Perspektivenwechsel mit 56 Jahren
Seit rund fünf Monaten ist Ruedi Metzger, langjähriger Leiter der Abteilung Finanzen im Generalsekretariat, pensioniert. Zum Abschied blickt er auf seine Highlights bei der BKSD zurück und verrät, welches Projekt ihn am meisten genervt hat. Wir wünschen alles Gute im neuen Lebensabschnitt!
Ruedi Metzger, am 1. Mai 2024 bist du als Leiter der Abteilung Finanzen abgetreten. Blickst du für uns auf deine Zeit in der Verwaltung zurück?
Vor meiner Zeit bei der BKSD war ich 13 Jahre als Abteilungsleiter des zentralen Controllings bei der Finanzverwaltung. Mit 56 bot sich mir die Gelegenheit, nochmals etwas Neues zu wagen und die Abteilung Finanzen der BKSD zu übernehmen. Das war ein eigentlicher Perspektivenwechsel. Was ich aus «Konzernsicht» beurteilt hatte, musste ich nun aus dem Blickwinkel der grössten Direktion mit vielfältigen Aufgaben angehen. Entsprechend unterschiedlich waren die Themenbereiche, in die ich mich einarbeiten musste. In diesem Umfeld war immer für neue Impulse und Perspektiven gesorgt.
Was waren die grössten Herausforderungen in deiner Zeit bei der BKSD?
Als ich bei der BKSD startete, stand die Einführung zahlreicher neuer Instrumente an, die aus meiner Sicht zu einem Quantensprung in der finanziellen Steuerung des Kantons geführt haben. Ich spreche vom Aufgaben- und Finanzplan (AFP), dem neuen Finanzhaushaltsgesetz und etwas untergeordnet auch vom Staatsbeitragscontrolling. In kurzer Zeit prasselten enorm viele Neuerungen auf die Dienststellen ein, die neben dem Tagesgeschäft bewältigt werden mussten. Vom Direktionscontrolling musste bei der Einführung der neuen Instrumente daher einiges an Überzeugungs-, Unterstützungs- und Ausbildungsarbeit geleistet werden. Ich erinnere mich, dass ich in den ersten beiden Jahren an den Direktionskonferenzen sehr monothematisch unterwegs war. Diese Phase war sehr arbeitsintensiv, aber auch befriedigend, wenn ich sehe, wo die BKSD heute punkto finanzieller Führung steht.
Was waren deine Highlights? Was behältst du in guter Erinnerung?
Das war ebenfalls die Einführung des Aufgaben- und Finanzplans (AFP) in der BKSD. In meiner Zeit bei der FKD hatte ich dessen Konzeption massgebend mitgestaltet und durfte nun dieses neue Planungsinstrument bei der BKSD selbst in die Praxis umsetzen. Dank dem grossen Engagement der Dienststellen hat dies erstaunlich gut geklappt. Das Denken in der «AFP-Logik» ist in der BKSD mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden.
Ein weiterer Höhepunkt war die Einführung des neuen Finanzhaushaltsgesetzes. Dieser Prozess war sehr spannend, da er immer wieder mit Auslegungs- und Interpretationsfragen der rechtlichen Regelungen verbunden war. Gleich nach dessen Inkraftsetzung fehlte noch jede Erfahrung, und es waren viele Fragen offen. Erst mit der Zeit bildete sich eine Praxis heraus, die bis heute andauert. Das neue Finanzhaushaltsgesetz war für die Dienststellen sowohl vom materiellen Inhalt als auch von der Komplexität her eine grosse Herausforderung, die aber gut gemeistert wurde. So ist die Qualität der BKSD-Vorlagen aus Controlling-Sicht laufend gestiegen und befindet sich mittlerweile auf einem hohen Niveau.
Am meisten beeindruckt hat mich, mit wie viel Herzblut, Überzeugung und Engagement sich die Mitarbeitenden für ihre Themenbereiche einsetzen. Ich durfte mit vielen motivierten und konstruktiven Menschen zusammenarbeiten, welche mir in bester Erinnerung bleiben werden. Vermissen werde ich auch die bereichernden sozialen Kontakte und den täglichen informellen Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Generalsekretariat.
Es gab doch sicher auch nervige Projekte. Oder?
Ja, auch das gab es. Das Projekt «Neue Finanzorganisation 19» war hochgradig unbefriedigend. Obwohl das Projektziel als ergebnisoffen deklariert war, stand die Lösung eigentlich von Anfang an fest. Sachliche Argumente aus Praxis und Lehre konnten nicht verhindern, dass am Ende eine in der Schweiz einmalige Exotenlösung eingeführt wurde. Besonders frustrierend war, dass das grosse Engagement der Direktionsvertretungen in der Projektgruppe kaum Niederschlag im Ergebnis fand. Rückblickend muss ich sagen, dass sich dieser Einsatz nicht gelohnt hat.
Was würdest du rückblickend anders angehen? Gibt es eine Erkenntnis, die du deinem Nachfolger Dario Zumsteg mitgeben möchtest?
Spontan fällt mir nicht ein, das ich anders angehen würde. Und Dario muss ich keine Ratschläge mit auf den Weg geben, er wird seine neue Funktion bestens ausfüllen. Ausser vielleicht dies: als «Finänzler» hat man die Tendenz, sich primär auf die Zahlen zu fokussieren. Aus meiner Sicht ist es aber essenziell, sich bei der finanziellen Beurteilung eines Geschäftes auch in den Inhalt einzutauchen. Jede Ausgabe ist mit einer Leistung verknüpft, diese beiden Komponenten kann und sollte man nicht voneinander trennen. Die fundierte inhaltliche Auseinandersetzung mit finanziellen Geschäften habe ich immer als reizvoll empfunden - ein eigentlicher Pluspunkt des Jobprofils!
Seit ein paar Monaten bist du im wohlverdienten Ruhestand. Verrätst du uns, was du mit deiner Zeit anstellst?
Kurz nach meinem letzten Arbeitstag brach ich alleine zu einer sechswöchigen Bikepacking-Tour auf, die mich von Porto durch das Baskenland und Frankreich nach Hause führte. Ich wollte meinen Wechsel in die neue Lebensphase mit etwas Speziellem einleiten, dass ich zuvor noch nie gemacht hatte. Für die Zukunft habe ich noch keine konkreten Pläne, aber schon viele Ideen wie etwa ausgewählte Vorlesungen an der Universität Basel besuchen, Italienisch lernen oder mich ehrenamtlich zu engagieren. Aktuell geniesse ich es einfach, keine Verpflichtungen und Zeit für meine Hobbys zu haben: ich sitze regelmässig auf dem Rad, lese viel, unternehme mit Freunden mehrtägige Wander- und Radtouren. Sofern es mein Knie zulässt, werde ich auch wieder vermehrt an Orientierungslaufwettkämpfen im In- und Ausland teilnehmen.