«Frei von fremdbestimmten Aufträgen, aber nicht ziellos.»

Beat Brunner geht Ende Juli 2026 nach sieben Jahren im Amt für Volksschulen in den wohlverdienten Ruhestand. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Aufsicht & Qualität war er für Entwicklungsgespräche und Audits in den Primar- und Sekundarschulen sowie für Bewilligung und Aufsicht bei Privaten Schulungen verantwortlich. Im Interview blickt er für uns auf seine Zeit beim Kanton Basel-Landschaft zurück.

Was waren Deine persönlichen Highlights? Was behältst Du in besonders guter Erinnerung?
Das hat eigentlich schon mit dem Anstellungsgespräch angefangen. Bernhard Leicht, Leiter der Hauptabteilung Aufsicht und Qualität und mein direkter Vorgesetzter ist ein freier Geist. Seine Art hat mir sofort Mut gemacht, offener zu reden. Und das blieb auch bis am Ende so.

Sehr prägend waren dann die Schulbesuche, die wir paarweise gemacht haben: einer führt das Gespräch, der andere protokolliert – und auf den Rückfahrten gab es jeweils ein informelles Reflexionsgespräch.

Das absolute Highlight war aber das Weiterbildungsprojekt «Lernprojekt Aufsicht», ein etwa zwölfteiliger Zyklus zusammen mit Vertretungen aus den Kantonen Aargau und Glarus. Im Bereich der Schulaufsicht gibt es schlicht keine Ausbildung, die einen auf die Aufsichtsfunktionen vorbereitet. Wir mussten uns das Wissen selbst erarbeiten. Die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten aus anderen Kantonen auszutauschen und zu triangulieren, gab uns einen grossen Schub – auch für den Teamzusammenhalt.

Zu Hause konnte ich regelmässig mit meiner Partnerin über die aktuellen Themen meiner Arbeit diskutieren. Sie hat Ähnliches in den Kantonen Aargau und Zürich verantwortet und oftmals durchaus andere Meinungen vertreten.

Was waren die grössten Herausforderungen in Deiner Zeit bei uns?
Die grössten Herausforderungen sehe ich bei mir selbst. Einerseits die vielen unerwarteten Aufträge – politische Geschäfte, konzeptuelle Fragen, aufsichtsrechtliche Anzeigen oder herausfordernde Situationen in Schulen. Andererseits musste ich mich manchmal bewusst bremsen, wenn ich merke, dass ich zu sehr in den Modus des Besserwissers verfalle. Dann galt es, besser zuzuhören, auf die anderen einzugehen und gemeinsam Lösungswege zu entwickeln. Das waren und sind bis heute meine grössten Stolperfallen.

Du hast jahrelang Erfahrungen gesammelt: Welche Fähigkeit aus Deiner Arbeitszeit nimmst Du mit in den Ruhestand, und welche lässt Du gerne im Büro zurück?
Im Büro zurücklassen werde ich, was meiner Nachfolgerin und den Kollegen nützt: Unterlagen, Fachbücher und ein paar alltagspraktische Dinge wie eine Grillzange oder ein Kuchenmesser, die regelmässig im AVS zum Einsatz kommen. Den Rest nehme ich mit, auch wenn ich noch viel Ordnung machen muss – ich bin bekennender Nicht-Ordnungsmensch und ein grosser Sammler.

Mit in den Ruhestand nehme ich aber auch eine zentrale Erkenntnis aus dem «Lernprojekt Aufsicht»: Ich bin offenbar auch ein Machtmensch – aber auf eine subtile Art. Durch aktive Kommunikation oder den gezielten Entzug von ihr kann man bewusst oder unbewusst Macht auf sein Gegenüber ausüben. Das war ein wichtiges Learning, an dem ich weiterarbeiten werde. Für mich ist Life-Long-Learning kein leeres Schlagwort – dieser Prozess hört erst auf, wenn gar nichts mehr geht.

Stell Dir vor, Du hättest eine Zeitmaschine. Wie würden Deine Aufgaben in 20 Jahren im AVS aussehen?
Den technischen Fortschritt und die Digitalisierung lasse ich mal beiseite – die kommen so oder so. Die eigentliche Herausforderung bleibt die Volksschule als Institution, die bildend den gesellschaftlichen Zusammenhalt sicherstellen soll: Integration und Selbstbestimmung nicht nur im Sozialen, sondern auch im Wirtschaftlichen und Politischen, quer durch alle Gesellschaftsfelder.

Konkret denke ich, dass Qualität nicht nur auf Unterricht und Schulführung beschränkt bleiben sollte – auch für den Schulrat wie auch im AVS selbst wäre ein eigenes Qualitätsmanagement hilfreich.

In wenigen Wochen endet Dein gewohnter Arbeitsalltag. Kein Wecker, keine Sitzungen, keine E-Mails. Was machst Du als Rentner an Deinem ersten freien Tag?
Mein innerer Wecker funktioniert einwandfrei – früh aufstehen war nie mein Problem. Was mir eher Sorge bereitet ist die Vorstellung, dass die vermeintlich freie Zeit gar nicht so frei sein wird – dass der Tag schnell wieder verplant ist und kaum Raum für Musse und Langeweile bleibt. Dabei wäre genau das wertvoll: ein bisschen Faulenzen, zu sich finden. Als Oblomov – die literarische Figur, die ihr Leben auf dem Sofa verbringt – bin ich jedenfalls nicht geboren.

Ich freue mich auf weniger Aufträge von aussen. Das zentrale Wort am ersten freien Tag ist für mich «Freiheit» – frei von fremdbestimmten Aufträgen, aber nicht ziellos.

 

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zVg Beat Brunner