Die Bahnleger des Baselbieter Team-OL
Am 27. Oktober 2024 findet im Laufgebiet «Kei-Tiersteinberg» der 72. Baselbieter Team-Orientierungslauf statt. Der ehemalige Spitzenläufer Christoph Plattner ist seit 2022 gemeinsam mit Reto Pusterla für die Bahnlegung verantwortlich. Ein Blick auf diese faszinierende Aufgabe.
«Unser Stadion sind die Wälder, die Weiden, die Dörfer und die Städte – wir bewegen uns in Natur- und Siedlungsräumen und wollen grösstmögliche Sorgfalt walten lassen, wenn es um Mensch, Tier und Natur geht.» Deshalb gehört es für Christoph Plattner zu den Grundsätzen in seiner Funktion als Bahnleger im Orientierungslauf, Schutz- und Schongebiete zu respektieren, alle Empfehlungen zu berücksichtigen und so wenig Störung wie nur möglich zu verursachen.
Plattner hat alle Stufen in der Karriere eines Orientierungsläufers durchlaufen. Seine Blütezeit erlebte er rund um die Jahrtausendwende. Er ist mehrfacher Schweizer Meister, wurde im Jahr 2000 in der Ukraine Europameister mit der Schweizer Staffel, holte sich 1994 den Staffeltitel an der Studenten-WM und beendete zwei Weltmeisterschaften auf dem 7. Rang, 1995 auf der Kurzstrecke in Deutschland und 2001 auf der Langstrecke in Finnland.
Gutes Einfühlungsvermögen
Die eigenen Erfahrungen helfen ihm, stufengerechte Bahnen zu legen. Gerade beim Baselbieter Team-OL mit seinen vielschichtigen Kategorien für alle Leistungs- und Altersstufen ist dies von zentraler Bedeutung. Seit 2022 hat er gemeinsam mit dem zu seiner Aktivzeit ebenfalls sehr erfolgreichen Reto Pusterla die Verantwortung. Plattner hatte zuvor schon beim Vorgänger-Duo Christian Hanselmann und Michael Granacher mitgewirkt. Das Tandem mit Pusterla hebt er speziell hervor. «Das Vier-Augen-Prinzip ist bei der Entwicklung der Bahnkonzepte und der finalen Positionierung der Posten sehr wichtig.»
Für den diesjährigen Baselbieter Team-OL im Gebiet «Kei-Tiersteinberg» oberhalb von Rothenfluh haben die Konzeptarbeiten bereits Ende 2023 begonnen. Dies auch deshalb, weil in diesem Gebiet zusätzlich eine Bewilligung des Kantons Aargau notwendig war. Im Mai diesen Jahres haben Plattner und Pusterla bereits die Vormarkierungen im Gelände vorgenommen.. Das Gebiet war wie geschaffen für Plattners Art des Bahnlegens: «Es geht immer darum, die Eigenheiten eines Gebietes zu erfassen und das Optimum in diesem Gelände herauszuholen. Das diesjährige Laufgebiet ist sehr geeignet, um auf dem Plateau gute Bahnen für den Breitensport zu legen sowie die felsigen Hänge und detailreichen Geländekammern für die anspruchsvollen Bahnen zu nutzen.»
Hilfreiche Erfahrung
Das Bahnlegen im OL kann nicht in einem Modul erlernt werden, es gibt auch keine formelle Ausbildung dazu. «Man wächst in diese Aufgabe hinein und muss sicherlich auch Spass und ein gewisses Flair dafür haben», so Plattner. Das räumliche Vorstellungsvermögen, das er und Pusterla als Läufer entwickeln konnten, hilft dabei, attraktive und faire Strecken sowie eine gute Postenplatzierung zu ermöglichen. «Jeder Posten, den wir im Laufe unserer Leben angelaufen haben, trägt zu einer besseren Einschätzung bei.» Im Fall von Plattner und Pusterla dürften dies einige Zehntausend gewesen sein.
Der grösste Fehltritt in der Arbeit eines Bahnlegers wäre ein falsch gesetzter Posten. Das ist Plattner und Pusterla bei bedeutenden Anlässen glücklicherweise noch nie passiert. Und die Rückmeldungen zur Postenlegung beim Baselbieter Team-OL, die jeweils bei den rund 1500 Teilnehmenden abgefragt werden, sind durchwegs positiv. Eine gute Vorbereitung ist dabei die halbe Miete. So wird bis zum Anlass in diesem Jahr sicherlich noch einmal beim Revierförster nachgefragt, ob durch Forstarbeiten noch irgendetwas zu berücksichtigen wäre. Diese sind neben Tierbauten oder -nestern oder ungünstiger Vegetation mögliche Gründe, warum ein Posten trotz aller guten Planung noch versetzt werden müsste.
Der studierte Geograph Plattner, der seit 2020 beruflich das Ressort Energie beim Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons Basel-Landschaft leitet, ist noch immer aktiver OL-Läufer bei den Herren 50. Neben dem Baselbieter Team-OL wirkt er auch als Bahnleger bei weiteren nationalen Anlässen. Höhepunkte waren bisher die Mitwirkung bei der Bahnlegung am OL-Weltcup 2014 in Liestal oder bei der Sprint-Schweizermeisterschaft 2022 in Basel.
72. Baselbieter Team-OL
Der Baselbieter Team-Orientierungslauf gehört zu den grössten Breitensportveranstaltungen im Kanton. Rund 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren bei den letzten Auflagen jeweils am Start – für die diesjährige Austragung am Sonntag, 27. Oktober 2024 im Laufgebiet «Kei-Tiersteinberg» oberhalb von Rothenfluh wird ein ähnlich grosses Startfeld erwartet. Angeboten werden 34 Kategorien mit verschiedenen Streckenlängen und Schwierigkeitsgraden für alle Alters- und Leistungsstufen. Die Anmeldung ist bis zum 14. Oktober 2024 möglich.
Text: Daniel Schaub, Sportamt Baselland