Drei Fragen an Paola Pitton
Paola Pitton ist seit Anfang 2024 Fachverantwortliche für Inklusion im Amt für Kultur und bringt langjährige Erfahrung aus der inklusiven Fachberatung mit. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen und in Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderungen initialisierte Paola Pitton vier Austauschformate und konkrete Massnahmen, um Barrieren im Kulturbereich abzubauen.
Paola Pitton, zusammen mit deinem Team organisierst du die vier Austauschformate «Apéro inklusiv», «Virtueller Stammtisch», «Starterkit» und «Aus der Praxis». Was ist das Ziel dieser Formate, und wie werden sie angenommen?
Kulturinstitutionen sollen zugänglicher und Kulturschaffende und Kulturinteressierte mit Behinderungen sichtbarer werden. Darum bieten unsere Formate kulturinteressierten Menschen mit und ohne Behinderungen die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Kulturinstitutionen aus dem Kanton Basel-Landschaft bringen sich mit ihren Erfahrungen und Formaten ein. Gleichzeitig geht es uns darum, ein Netzwerk auf- und auszubauen, indem man sich gegenseitig inspiriert und unterstützt. Das zeigt sich etwa beim «Apéro inklusiv», wo sich Verwaltung, Kunstschaffende und Publikum mit und ohne Behinderungen austauschen – oft zum ersten Mal in dieser Konstellation.
Entscheidend ist, dass wir diese Formate nicht für, sondern mit Menschen mit Behinderungen umsetzen. Das verändert nicht nur die Angebote, sondern auch Perspektiven und Haltungen – bei uns allen. Die Resonanz ist gross, das Bedürfnis, mehr Inklusion zu ermöglichen, ist spürbar.
Wie sieht deine Rolle im Inklusionsprozess aus – und was verstehst du persönlich unter gelingender Inklusion im Kulturbereich?
Ich begleite die Inklusion als fachliche Impulsgeberin, und ich berate Kulturinstitutionen bei konkreten Fragen. Inklusion ist kein Zustand, sondern ein ständiges Aushandeln und Weiterentwickeln. Es ist fantastisch, dass der Kanton Basel-Landschaft mit dem neuen Behindertenrechtegesetz Anfang 2024 die strukturellen Voraussetzungen dafür geschaffen hat.
Aber nicht nur in Kulturinstitutionen können Inklusionsprozesse angestossen werden. In den vier Hauptabteilungen im Amt für Kultur starteten wir nun mit einem Inklusions-Check. Unser Ansatz ist, den jeweiligen Stand der Inklusion festzustellen und daraus konkrete Massnahmen zu entwickeln.
Ein Zeichen gelingender Inklusion ist für mich, wenn Menschen mit Behinderungen selbstverständlich Teil des Publikums sind, auf der Bühne agieren und auch in Kulturinstitutionen tätig sind: zum Beispiel als gehörlose Museumsdirektorin oder als Theaterdramaturg im Rollstuhl.
Was bedeutet diese Arbeit über den Kulturbereich hinaus? Und wie geht es nun weiter?
Kulturelle Inklusion ist auch ein Spiegel für gesellschaftliche Entwicklungen. Wenn es gelingt, Zugänge zu schaffen, neue Sichtweisen zuzulassen und Räume für Teilhabe zu eröffnen, profitieren alle davon. Für die nächsten Jahre möchten wir sowohl die professionell geführten als auch die ehrenamtlich getragenen Kulturinstitutionen im Baselbiet auf diesem Weg begleiten. Ziel ist eine Kulturlandschaft, in der Menschen mit und ohne Behinderungen einander gleichberechtigt begegnen und voneinander lernen können. Das ist für mich nicht nur Kulturförderung, sondern gelebte Demokratie.
Foto: Matthias Willi