Bildungsbericht Schweiz 2026
Ende März veröffentlichte die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) den Bildungsbericht Schweiz 2026. Der Bericht ermittelt Daten und Informationen zum gesamten Bildungswesen der Schweiz und dient als Grundlage für die Formulierung der gemeinsamen Bildungsziele von Bund und Kantonen. Auch für den Kanton Basel-Landschaft liefert der Bericht einige relevante Ergebnisse.
Seit 20 Jahren veröffentlicht die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) den Bildungsbericht Schweiz. Der Bericht stellt Daten und Erkenntnisse aus Statistik, Forschung und Verwaltung zum gesamten Bildungssystem der Schweiz bereit – von der Vorschule bis zur Weiterbildung. Alle Bildungsstufen und -typen werden analysiert und in den Kontext der aktuellen Forschung eingeordnet. Dabei werden auch Datenlücken und bestehende Forschungsbedarfe aufgezeigt. Der Bericht dient als Wissensgrundlage für die Steuerung des Bildungswesens durch Bund und Kantone sowie für die Formulierung gemeinsamer bildungspolitischer Ziele.
Rückgang in den Schülerzahlen auf Primarstufe erwartet
In der gesamten Schweiz wird nach Jahren steigender Zahlen ab dem Schuljahr 2026/27 auf Primarstufe ein Rückgang der Schülerzahlen erwartet. Eine Ursache sind die sinkenden Geburtenzahlen nach der Pandemie. Auf Sekundarstufe I wird hingegen weiterhin ein Wachstum prognostiziert. Dies wird voraussichtlich aber schwächer ausfallen als bisher (S. 34f.).
Im Kanton Basel-Landschaft wird zwischen den Jahren 2025 und 2034 im Kindergarten ein überdurchschnittlich starker Rückgang der Schülerzahlen von rund 12 Prozent und in der Primarschule von rund 7 Prozent erwartet. Gleichzeitig wird auf Sekundarstufe I ein überdurchschnittliches Wachstum von rund 7 Prozent prognostiziert (S. 62f., 86). Von 2023 bis 2033 wird auch ein Anstieg der absoluten Zahl der Lernenden prognostiziert (S. 112f.). Dies obwohl im Kanton Basel-Landschaft der Anteil Lernender, die in eine berufliche Grundbildung eintreten, wie in fast allen Kantonen zwischen 2014 und 2022 abgenommen hat. (S. 115). Aufgrund des Anstiegs der Geburtenzahlen in den Jahren 2005 bis 2021 verschiebt sich somit ein Wachstum der Schülerzahlen von der Primarstufe auf die Sekundarstufe I und II.
Mehr Lehrpersonen in kleineren Klassen
Trotz steigender Schülerzahlen wurden in der Schweiz zwischen 2014 und 2023 vermehrt zusätzliche Klassen eröffnet, statt Klassen zu vergrössern. Der Kanton Basel-Landschaft gehört zu den Kantonen mit einer besonders stark wachsenden Schülerzahl und sinkender Klassengrösse (S. 75f.). Gleichzeitig hat sich im Baselbiet das Betreuungsverhältnis auf Primarstufe schweizweit am stärksten verkleinert. An Baselbieter Primarschulen werden Kinder somit von mehr Lehrpersonen (in Vollzeitäquivalenten) betreut als in anderen Kantonen. Der Kanton gehörte im Schuljahr 2023/24 zu den Kantonen mit unterdurchschnittlicher Klassengrösse und tiefem Betreuungsverhältnis. Diese beiden Faktoren sind für die Bildungskosten entscheidend und im Bildungsbericht Schweiz wird aufgezeigt, wie sie den Bedarf an Lehrkräften erhöhen. Gemäss Forschung lässt sich der Einfluss von kleinen Klassen und eines tiefen Betreuungsverhältnisses auf die Schülerleistungen schwer beurteilen (S. 76f.).
