«Aurea Bulla» - Augusta Raurica im Klassenzimmer
Viele Schweizer Schulkinder besuchen während ihrer Schulkarriere mindestens einmal Augusta Raurica und lassen sich von der antiken Stadt faszinieren. Dank dem Lateinlehrmittel «Aurea Bulla» kommt Augusta Raurica nun auch zu den Kindern ins Schulzimmer. «Aurea Bulla» erzählt eine fiktive Geschichte von zwei Jugendlichen aus der Römerstadt und lässt deren Bewohnerinnen und Bewohner lebendig werden.
Das Lehrmittel Aurea Bulla verbindet Lateinunterricht mit Kulturgeschichte und Mehrsprachigkeit. Eine durchgehende Geschichte führt Schülerinnen und Schüler durch das Alltagsleben in der Antike. Dabei begegnen sie Figuren, die auf realen Inschriften aus Augusta Raurica basieren, etwa der Familie Sanucius, dem Veteranen Mucapora oder dem Gutsbesitzer Coteius. Ihre Geschichten wurden zu einer Erzählung in der Zeit der Severer-Kaiser verwoben. Der Bezug zur Gegenwart zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk – sei es durch Sprachvergleiche oder kulturübergreifende Reflexionen zu Themen wie Geburt, Hochzeit und Tod.
Im Zentrum steht Julia Sanucia, die sich mit gesellschaftlichen Schranken, arrangierten Ehen und ihrer eigenen Identität auseinandersetzt. Im zweiten Band reist sie über Aventicum (Avenches) und Forum Claudii Vallensium (Martigny) bis zum Grossen St. Bernhard. Dort weiht sie mit ihrer Familie eine Votivtafel dem Gott Jupiter. In Rom begegnet sie später Persönlichkeiten wie dem Juristen Ulpian, erlebt Gladiatorenspiele und erfährt von neuen Kulten wie dem Christentum. Begleitende Originaltexte von Seneca oder Plinius fördern die kritische Auseinandersetzung.
Das Lehrmittel «Aurea Bulla»
«Aurea Bulla» ist ein Lehrmittel für Latein, Kulturgeschichte und Mehrsprachigkeit. Es ist im Auftrag der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft als Lehrmittel für das Wahlpflichtfach «Lingua Latein» der Sekundarstufe I entstanden. Das Lehrmittel besteht aus drei Lehrbüchern, einer App mit umfangreichem Übungsmaterial und einer Website mit 14 animierten Kapiteln zu verschiedenen Themen der römischen Antike. 2024 ist das Lehrmittel in der zweiten (digital) erweiterten und verbesserten Auflage beim hep Verlag erschienen.
Aurea Bulla besteht aus drei Büchern, einer App und animierten Online-Kapiteln – den sogenannten Scrollys. Diese bieten vertiefende Inhalte zu Augusta Raurica, Munzach und weiteren Orten der römischen Schweiz. Zahlreiche Bilder, Tondokumente, Filme und Arbeitsmaterialien machen sie zu einem vielseitigen Unterrichtswerkzeug.
Sprachlich wird das Lehrmittel durch ein mehrsprachiges Vokabular (Französisch, Italienisch, Spanisch, Englisch) ergänzt. Zahlreiche lateinische Texte, von Schülerinnen und Schülern gelesen, sind als Audiodateien verfügbar. Die Geschichte von Julia und Valens wird zudem professionell erzählt und durch interkulturelle Interviews ergänzt.
Auszug:
Dabei zog Marcus Otacilius eine rote mappa hervor und legte sie in Julias Hand. Sie schaute den jungen Mann überrascht an und öffnete die Serviette: «Der Ring, der mir so gefallen hat! Woher wusstest du …? Aber ich weiss nicht, ob ich ihn annehmen kann. Ich …» «Ach komm! Vive vitam!» Marcus drückte ihre Hand und wandte sich dann schnell ab. Julia blieb aufgewühlt im oecus zurück. Würde es ihr vergönnt sein, ein glückliches Leben zu leben, wie es auf dem Ring geschrieben stand? «Aurea Bulla», Band 2, S. 178 und 183.
Dank breiter Unterstützung aus Wissenschaft und Kultur konnte Aurea Bulla mit grossem Engagement realisiert werden. Die Neuauflage von 2024 (hep Verlag) umfasst auch moderne digitale Elemente, die das Eintauchen in die Welt der Römer lebendig und zugänglich machen.
Text: Martin Müller
Bilder:
- Bronzering: Site et Muséö romains d'Avenches
- Julia auf dem Trajansmarkt: Illustration atelier.bunterhund, Zürich
- Lehrmittel: zVg Martin Müller
Vollständiger Artikel im aktuellen «Magazin Augusta Raurica»: Augusta_Raurica_2025_1_k.pdf
Mehr Informationen:
www.hep-verlag.ch/aurea-bulla