«Personen mit Stipendium brauchen ihre Kraft für die Ausbildung»
Dieter Thommen wird am 31. Juli nach 37 Jahren bei der Abteilung Ausbildungsbeiträge, davon 33 als deren Leiter, pensioniert. Zum Abschied blickt er auf seine Zeit in der BKSD zurück. Für den neuen Lebensabschnitt wünschen wir von Herzen alles Gute!
Dieter Thommen, Ende Juli gehst du in Pension. Erzählst du uns von deiner Zeit in der Verwaltung?
Als ich 1988 meine Stelle als Sachbearbeiter antrat, war die Welt noch analog: An meinem Arbeitsplatz standen eine Schreib- und eine Rechenmaschine. 1989 durfte ich die Kartei aller Gesuchstellenden mit dem ersten Computer in eine Datenbank übertragen. Das waren damals rund 14'000 Datensätze, heute sind es gut 44'000.
Verändert hat sich auch der Kontakt mit Ratsuchenden und Antragsstellenden. Zu Beginn gab es den Brief, das Telefon und den Schalter. Dazu kam dann Mitte der 1990er Jahre der Mailverkehr, der seither ständig angewachsen ist. Die telefonischen Anfragen kamen früher von zuhause oder aus einer Telefonzelle, heute sind es Handygespräche mit Alltagsgeräuschen im Hintergrund.
Was waren die grössten Herausforderungen?
Die grösste Herausforderung war für mich 1997 die Integration der Abteilung Ausbildungsbeiträge in das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung – die heutige Dienststelle Berufsbildung, Mittelchulen und Hochschulen. Vorher war die Abteilung Teil des Generalsekretariats der Erziehungs- und Kulturdirektion – wie die BKSD damals noch hiess. Die Integration dauerte mehrere Jahre, und als «kleine» Abteilung mussten wir immer wieder schauen, dass unsere Anliegen berücksichtigt wurden.
Schwierig war für die Abteilung aber auch die Verlegung nach Birsfelden von 2006 bis 2013. Für die Ratsuchenden wurde der Zugang umständlicher, und die amtsinterne Kommunikation wurde erschwert. Mit der Rückkehr an die Rosenstrasse im Juni 2013 wurde dann alles wieder einfacher.
Was waren deine Highlights? Was behältst du in guter Erinnerung?
Kurz nach meiner Beförderung zum Leiter durfte ich ein neues Gesetz über Ausbildungsbeiträge vorbereiten. Ab August 1995 begann die anspruchsvolle, aber befriedigende Umsetzung. Das neue Gesetz hat es sich bewährt, aber in 30 Jahren hat sich viel verändert, und eine Anpassung könnte aus meiner Sicht punktuell durchaus sinnvoll sein. Auch die Einführung der Stipendiensoftware 2001, mit der die Sachbearbeitung vereinfacht wurde, war ein Meilenstein. Besonders gerne erinnere ich mich an meine Zeit im Vorstand der Interkantonalen Stipendienkonferenz IKSK von 2002 bis 2018. Ich konnte bei verschiedenen Projekten wie dem Stipendienkonkordat und der Weiterentwicklung der schweizerischen Stipendienstatistik mit dem Bundesamt für Statistik mitarbeiten. Internationale Luft konnte ich als Delegierter der IKSK im European Council for Student Affairs (ECStA) von 2012 bis 2018 schnuppern.
Was ich immer sehr genossen habe, war der kooperative Geist unter den kantonalen Stipendienstellen. Auch wenn diese Ämter ganz unterschiedlich sind, so habe ich den Austausch immer als sehr bereichernd und konstruktiv erlebt.
Es gab doch sicher auch nervige Projekte. Oder?
Die Ausquartierung der Abteilung nach Birsfelden habe ich ja schon erwähnt.
Aktuell gehört leider auch die Einführung der elektronischen Gesuchstellung für Ausbildungsbeiträge dazu. Das Projekt geriet durch externe Faktoren ins Stocken, und ich werde es meiner Nachfolgerin leider nicht abgeschlossen übergeben können.
Was würdest du rückblickend anders angehen?
Aus heutiger Sicht würde ich die Entlastungsmassnahme 2013 anders angehen. Diese wurde von uns zusammen mit dem Konkordatsbeitritt zu restriktiv angegangen, so dass anstelle der beabsichtigten Summe rund fünfmal mehr pro Jahr eingespart wurde. Heute wendet der Kanton Basel-Landschaft in absoluten Zahlen, also ohne Berücksichtigung von Inflation oder Teuerung, weniger für Stipendien auf, als dies bei meinem Eintritt 1988 der Fall war.
Möchtest du deiner Nachfolgerin Fabienne Fritschi etwas mitgeben?
Ich möchte ihr die Haltung mitgeben, die ich von meinem Vorgänger übernommen habe: Den Ratsuchenden im gesetzlichen Rahmen bestmöglich zu helfen, die Entscheide nachvollziehbar zu begründen und gegenüber der Politik auch für die Stipendiaten einzutreten. Denn Menschen in Ausbildung, die aus wirtschaftlich benachteiligten Umständen kommen, brauchen ihre Kraft, um ihre Berufslehre oder ihr Studium erfolgreich abzuschliessen.
In wenigen Wochen wirst du im wohlverdienten Ruhestand sein. Verrätst du uns, was du mit deiner Zeit anstellst?
Ich habe viel zu viele Ideen, als dass ich mich da schon festlegen möchte. Bis Ende Juli bin ich zu 100 Prozent für die Abteilung und für deren gute Übergabe an Fabienne Fritschi da. Danach nehme ich mir drei Monate Zeit, um meine Pläne für meinen letzten Lebensabschnitt zu konkretisieren. Es wird mir sicher nicht langweilig: die Laufmeter an Büchern, die ich mir «für später» weggelegt habe, werden mich davor bewahren.
Fotos: zVg Dieter Thommen