Der Jahresbericht der Archäologie Baselland

Spannendes aus der Vergangenheit statt trockene Zahlen

Pünktlich vor den Sommerferien veröffentlicht die Archäologie Baselland jeweils ihren Jahresbericht. Die handliche Publikation bietet viel mehr als Zahlenhuberei. In reich bebilderten Beiträgen entführt sie die Leserschaft in die Baselbieter Vergangenheit. Ein paar Highlights aus der aktuellen Ausgabe.

Jahresberichte sind meist trockene, zahlenlastige Angelegenheiten, aufgehübscht durch ein paar fröhliche Bilder und informative Grafiken. Nicht so bei der Archäologie Baselland: Seit 2006 informiert die kantonale Fachstelle darin über die wichtigsten Funde und Ausgrabungen des vergangenen Jahres. Damit wird der gesetzliche Auftrag nach, Erkenntnisse zur regionalen Geschichte und Baukultur zu vermitteln. Die Broschüre erfreut sich nicht nur in der Fachwelt grosser Beliebtheit: die rund 1000 gedruckten Exemplare sowie rund 500 Online-Exemplare finden jeweils innert Jahresfrist ihren Weg zu interessierten Leuten aus nah und fern. Positiver Nebeneffekt: Über den Schriftentausch gelangen wichtige Publikationen in unsere Bibliothek. Für diesen Erfolg sorgen – nebst dem allgemeinen Interesse an der Vergangenheit – auch die attraktive Bebilderung sowie die einfach verständlichen, bewusst kurz gehaltenen Texte. Nachfolgend drei Kostproben aus der aktuellen Ausgabe.

Die Sensation: ein neuer Faustkeil
Zu den wichtigsten Neufunden des vergangenen Jahres zählt der Faustkeil vom Oberholz in Füllinsdorf. Die in der Schweiz äusserst seltenen Steinartefakte - im Baselbiet sind es nun zwei - sind Allzweckgeräte und gehören zu den frühesten Werkzeugen der Menschheit. Der Fund aus Füllinsdorf ist mindestens 45'000 Jahre alt und gehört damit in die mittlere Altsteinzeit. Hergestellt wurde er von den damals hier ansässigen Neandertalern. Weitere Objekte mit gleicher Datierung zeigen, dass der Faustkeil nicht zufällig verloren ging: Die Hochebene am Rande des Rheintals wurde als Rastplatz genutzt. Spannend ist auch das Rohmaterial des Werkzeugs. Es stammt aus der Gemeinde Alle im Kanton Jura, rund 50 Kilometer vom Fundplatz entfernt. Es ist gut möglich, dass eine Gruppe von Wildbeutern auf ihren Wanderungen beide Orte aufsuchte. Gefunden wurde der Faustkeil in Füllinsdorf von Georges Sprecher. Der ehrenamtliche Mitarbeiter sucht seit Jahren systematisch Äcker nach steinzeitlichen Werkzeugen ab und hat schon manche neue Fundstelle entdeckt.

Exotische Funde aus dem Hardwald
Vielen dürfte der Hardwald bei Muttenz als Ort des letzten Rückzuggefechts anlässlich der Kantonstrennung 1833 bekannt sein. Das Gebiet ist jedoch seit mindestens 2500 Jahren Schauplatz der Geschichte, weshalb eine Gruppe von Ehrenamtlichen hier seit Jahren Prospektionen durchführt. Unter den Funden gibt es einige römische Objekte, die geradezu «exotisch» anmuten. Um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. versteckte jemand nahe beieinander zwei Schätze mit insgesamt 25 Silbermünzen (Denare) sowie weiteren Silberbruchstücken. Solche Kombinationen sind bislang nur aus der vorrömischen Keltenzeit oder aus Spanien bekannt. Fassen wir hier das Fortbestehen einer alten Tradition? Ungefähr 300 Jahre später ist der Rhein Grenze des römischen Reiches, gesichert durch zahlreiche Wachttürme. In dieser Zeit verlor ein Reiter im Hardwald einen Teil des Pferdegeschirrs, einen Scheibenknebel. Die Form lässt vermuten, dass der Soldat ursprünglich auf der iberischen Halbinsel zu Hause war. Doch nicht nur Leute aus dem Süden verteidigten die Grenze. Eine so genannte Stützarmfibel (Mantelschliesse) mit spezieller Verzierung dürfte zur Ausrüstung eines hochrangigen germanischen Kriegers in römischen Diensten gehört haben. Seine Heimat lag an der Nordseeküste.

Pilgern vor 1000 Jahren
In den letzten 40 Jahren hat sich Reinach als regelrechter Hotspot der Baselbieter Archäologie entpuppt. Insbesondere Spuren des früh- und hochmittelalterlichen Dorfes finden aufgrund ihrer hohen Aussagekraft bei Fachleuten europaweit Beachtung. 2023 konnte ein weiteres Puzzlestück der Ursprünge des Ortes untersucht werden. Nahe der Kirche kamen Pfosten und Gruben zum Vorschein, die von Wohn- und Gewerbebauten aus dem 9. bis 13. Jahrhundert zeugen. Unter den Funden hervorzuheben ist eine gelochte Jakobsmuschel: ein Hinweis, dass bereits vor 800 Jahren Leute aus der Region erfolgreich nach Santiago de Compostela pilgerten.

Neugierig geworden? Alle Jahresberichte können online heruntergeladen werden. 

Text: Andreas Fischer, Archäologie Baselland

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Foto: Archäologie Baselland

Der Finder Georges Sprecher mit dem neu entdeckten Faustkeil von Füllinsdorf.

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Foto: Anita Dettwiler, Dani Pelagatti, bunterhund / Joe Rohrer, bildebene.ch

Dank den Ausgrabungen der letzten 40 Jahre lässt sich heute ein detailliertes Bild des frühmittelalterlichen Reinachs zeichnen.

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Eine Stützarmfibel mit besonderer Verzierung lässt vermuten, dass im Hardwald der späten Römerzeit hochrangige germanische Krieger die Grenze schützten. Foto: Archäologie Baselland