Gebärdensprache: sichtbar, ausdrucksstark und verbindend

Sprache ist nicht nur hörbar – sie ist sichtbar, spürbar und in Bewegung. Beim vierten «Apéro inklusiv» zeigte die gehörlose Künstlerin Lua Leirner, wie Gebärdensprache Klang ersetzt, Bedeutung formt und Verständigung ermöglicht – jenseits von Lauten, aber voller Ausdruck.

Rund 60 Teilnehmende besuchten am 17. März 2026 den vierten «Apéro inklusiv» im Museum.BL. Esther Roth, Leiterin Amt für Kultur, eröffnete den Anlass mit einem Blick auf die Geschichte der Gebärdensprachen, die in Europa lange verboten und gesellschaftlich abgewertet wurden.

Lua Leirner: Vermittlerin zwischen den Welten
Dass Gebärdensprachen heute zunehmend Anerkennung finden, ist Menschen wie Lua Leirner zu verdanken. Die Kulturvermittlerin, Tänzerin und Schauspielerin gab Einblicke in ihr Leben und ihre Arbeit als gehörlose Künstlerin. In Museumsführungen, Performances und künstlerischen Projekten setzt sie Gebärdensprache als eigenständige Ausdrucks- und Vermittlungsform ein. Inhalte werden dabei nicht nur übersetzt, sondern visuell und körperlich erfahrbar gemacht – für gehörlose wie hörende Menschen.

Gebärdensprache ist eine eigene Sprache
Gebärdensprache ist weit mehr als eine Ergänzung zur gesprochenen Sprache. Sie verfügt über eine eigene Grammatik und eigene Ausdrucksformen und ist Teil einer eigenständigen Kultur. Viele gehörlose Menschen lernen sie jedoch erst spät, häufig nach Jahren intensiven Trainings in Lautsprachen. Umso wichtiger sind Räume, in denen Kommunikation visuell stattfinden kann.

Für viele Gäste war es eine besondere Erfahrung, Lua Leirner zuzuhören. Sie sprach selbst – mit deutlicher Artikulation, präziser Mimik und Gestik, die ihre Aussagen ergänzten. Einzelne Laute waren nicht immer vollständig verständlich. Gerade darin lag eine wichtige Erfahrung: Kommunikation entsteht über mehr als Worte – über Aufmerksamkeit, Kontext und gemeinsames Verstehen.

Das Gespräch führte Paola Pitton, Fachverantwortliche Inklusion im Amt für Kultur. Pittons Fragen wiederum wurden für Lua Leirner in Gebärdensprache übersetzt.

Kommunikation als gemeinsamer Prozess
Lua Leirner zeigte auf, wie sie ihre inklusiven Führungen entwickelt. Sie bereitet Inhalte eigenständig vor, recherchiert Fachbegriffe und übersetzt sie in Gebärdensprache. Dabei entstehen Vermittlungsformen, die über reine Übersetzung hinausgehen: Inhalte werden beschrieben, gezeigt, bewegt und gemeinsam erschlossen. Kommunikation wird so zu einem Prozess, an dem alle Beteiligten mitwirken.

Auch ihre künstlerische Praxis folgt diesem Ansatz. In Tanz- und Theaterprojekten verbindet sie Gebärdensprache mit Bewegung, Rhythmus und visuellen Impulsen. Musik wird dabei nicht nur gehört, sondern über Vibrationen, Körper und Raum wahrgenommen.

Was Inklusion konkret braucht
Im Austausch mit dem Publikum wurde deutlich, dass gelingende Inklusion konkrete Voraussetzungen braucht: verständliche Informationen, Untertitel, Gebärdensprachdolmetschung und visuelle Vermittlungsformate. Ebenso wichtig ist eine Haltung der Offenheit und des Dialogs.

Der vierte «Apéro inklusiv» zeigte eindrücklich: Inklusion beginnt dort, wo Menschen bereit sind, neue Wege der Verständigung gemeinsam zu erproben.

Das Format «Apéro inklusiv» bietet dafür den Rahmen. Seit der ersten Durchführung im September 2024 bringt es Kulturschaffende, Institutionen, Fachpersonen sowie Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zusammen. Ziel ist es, voneinander zu lernen und Impulse für mehr Teilhabe im Kulturbereich zu entwickeln.

Text: Claudia Puzik, Amt für Kultur
Fotos: Matthias Willi

Weitere Informationen:
Inklusion und Teilhabe - Kanton Basel-Landschaft

Bild Legende:
Kulturvermittlerin, Tänzerin und Schauspielerin Lua Leirner