Im Tor des Schweizer Meisters
Nadia Haener, Berufspraktikantin im Sportamt Baselland, gehört zu den besten Eishockey-Torhüterinnen in der Schweiz und gewann in der vergangenen Saison mit dem SC Bern ihren ersten Schweizer Meistertitel.
Im Sport geht es oft um Sekunden und Zentimeter. Die Frauen des SC Bern haben dieses Prinzip im letzten Playoff-Spiel der Saison 2024/2025 ausgereizt. Eine Sekunde vor der Sirene gelang ihnen gegen den EV Zug der Ausgleich. Und in der Verlängerung gelang der entscheidende Treffer zum dritten Erfolg in der Serie und damit zum Schweizer Meistertitel.
Mittendrin: Nadia Haener, 21-jährig, wohnhaft in Nunningen (SO) und aktuelle Berufspraktikantin beim Sportamt Baselland. Sie musste zwar in der Finalserie Nationaltorhüterin Saskia Maurer den Vortritt lassen, dennoch ist sie mit ihrer Meistersaison ganz zufrieden. «Ich wurde wie abgesprochen in jedem dritten Spiel eingesetzt und durfte die meisten Partien im Schweizer Cup bestreiten», erzählt Haener. Der Erfolg des SC Bern war in vielerlei Hinsicht überraschend. Das Team erfuhr zu Beginn der Saison zahlreiche Veränderungen, auch Nadia Haener, die vor ihrem Wechsel nach Bern noch eine Saison in Langenthal gespielt hatte, stiess neu dazu. Trotz einigen Hürden und Schwierigkeiten entwickelten die Spielerinnen rechtzeitig einen guten Teamspirit.
Dieser war letztlich entscheidend für den positiven Saisonabschluss. «Ein besonderer Umstand war auch, dass wir gegen Zug in vier Partien der gesamten Saison nie gewinnen konnten – wir hatten somit in der Finalserie nichts zu verlieren und konnten so im richtigen Moment das Blatt wenden», so Haener. Alle drei Finalspiele konnten die Bernerinnen für sich entscheiden.
Judo, Eiskunstlauf, Eishockey
Der Werdegang der heutigen Torhüterin ist ziemlich untypisch. Begonnen hat sie mit Judo. In dieser Sportart hätte sie in das Kader der besten Talente in der Region Basel einsteigen können. Danach begann sie mit Eiskunstlauf, dort fiel ihr auf, dass sie alles sehr schnell, aber nicht sehr schön ausführen konnte. Durch ihren Bruder fand sie schliesslich im Alter von zehn Jahren zum Eishockeyclub Laufen – doch noch war nicht klar, dass ihr Weg ins Tor führen würde. Sie begann als Verteidigerin, fragte immer mal wieder beim Torhütertrainer nach, ob sie nicht ins Tor stehen dürfte. Die «Doppelfunktion» in der Verteidigung und im Tor blieb bis auf Stufe U14 erhalten.
Nach einigen Einsätzen mit einer B-Lizenz beim Eishockey-Club Zunzgen-Sissach war sie beim EHC Basel angekommen, wo sie bis ins Jahr 2020 alle Nachwuchsstufen durchlief. Parallel spielte sie in der Organisation der ZSC Lions für die GCK Lions Frauen und debütierte mit 16 Jahren in der obersten Schweizer Women’s League.
Da die gesetzte Torhüterin in der Corona-Saison krankheitsbedingt ausfiel, erlebte Nadia Haener damals sogar ihre erste Finalserie in der Women’s League. Das waren weitere wichtige Schritte in der Entwicklung, die sie auch an der Jugendolympiade mit der Schweizer U16 in Lausanne und an der U18-WM der Frauen in Wisconsin erlebte.
Fokus auf der Ausbildung
Aktuell gehört sie zum erweiterten Kader des Schweizer Nationalteams. Auch wenn sie weiterhin sportliche Ziele verfolgt, sich in der Women’s League etablieren möchte und ein allfälliges Angebot aus dem Ausland prüfen würde, setzt sie ihren aktuellen Fokus auf die Ausbildung. Nach einer kaufmännischen EBA-Ausbildung im Kanton Basel-Stadt hat sie eine Berufslehre für Sportlerinnen und Sportler in der BKSD absolviert und dort verschiedene Dienststellen kennengelernt. Nun hat sie sich das Erreichen der Berufsmaturität zum Ziel gesetzt.
«Die Liga in der Schweiz ist um einiges attraktiver geworden, und auch der Zuspruch des Publikums nimmt laufend zu.» Nadia Haener wird auch in der kommenden Saison beim SC Bern unter Vertrag stehen und versuchen, ihren Beitrag zur angestrebten Titelverteidigung leisten. Dies ist nur möglich dank der tatkräftigen Unterstützung ihrer Eltern, die ein stetiges mobiles Viereck zwischen Wohn-, Lehr-, Schul- und Sportort aufrechterhalten.
Text: Daniel Schaub, Sportamt Baselland
Fotos: zVg/SC Bern