.
Der Baselbieter Besuch bei der Päpstlichen Schweizergarde verlief trotz verschiedener kurzfristiger Programmänderungen vor Ort reibungslos und professionell und wurde sowohl von den Gardeverantwortlichen als auch den Mitreisenden geschätzt und gewürdigt. Dies ist der akribischen und aufwändigen Hintergrundarbeit des gesamten Organisationskomitees unter der Leitung von Nic Kaufmann geschuldet und sei an dieser Stelle ein letztes Mal ordentlich verdankt.
Was ist der Sacco di Roma?
Die Vereidigung der neuen Schweizergardisten findet traditionell am 6. Mai statt. Das Datum geht auf das Jahr 1527 zurück, als 189 Gardisten bei der Plünderung Roms («Sacco di Roma») durch Truppen des Kaisers Karl V. den Papst Clemens VII. verteidigten. 147 Mitglieder der päpstlichen Garde bezahlten ihren Einsatz mit dem Leben, 42 Gardisten verhalfen dem Papst zur Flucht in die Engelsburg.
Text: Fabienne Romanens, Kommunikation
Fotos: Jessica Krämer