Die zweite Kulturnacht – ein magischer Moment
Am Freitag, 13. März 2026 fand am Gymnasium Oberwil die zweite Kulturnacht statt. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen präsentierten 42 Kulturproduktionen und feierten gemeinsam bis tief in die Nacht.
An diesem Freitagabend Mitte März roch es im Gymnasium Oberwil, wie es immer riecht. Und doch lag etwas in der Luft, etwas, das es an der Schule selten gibt. Aussergewöhnlich viele Menschen, weit über fünfhundert, versammelten sich im Foyer. Stefan Toth, der bei Grossanlässen an der Schule unentbehrlich ist, schob die Menge auseinander, schaffte Platz, wie immer mit einem freundlichen Lachen im Gesicht. Ein paar Scheinwerfer funkelten in die Mitte des Raums, Stellwände verdeckten den hinteren Teil. Musik ging an, laute Musik mit wuchtigem Bass und treibenden Beats. Eine Gruppe Jugendlicher sprang hinter den Stellwänden hervor, schritt konzentriert auf die Zuschauenden zu, weite Hosen, Turnschuhe, Trainerjacken. Die Tanznummer, die sie zeigten, war eine geballte Ladung Energie: virtuos und mitreissend. Das Publikum staunte, wippte, strahlte und klatschte frenetisch. Ein magischer Moment. Und es sollte nicht der einzige magische Moment bleiben an dieser Kulturnacht.
Im ganzen Schulhaus wurden zwischen 19 und 22 Uhr jede halbe Stunde magische Momente geschaffen. Schulzimmer, Gänge, Werkraum, Pavillon, Mediothek und Aula verwandelten sich in Kulturbühnen. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen wurden zu Kulturschaffenden und zeigten in 15 Minuten ihre kulturellen Talente. Besucherinnen und Besucher erlebten eine chemische Reise ins Wunderland oder eine lyrische Wanderung in Sonetten über den Pilatus, Poetry Slam, Lesungen aus der Schreibwerkstatt oder tauchten literarisch in dramatisierten Märchen ab und genossen die Ruhe eines ZEN-Gartens. Alle Tanzinteressierten konnten die graziösen Bewegungen des indischen Tanz Bharatanatyam kennenlernen und bei «Upchronize» oder «Lerne Danza Kuduro!» selber mittanzen. In Ausstellungen und Kurzfilmen konnte man selbst mit visuellen Welten verschmelzen und den ganzen Abend über gab es viel Musik zu hören: Von Chopin, über Jazz, Pop, lautem Rock, Dudelsack, Mani Matter bis hin zum zu grossartigen Kammerchor mit den 26 jungen Stimmen. Gesamthaft wurden an diesem Abend sagenhafte 42 Kulturproduktionen im Schulhaus parallel dargeboten. Ein richtig reichhaltiges Kulturfestival aus den Bereichen Wort, Bild, Klang, Tanz, Magie. Während drei Stunden konnte sich das Publikum seine individuelle Kulturtour zusammenstellen und sich in verschiedene Kulturwelten fortragen lassen.
Die Tatsache, dass sich so viele Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrerinnen und Lehrer trauten vors Publikum zu treten und sich in einer anderen Rolle zeigten, ist eine grosse Leistung. Alle, die auftreten, exponieren sich, machen sich ein Stück weit angreifbar. Deshalb braucht ein Auftritt auch so viel Mut.
Besonders beeindruckend war der Poetry Slam, für den sich einige Jugendliche begeistern liessen. Die Performances waren kraftvoll und berührend – so wie alle Auftritte an diesem Abend. Es ging nicht um Perfektion. Es ging um Authentizität. Die Darbietungen kamen von Herzen, manche davon sehr intim und persönlich. Die Jugendlichen hatten geübt und sich vorbereitet – nicht für eine Note, sondern für etwas Wertvolleres: den gemeinsamen Moment mit dem Publikum, das Hier und Jetzt.
Wahrhaftig, die Schule lebte an diesem Abend. Manchmal bebte sie gar. Sicher auch um Mitternacht, denn da tanzten immer noch weit über 100 Schülerinnen, Schüler, Lehrpersonen und Besuchende in der Aula und feierten gemeinsam.
Danke an alle, die auftraten. Und an alle, die zuschauten. Danke an das Freifach Bühnentechnik und Eventmanagement für den Aufbau der Schulzimmerbühnen. Danke auch an die Schulleitung für das Vertrauen und die Unterstützung. Ein solches Miteinander macht Lust auf mehr!
Text: Markus Gisin, Gymnasium Oberwil
Fotos: Patrick Deslarzes