«Das grösste Potenzial liegt in der Information»

Thomas von Felten, Sie leiten seit dem 1. Dezember 2022 die Hauptabteilung Berufsbildung der Dienststelle BMH. Was ist Ihre Aufgabe?
Abgeleitet von den nationalen Bildungszielen ist unsere Dienststelle dafür verantwortlich, dass möglichst viele Jugendliche und junge Erwachsene einen Abschluss auf Sekundarstufe II erlangen. Die Aufgabe meiner Hauptabteilung besteht darin, die optimalen Rahmenbedingungen für Jugendliche zu bieten, die einen Lehrabschluss anstreben. Meine vier Abteilungen leisten ihren Beitrag daran in ganz unterschiedlichen Feldern: sei es durch das Ausrichten von Ausbildungsbeiträgen, die Kontrolle der Lehrverträge, die Beratung und Begleitung von Lernenden in schwierigen Situationen oder die Bereitstellung von Brückenangeboten. Im Kanton sind wir aktuell bei 89 Prozent der bis 25-Jährigen, die eine Mittelschule oder eine Lehre abgeschlossen haben. Für mich stellt sich die Frage, wo der Rest stecken bleibt und was wir dagegen tun können. Daran arbeiten wir mit Hochdruck, und zwar am lebendigen System.

Neben der Arbeit mit meinen Abteilungen investiere ich viel in die Beziehungen mit unseren Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartnern. Ich stehe im engen Austausch mit Branchen- und Wirtschaftsverbänden und Lehrbetrieben. Ganz wichtig ist auch die Vernetzung mit dem AVS und den Laufbahnverantwortlichen der Sekundarschulen, damit der Übergang von der Volksschule in die berufliche Grundbildung noch besser gelingt.

Sie waren davor schon für den Kanton tätig. Was ist geblieben und was ist neu?
Meine Karriere beim Kanton Basel-Landschaft habe ich 2009 als Schulleiter der Sekundarschule Pratteln begonnen. Parallel dazu war ich ab 2013 Präsident der Schulleitungskonferenz meiner Stufe. 2019 bin ich schliesslich als Leiter der Abteilung Laufbahn und Integration in die Verwaltung eingestiegen. Ich hatte bereits Berührungspunkte mit meinen heutigen Wirkungsfeldern. Auch die Tätigkeit in einer Leitungsfunktion war mir bereits vertraut. In meiner jetzigen Rolle bin ich aber stärker in die politischen Geschäfte und Prozesse involviert. Ich bin viel strategischer tätig und kann mich auch auf übergeordneter Ebene einbringen.

Sind Sie in der neuen Rolle angekommen?
Ich kann bald schon auf 10 Monate als Leiter der Hauptabteilung Berufsbildung zurückblicken und bin definitiv angekommen. Mit Natalie (Breitenstein, Anmerkung der Redaktion) habe ich eine ausgezeichnete Chefin, die die Dienststelle strukturell und kulturell weitergebracht hat. Und auch als Hauptabteilung sind wir in der Vernetzung aller Akteure in der Berufsbildung vorangekommen. Schule und Wirtschaft sind dank verschiedenen Austauschgefässen und gemeinsamen Projekten näher zusammengerückt, das Verständnis hat sich vertieft. Es freut mich, dass ich solche Veränderungen mitgestalten darf.

Was sind Sie für ein Chef?
Hui, Selbstreflexion (lacht). Mir ist das Vertrauen in die Abteilungsleitungen sehr wichtig. Ich pflege einen offenen Umgang mit meinen Mitarbeitenden, und sie sollen sich aktiv einbringen können. Manchmal müssen wir etwas wagen! Ohne Experimente – egal ob misslungen oder erfolgreich – wären ja die Naturwissenschaften nicht dort, wo sie heute sind. Was für die Naturwissenschaften gilt, sollte ja auch für eine Organisation wie die Bildungsverwaltung gelten. Entscheidend ist, dass wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen und Chancen?
Das grösste Potenzial für die Berufsbildung liegt für mich in der möglichst frühzeitigen Arbeit mit Jugendlichen – und natürlich in der Information der Erziehungsberechtigten. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Laufbahnmöglichkeiten muss möglichst früh starten, denn der Findungsprozess braucht Zeit. Wichtig ist dabei, dass der Kanton wertneutral und einheitlich kommuniziert und die verschiedenen Bildungswege nicht gegeneinander ausspielt. Ein Projekt des Fachgremiums Laufbahn beschäftigt sich derzeit mit dem Optimierungspotenzial in diesem Bereich.

Eine grosse Herausforderung sehe ich bei den Jugendlichen, welche aus diversen Gründen aus dem System herausfallen. Wie kommt es dazu? Und wie bekommen wir sie wieder ins System hinein? Hier ist eine genauere Betrachtung notwendig. Dazu ist es für viele Berufs- und Praxisbildnerinnen und -bildner eine Herausforderung, den richtigen Umgang mit Jugendlichen im Jahr 2023 zu finden. Hier könnten beispielsweise Weiterbildungen helfen.

In was finden Sie einen Ausgleich?
Eine grosse Leidenschaft von mir ist das Reisen. Beim Entdecken neuer Orte kann ich die Berufswelt hinter mir lassen und Kraft und Inspiration schöpfen. Im Alltag springe ich möglichst oft in den Rhein , sofern es die Temperaturen zulassen, und gehe Joggen...

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