Projektstand Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität

Die schweizweiten Grundlagen für die gymnasiale Maturität wurden erneuert. Der Kanton Basel-Landschaft passt die Ausbildung an den Gymnasien entsprechend an. Mit gezielten Veränderungen sollen die Qualität der Ausbildung hochgehalten und neue Impulse gesetzt werden.

Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) hat im Juni 2023 das Reglement über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätszeugnissen (Maturitätsanerkennungsreglement, MAR/MAV) erlassen. Die Kantone müssen das Reglement ab August 2024 mit einer Übergangsfrist von acht Jahren umsetzen. Im Kanton Basel-Landschaft sollen die ersten Maturitätszeugnisse nach neuem Reglement im Sommer 2032 ausgestellt werden. Im Juni 2024 hat die EDK zusätzlich die neuen Rahmenlehrpläne verabschiedet, die es zusammen mit den Veränderungen des MAR/MAV umzusetzen gilt.

Bildungsdirektorin Monica Gschwind hat in enger Zusammenarbeit mit dem Bildungsrat, welcher im Kanton Basel-Landschaft für den Erlass von Stundentafeln und Lehrplänen verantwortlich ist, den Auftrag gegeben, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen. Ziel des Projekts ist es, die anerkannte Qualität der Baselbieter Gymnasien zu erhalten, gleichzeitig aber auch neue Impulse zu setzen.

Die Vorbereitungsarbeiten starteten im Herbst 2023. Gemeinsam mit einer Projektgruppe, der die Rektorinnen und Rektoren der Gymnasien sowie Vertretungen von Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern aus allen Gymnasien angehörten, wurde das Umsetzungsprojekt geplant. Auf Basis einer Umfrage bei allen Gymnasiallehrpersonen wurden gemeinsam mit dem Bildungsrat die Rahmenbedingungen für die Umsetzung definiert.

Im Sommer 2024 wurden erste Vorschläge mit den Vertretungen der Lehrpersonen diskutiert und adaptiert. Die angepasste Umsetzungsvariante wurde im Winter 2024 allen Lehrpersonen an den fünf Schulstandorten Laufental-Thierstein, Liestal, Muttenz, Münchenstein und Oberwil erläutert. Im Anschluss konnten sich die Lehrpersonen individuell im Rahmen einer Umfrage zur vorgestellten Variante äussern.

Im Frühjahr 2025 verabschiedete der Bildungsrat aufgrund der Rückmeldungen eine nochmals weiterentwickelte Variante, die sich derzeit in der Anhörung befindet.

Ausgehend von den Vorgaben des MAR/MAV und den vom Bildungsrat formulierten Eckwerten entwickelte die Projektgruppe eine Umsetzungsvariante, die möglichst viele Aspekte berücksichtigt. Aufgrund der Ausgangslage war jedoch klar, dass jede Lösung Kompromisse eingehen muss.

Zwingend anzupassen sind:

  • Neu müssen die Schülerinnen und Schüler zwischen Französisch und Italienisch als Grundlagenfach wählen können.
  • Wirtschaft & Recht sowie Informatik werden neu zusätzliche Maturitätsnoten liefern (15 Maturitätsnoten statt wie bisher 13).
  • Mindestens drei Prozent des Unterrichts müssen interdisziplinär sein.
  • Der Bereich «Kunst» muss mindestens sechs Prozent des Unterrichts ausmachen.

Als zentrale Eckwerte für die Umsetzung im Kanton Basel-Landschaft wurden u.a. festgelegt:

  • Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht mehr Unterricht haben als heute. Zudem soll erreicht werden, dass im Durchschnitt weniger Fächer pro Semester unterrichtet werden und damit weniger Prüfungen pro Schuljahr zu schreiben sind.
  • Die Wahlmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler sollen mit zunehmender Ausbildungsdauer zunehmen.
  • Um die drei Prozent an interdisziplinärem Unterricht sicherzustellen, werden spezielle, auf Interdisziplinarität ausgerichtete Unterrichtsgefässe eingeführt.
  • Die Verbindlichkeit der basalen Kompetenzen in Deutsch und Mathematik wird erhöht.
  • Die Umsetzung muss kostenneutral sein.
  • Es soll nicht mehr möglich sein, vier von fünf Maturitätsprüfungen in einem Sprachfach zu absolvieren.

Mit der nun vorliegenden Variante (vgl. Abbildung 1) werden viele der Anforderungen erfüllt. Die Einführung der sogenannten Vertiefungsfächer in den Bereichen MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften) und GSW (Geistes- und Sozialwissenschaften) ermöglicht im letzten Jahr interdisziplinäre Vertiefungen. Diese Idee lehnt sich an die bisherigen kantonalen Wahlkurse an, die in dieser Form nicht mehr weitergeführt werden können.

Auf diese Weise kann die Breite der Ausbildung bis zum Abschluss aufrechterhalten werden, und die neu sechs Maturitätsprüfungen decken ebenfalls fast die ganze Fachbreite im letzten Jahr ab.

Einzelne Fächer mussten Lektionen abgeben (vgl. Abbildung 2). Dies war aufgrund der Vorgaben aus MAR/MAV nicht zu verhindern. Die Stärkung der basalen Kompetenzen in Deutsch und Mathematik wird über bedarfsorientierte Angebote erreicht.

Die sehr selten gewählten Schwerpunktfächer Russisch und Griechisch fallen weg, ebenso wie Italienisch, welches neu als Grundlagenfach besucht werden kann. Mit Philosophie & Psychologie soll ein neues Schwerpunktfach angeboten werden, was einem grossen Bedürfnis entspricht.

Nach Abschluss der Anhörung wird der Bildungsrat die Stundentafel, das Fächerangebot und die Modalitäten der Maturitätsprüfungen erlassen. Anschliessend werden Anpassungen im Bereich der Lehrpläne und der rechtlichen Grundlagen erfolgen, damit der Kanton Basel-Landschaft rechtzeitig mit der Einführung beginnen kann.

Text: Björn Lupp und Thomas Rätz, Co-Projektleiter, Berufsbildung, Mittelschulen und Hochschulen
Abbildungen: zVg Berufsbildung, Mittelschulen, Hochschulen

Neue Stundentafel (inkl. Halbklassenunterricht und Anzahl Fächer pro Schuljahr)

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Vergleich der aktuellen mit der neuen Stundentafel (in Jahreslektionen)

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