Hohe Sonderklassenquote
Der Kanton Basel-Landschaft weist 2022 auf der Primarstufe mit rund 5,5 Prozent schweizweit die höchste Sonderklassenquote auf. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei rund 1,5 Prozent. Zu den Sonderklassen zählen Einführungs-, Klein- und Fremdsprachenklassen. Sowohl der Anteil Schülerinnen und Schüler in Einführungs- als auch in Kleinklassen zählt im Kanton Basel-Landschaft schweizweit zu den höchsten (S. 67f.). Ergänzend ist dies damit zu erklären, dass im Kanton Basel-Landschaft Einführungs- und Kleinklassen nach wie vor gesetzlich verankert sind, während Sonderklassen in anderen Kantonen im Rahmen der Einführung der integrativen Schulung abgeschafft oder reduziert wurden. Der grundlegende Paradigmenwechsel von der Separation zur integrativen Schule setzte flächendeckend ab den 2000er-Jahren ein, angetrieben durch das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG 2004) und das interkantonale Sonderpädagogik-Konkordat, welches 2011 in Kraft trat.
Gleichzeitig zeigt sich im Schweizer Bildungsbericht schweizweit eine hohe Durchlässigkeit von den Sonderklassen zurück in die Regelklassen, insbesondere aus Einführungs- und Fremdsprachenklassen (S. 68). Dies im Gegensatz zu den Sonderschulen, in denen der grösste Teil auch sechs Jahre nach Eintritt verbleibt.
Schweizweite Verschlechterung der Leistungen
Der Bildungsbericht Schweiz 2026 greift auch die Ergebnisse der Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen (ÜGK) sowie die PISA-Studien auf. Gemäss den PISA-Ergebnissen haben sich die Leistungen der 15-Jährigen schweizweit in den Kompetenzbereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen zwischen 2003 und 2022 verschlechtert, liegen jedoch 2022 über dem Niveau der Nachbarländer (S. 92ff.). Die Verschlechterung hat stattgefunden, obwohl der Anteil Schülerinnen und Schüler mit einem tertiär gebildeten Elternteil zu- und derjenigen, die zu Hause die Schulsprache sprechen, nur leicht abgenommen hat und diese beiden Faktoren einen starken Zusammenhang mit guten schulischen Leistungen aufweisen (S. 92ff.). Ein Anstieg des Absentismus als mögliche Ursache ist gemäss der PISA-Studien 2015 und 2022 nicht feststellbar (S.98).
Der Kanton Basel-Landschaft gehört zu den Kantonen, in denen der sozioökonomische Hintergrund den stärksten Einfluss auf die Leistungen in der 9. Klasse hat (ÜGK 2023). Die Leistungen liegen dennoch nahe beim Schweizer Durchschnitt (S. 106f.).
Erholung der Sek-II-Abschussquote bei Anstieg der allgemeinbildenden Abschlüsse
Die Sek-II-Abschlussquote der Schweiz nahm in den letzten zehn Jahren ab und liegt weiterhin unter dem nationalen Zielwert von 95 Prozent (S. 116f.). Zu ergänzen ist, dass im Kanton Basel-Landschaft nach einem Rückgang zwischen 2017 und 2020 im Jahr 2023 wieder 91,5 Prozent der jungen Bevölkerung bis im Alter von 25 Jahren einen Abschluss auf Sekundarstufe II erreichen. Der Bildungsbericht zeigt auf Kantonsebene einen starken Zusammenhang zwischen hohen Anteilen berufsbildender Abschlüsse und hohen Sek-II-Abschlussquoten. Allerdings ist damit nicht bewiesen, dass es sich um einen kausalen Zusammenhang handelt (S. 117). Gleichzeitig sind die gymnasiale Maturitätsquote und die Fachmittelschulquote im Kanton Basel-Landschaft wie in fast allen anderen Kantonen leicht gestiegen (S. 152, 176f.).
Text: Andrea Pfeifer Braendli, Generalsekretariat
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