Die Olympischen Spiele als Fernziel
Mit Shirley Lang und Linda Fatou Wade arbeiten gleich zwei aktuell sehr erfolgreiche Leichtathletinnen des LC Therwil im Sportamt Baselland. Die Sprinterin und die Mittel- und Langstreckenläuferin machten zuletzt national und international auf sich aufmerksam.
Die letzten Monate waren ebenso aufregend wie erfolgreich im Leben der beiden Baselbieter Leichtathletiktalente Shirley Lang und Linda Fatou Wade. Vereinsrekorde, persönliche Bestzeiten, Meistertitel und internationale Einsätze kamen zusammen. Beiden haben in den vergangenen Monaten eine starke Entwicklung gemacht – und dies hat auch mit der Leistungssportförderung im Kanton zu tun. Über ihre Fortschritte und Erfolge können sich die beiden Athletinnen des LC Therwil nicht nur im Verein und auf den Sportanlagen austauschen, sondern auch in ihrem beruflichen Umfeld. Als Berufspraktikantin und Lernende arbeiten beide im Sportamt Baselland.
Vielseitige Grundlagen
Shirley Lang ist in Muttenz aufgewachsen und war schon früh ein polysportives Bewegungstalent. Sie spielte Basketball, war im Schwimmverein beider Basel aktiv und fand beim TV Muttenz athletics über die Jugendangebote UBS Kids Cup, Visana Sprint oder Mille Gruyère den zunächst zurückhaltenden Einstieg in die Leichtathletik. Die längeren Laufdistanzen machten ihr rasch am meisten Spass und der Fokus verschob sich im Verlauf der Jugend immer stärker Richtung Leichtathletik. Sie wurde im regionalen Leistungszentrum zusätzlich gefördert, schloss sich nach der Auflösung der Laufgruppe vom TV Muttenz athletics dem LC Therwil an und schaffte die Limite für die U18-Europameisterschaft 2018 im ungarischen Györ. «Von da an wurde es spürbar professioneller», sagt Shirley Lang, die in Therwil von Catharina Schmid-Strähl und Philipp Schmid gezielt gefördert wurde und sehr vielseitig unterwegs ist. 2020 wurde sie erstmals Schweizer Meisterin über 3000 Meter Steeple. Diese Disziplin bildet aktuell den Hauptfokus, auch was ihre ambitionierten Ziele betrifft.
Fokus auf Steeple-Limite
Um nach ihrem aktuell letzten Nachwuchsjahr auf Stufe U23 ins Elite-Nationalkader vorzustossen, müsste sie ihre persönliche Bestzeit im Steeple, die derzeit knapp unter 10 Minuten liegt, auf 9:50,50 Minuten verbessern. Es ist eines der Ziele in diesem Jahr, zu denen nach ihrem zweiten Schweizer Meistertitel über 3000 Meter Steeple Ende Mai in Uster auch die erstmalige Selektion für die Europameisterschaft der Aktiven im Juni in Rom kam. Dort hatte sie allerdings viel Pech, als sie nach einer vom Verletzung an der Ferse vorzeitig aufgeben musste.
Langfristig möchte sie sich an weiteren internationalen Anlässen und vielleicht sogar einmal an Olympischen Spielen wiederfinden. Einen Vorgeschmack darauf hat sie mit drei internationalen Einsätzen im Jahr 2023 verschafft. Die Finalqualifikation an der U23-EM im finnischen Espoo und die Teilnahme an der U23-Cross-EM in Brüssel bezeichnete sie vor ihrem EM-Einsatz in diesem Jahr als Höhepunkte in ihrer Karriere. Cross ist für Shirley Lang eine wichtige Komponente in der Wintersaison und auch im Sommer läuft sie neben den Steeple-Rennen gerne auch Flachrennen, auf der Bahn und auf der Strasse. Jüngst verbesserte sie beim 10-Kilometer-Rennen in Oberriet den Schweizer U23-Landesrekord.
Shirley Lang hat sich nach ihrem zehnten Schuljahr in Muttenz für eine Ausbildung in der WMS-Sportklasse mit Berufsmatur entschieden und hat so die Möglichkeit, auch an Morgentrainings im Leistungszentrum teilzunehmen. Neben ihrem grossen Pensum lässt sie es sich nicht nehmen, auch weiterhin einmal in der Woche zu schwimmen.
Explosive Stärken
Stark unterwegs ist ihre Vereinskollegin Linda Fatou Wade, die ihre Stärken in den Sprintdisziplinen hat. Im vergangenen Winter wurde sie in Magglingen U18-Schweizermeisterin über 60 Meter Hürden und holte im 60-m-Sprint zudem die Bronzemedaille. Ende April schaffte sie in Riehen zwei Limiten für die U18-Europameisterschaft im Juli in der Slowakei. Sie war mit 11,98 Sekunden über 100 Meter die erste Athletin des LC Therwil überhaupt, die diese Distanz unter 12 Sekunden bewältigen konnte, und schaffte ebenfalls die geforderte Zeit über 200 Meter. Ob sie allerdings an der EM im Sommer starten kann ist mehr als ungewiss. Am 1.-Mai-Meeting auf der Schützenmatte zog sie sich einen Muskelbündelanriss zu, der eine mehrwöchige Pause nach sich zieht.
Linda Wade kam an ihrem ehemaligen Wohnort Delémont durch ihren Bruder erstmals in Kontakt mit der Leichathletik. Sie qualifizierte sich im UBS Kids Cup auf Anhieb für den Schweizer Final. Nach dem Umzug in die Region schloss sie sich dem LC Therwil an und entschied sich trotz ihrer vielseitigen Begabung auf U16-Stufe für die Sprint- und Hürdendisziplinen, in denen sie sich zu den besten Athletinnen in der Schweiz entwickelte. Sie wird im Stützpunkt auf der Schützenmatte von Claudine Müller betreut, die auch den Schweizer Weltklassehürdensprinter Jason Joseph unter sich hat.
«Wichtiger Lebensabschnitt»
Seit 2023 absolviert sie die Ausbildung zur Kauffrau EFZ beim Kanton Basel-Landschaft und kann im Rahmen der Leistungssportförderung ebenfalls die Morgentrainings besuchen. Insgesamt steht sie wöchentlich sieben Mal auf dem Trainingsplatz. «Dieser Umfang hat sich ausgezahlt», sagt sie. Im vergangenen Jahr holte sie sich mit der 4x100-Meter-Staffel ebenfalls einen Schweizer Meistertitel, die vergangene Hallensaison ist äusserst erfolgreich verlaufen. Am Sport fasziniert sie vieles: «Er pusht mich und macht mich ehrgeizig. Er vermittelt mir Lebenserfahrung, Emotionen und Freude. Es ist definitiv ein sehr wichtiger Lebensabschnitt für mich», sagt Linda Wade. Nach einem Jahr beim Sportamt Baselland wird sie ihre Ausbildung auf der kantonalen Verwaltung ab Sommer 2024 in weiteren Abteilungen fortsetzen.
Text: Daniel Schaub, Sportamt Baselland