Was verbindet Lettland und die Schweiz?
Besuch einer Botschafterin
Im Rahmen der Initiative #EUinSwissSchools besuchte die lettische Botschafterin Guna Japiņa am 15. November 2024 das Gymnasium Münchenstein. Sie hielt einen Vortrag über die Geschichte Lettlands, den Beruf als Botschafterin und beantwortete Fragen von den rund 200 anwesenden Schülerinnen und Schülern.
Jedes Jahr organisiert die EU-Delegation in Zusammenarbeit mit den in Bern vertretenen Botschaften der EU-Mitgliedsstaaten im Rahmen der Initiative #EUinSwissSchools Besuche von Botschafterinnen und Botschafter in schweizerischen Gymnasien und Berufsschulen. Mitte November 2024 besuchte die lettische Botschafterin Guna Japiņa, zuständig für Österreich, Slowenien, Liechtenstein und Schweiz, das Gymnasium Münchenstein.
Magistra Guna Japiņa betonte in ihrem Vortrag, wie ähnlich und doch verschieden Lettland und die Schweiz sich sind: Hier Berge und Schnee, dort Wälder und die See. Hier ein Land, in dem die Bevölkerung 2024 9 Millionen erreicht hat, dort ein Land, das in der letzten Generation fast einen Drittel seiner Bevölkerung durch Auswanderung verloren hat. Die Garantie für Frieden und Freiheit sieht Lettland nicht im Alleingang, erzählte Japiņa, sondern seit 2004 in der Beteiligung in der EU und deren gemeinsamem Währungsraum sowie in der NATO.
Auch der Kampf um die Unabhängigkeit habe die Geschichte ihres Landes geprägt, so die Botschafterin. Nach dem Zerfall des während Jahrhunderten über Lettland herrschenden «Deutschen Ordens» wird das heutige Lettland von Schweden, Polen und Russland besetzt, bevor es am 18. November 1918 endlich die Unabhängigkeit erlangt. Im geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt werden Lettland, Litauen und Estland 1938 der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) zugeteilt. Lettland leidet unter den Deportationen Stalins im «schlimmen Jahr» (1940/41) und am Holocaust während Hitlers Besatzung von 1941 bis 1945. Mit dem «baltischen Weg», einer über 650 km langen Menschenkette von Vilnius bis Tallin, leiten die drei baltischen Staaten vierzig Jahre später – noch vor dem Mauerfall in Berlin – das Ende des Kalten Krieges ein.
Am Ende des Besuches beantwortete Guna Japiņa Fragen von den 200 anwesenden Schülerinnen und Schülern. Eine Frage lautete: «Wie wird man Botschafterin?» Japiņa erklärt, dass in vielen Ländern die diplomatische Karriere auf Fähigkeiten wie Verhandlungsgeschick, fundierten Fachkenntnissen und kommunikativer Stärke beruht – Qualitäten, die man im Auswärtigen Amt unter Beweis stellen muss. In den USA hingegen würden diplomatische Posten oft vom designierten Präsidenten vergeben. Dies könne durchaus auch als Dank für die Unterstützung im Wahlkampf verstanden werden. Eine weitere Frage betraf das Verhältnis zum Nachbarsland Russland. Laut Japiņa unterstützen die Menschen in Lettland, auch die russisch-stämmigen, die klare Haltung des Landes für die Unterstützung der Ukraine gegen die russische Invasion. Es gehe nicht um Ethnien, sondern um das Recht eines Volkes auf Selbstbestimmung. Lettland wisse aus eigener Erfahrung, wie wichtig und kostbar dieses Recht ist.
Text: Urs Albrecht, Lehrer am Gymnasium Münchenstein
Fotos: Lars Gerspacher und Ellen Haines