«Der Kanton Basel-Landschaft ist ein starker Hochschulkanton»

Alban Frei, Sie leiten seit dem 1. Februar 2023 die Hauptabteilung Hochschulen der Dienststelle BMH. Sind Sie in Ihrer neuen Rolle angekommen?
Der Beginn war intensiv, aber auch sehr spannend. Hochschulpolitik bzw. Hochschulverwaltung ist oft bi- oder mehrkantonal. Dadurch ist unsere Arbeit stark von überkantonalen Gremien und Projekten geprägt. In meiner ersten Arbeitswoche stand bereits eine bikantonale Arbeitssitzung zur Eigenkapitalregelung der Universität Basel an. Es ging also gleich richtig los. Beim Start hat sicher geholfen, dass ich auf ein erfahrenes Team zählen konnte und dass die hochschulpolitischen Gremien fest etabliert sind. Seit Februar konnten wir nun verschiedene Themen anpacken und auch das Team vervollständigen, sodass wir für die kommenden Herausforderungen gut aufgestellt sind. Daher würde ich sagen: Ja, ich bin gut angekommen.

Was reizt Sie an einem Job in der Bildungsverwaltung?
In der Bildungsverwaltung ist man nah dran und doch weit weg von dem Personenkreis, dem das Wirken der Verwaltung zugutekommt. Wir haben zwar keinen Kontakt zur Studentin, die sich auf den Numerus Clausus für ein Medizinstudium vorbereitet oder zum Doktoranden, dem gerade eine Versuchsreihe missglückt ist. Gleichzeitig hat unsere Arbeit aber auch auf diese Fälle einen direkten Einfluss. Die Durchführung eines Numerus Clausus muss jeweils vom Regierungsrat genehmigt werden, und über die Ausstattung sowie Anzahl von Laborplätzen, über Studierendenzahlen auf Doktoratsstufe und über Abbruchquoten wird beispielsweise im Universitätsrat diskutiert. Somit setzt die Arbeit in einer Bildungsverwaltung oft auf strategischer Ebene an, entfaltet dann aber im konkreten Alltag der Bürgerinnen und Bürger eine direkte Wirkung. Die Prozesse nehmen teilweise etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, dafür ist der Effekt umso nachhaltiger. Genau das finde ich reizvoll.

Sie haben selbst an der Universität Basel studiert, an der ETH Zürich promoviert und zuletzt an der Universität Bern doziert, sowie die Programmverantwortung für Kurse in Forschungsmanagement und Academic Leadership getragen. Was nehmen sie aus diesen Erfahrungen in ihre neue Funktion als Leiter Hochschulen mit?
Ich hatte bis jetzt das Privileg, bei den Stationen in meinem Lebenslauf, stets auf ein bereicherndes Umfeld und tolle Personen zu treffen. Von allen Stationen kann ich deshalb etwas mitnehmen. Meine Ausbildung an der Universität Basel hat mir ein gutes Fundament gegeben, in meiner Forschungstätigkeit an der ETH Zürich habe ich mich unter anderem mit Fragen der Organisation von Forschung und jüngsten Entwicklungen im Life Science Bereich befasst. An der Universität Bern stand die Weiterbildung für Hochschulprofessionelle im Vordergrund, wo es unter anderem darum ging, nützliche Modelle und Werkzeuge aus dem Bereich Projektmanagement zu vermitteln und für Führungsfragen zu sensibilisieren. Die Themen Organisation, Management und Entwicklung im Forschungs- und Hochschulbereich beschäftigen mich also schon lange. Mit der Tätigkeit in der Bildungsverwaltung kommt nun für mich eine neue Facette dazu, das ist sehr bereichernd.

Seit dem Staatsvertrag von 2007 ist der Kanton Basel-Landschaft zusammen mit Basel-Stadt gemeinsamer Trägerkanton der Universität Basel. Nun soll beim Dreispitzareal ein neues Universitätsquartier entstehen. Wie beurteilen Sie diesen neuen Standort auf Baselbieter Boden?
Genau genommen dauert die Beteiligung und Mitfinanzierung der Universität Basel durch den Kanton Basel-Landschaft schon etwas mehr als fünfzig Jahre an. In den 1970er Jahren gab es die ersten Bestrebungen, den Landkanton stärker in die Universität einzubinden. Seither wurden die Beträge und schliesslich auch die Mitsprache stetig erhöht. Die durch den Staatsvertrag von 2007 fixierte gemeinsame Trägerschaft war ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg, ebenso wie die Eröffnung des ersten Universitätsstandorts auf Baselbieter Boden mit dem Neubau für das Departement Sport, Bewegung und Gesundheit in Münchenstein. Das geplante Universitätsquartier auf dem Dreispitzareal mit Gebäuden für die juristische und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät bietet eine hochattraktive Perspektive für die Zukunft der Universität und ist Ausdruck des starken Hochschulkantons Basel-Landschaft.

Aktuell läuft eine Vernehmlassung des Bundes betreffend Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2025-2028. Können Sie dies für uns einordnen?
Genau wie der Kanton legt auch der Bund seine Politik im Bereich Bildung, Forschung und Innovation jeweils für eine Vierjahresperiode fest. In der sogenannten BFI-Botschaft werden die Leitplanken für die unmittelbare Zukunft dieses zentralen Bereichs festgelegt und der Kostenrahmen definiert. Diese Botschaft liegt nun vor, und der Bund hat erstmalig zu einer Vernehmlassung zu diesem Thema eingeladen. Als Trägerkanton der FHNW, der Universität Basel und des Swiss TPH sind wir darauf angewiesen, dass die Bundesgelder verlässlich und in ausreichender Höhe zur Verfügung gestellt werden. Die Hochschulkantone sollen nicht noch stärker belastet werden und die Bildungsinstitutionen ihre hohe Qualität halten können. Dies kommt letztlich nicht nur unserer Region, sondern der ganzen Schweiz zugute.

Welche Herausforderungen stehen in nächster Zeit an?
Unsere Hochschulen sind äusserst dynamisch, und auch aus dem Landrat kommen immer wieder Fragen und Vorschläge. Es bewegt sich also ständig etwas. Der Kanton Basel-Landschaft steuert seine Hochschulen über vierjährige Leistungsauftragsperioden. Dies gibt den Institutionen Planungssicherheit, und der Kanton kann in seiner Trägerrolle sicherstellen, dass seine Interessen gewahrt und die Ressourcen effektiv und effizient eingesetzt werden. Momentan stehen wir mit drei von vier Institutionen in Verhandlungen für die nächste Leistungsauftragsperiode. Konkret prüfen wir gerade den Antrag der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Bei der FHNW stehen in der nächsten Leistungsauftragsperiode spannende Entwicklungen an, welche für die ganze Wirtschaftsregion Nordwestschweiz positive Impulse setzen können.

Wo finden sie neben der Arbeit ihren Ausgleich?
Wir haben zwei Kinder im Primarschulalter. Da läuft, spätestens ab dem Moment wo ich die Haustüre aufmache, ein komplett anderer Film ab als bei der Arbeit. Das hilft enorm beim Abschalten. Ich habe in der Regel keine Mühe, Arbeitsthemen bei der Arbeit zu lassen. Weiter fahre ich sehr gerne Rennvelo oder entdecke auf dem Gravelbike die zahlreichen Waldwege unserer Region. Im Winter schnalle ich, wenn immer möglich, die Langlaufski an, bevorzugt im Goms. Ich koche auch ganz gerne und freue mich schon auf die frischen Steinpilze und lokales Wild im Herbst.

Bild Legende:
Foto: Andreas Aeby