Archäologische Prospektion in Augusta Raurica

Im Oktober 2024 konnte in Kooperation mit einem Team der Universität Brno (Tschechien) der Untergrund von Augusta Raurica ohne Bodeneingriffe untersucht werden. Bei der Auswertung der gewonnenen Daten wurde auf historisches Kartenmaterial, Grabungsakten, LiDAR-Daten sowie Luftbilder zurückgegriffen.

Die geophysikalischen Prospektionsmethoden

Geomagnetik
Bei der Magnetik wird das Erdmagnetfeld bzw. durch magnetische Stoffe wie Eisen, Schlacken oder Tonscherben erzeugte Abweichungen davon aufgezeichnet und in einem sogenannten Magnetogramm visualisiert. Mit dieser passiven Prospektionsmethode – vom Messgerät wird kein Impuls ausgesandt, sondern ausschliesslich das vorhandene Magnetfeld aufgezeichnet – können grosse Flächen in sehr kurzer Zeit gemessen werden. Zudem sind Aussagen über das im Boden befindliche Material möglich.

Bodenradar
Das Bodenradar ist ein aktives System, da bei den Messungen Radarwellen in den Boden gesendet werden. An den Schichtgrenzen von unterschiedlichen Materialien wird ein Teil dieser Wellen reflektiert. Das Messgerät zeichnet an der Bodenoberfläche die Stärke der reflektierten Welle und die verstrichene Zeit auf. Beim Abschreiten des Arbeitsgebietes entstehen so vertikale Profile durch den Untergrund. Aus diesen Profilen können mit Spezialsoftware sogenannte Tiefenscheiben des Untergrundes erzeugt werden. Ähnlich wie bei Bildern aus einem Computertomographen kann der Untergrund des Untersuchungsgebietes in unterschiedlichen Schichten, d.h. Tiefen betrachtet werden. Die Möglichkeit, dreidimensionale Ergebnisse zu erhalten, ist neben der im Vergleich zur Magnetik deutlich höheren Auflösung ein wesentlicher Vorteil.

Elektromagnetische Induktionsmessung
Bei der elektromagnetischen Induktionsmessung wird die elektrische Leitfähigkeit des Bodens gemessen, um Anomalien im Untergrund zu identifizieren. Bei dieser Methode wird durch eine Spule ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Dieses primäre Magnetfeld verursacht im Untergrund durch Induktion Wirbelströme. Diese dadurch entstandenen sekundären Magnetfelder werden gemeinsam mit dem primären Magnetfeld von einer Empfangsspule aufgezeichnet. Durch den Vergleich des primären mit dem sekundären Magnetfeld können Strukturen im Untergrund wie z.B. Gruben, Mauern und Gräben festgestellt werden.

Die Ergebnisse
Mithilfe des Bodenradars konnten in der sogenannten Oberstadt einige «weisse Flecken» im Stadtplan gefüllt werden. Mit Magnetik wurden das Areal um das Heiligtum in der Grienmatt, alle um das Amphitheater im Sichelengraben gelegenen Flächen sowie ein Teil der Südwestvorstadt untersucht. Durch die Kombination dieser Ergebnisse mit neuen Erkenntnissen aus Luftbildern konnten Korrekturen am Strassennetzwerk der Römerstadt vorgenommen sowie zahlreiche neue Mauerzüge erfasst werden. Besonders interessant sind die möglichen Entdeckungen von mehreren Kalkbrennöfen, eines neuen Tempelbezirks, neuer Strukturen im Südwestgräberfeld sowie vorrömischer Siedlungsspuren beim Amphitheater.

Es zeigte sich, dass die Kombination von verschiedenen Prospektionsmethoden mit weiteren Informationen besonders gewinnbringend ist. Die in den letzten Jahren geleisteten Arbeiten bei der Integration unzähliger Informationen ins Geografische Informationssystem (GIS) und bei der Erschliessung des Archivs der Römerstadt erleichtern die wissenschaftliche Auswertung ungemein. Ein ausführlicher Bericht zu diesem Projekt wird im nächsten Jahresbericht der Römerstadt Ende dieses Jahrs erscheinen.

Text: Urs Rosemann, Römerstadt Augusta Raurica

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Foto: Caroline Bosshart, Römerstadt Augusta Raurica

Das Team der Universität Brno (Tschechien) bei der Magnetikmessung in der Flur Grienmatt, Augst/BL. Im Hintergrund sind die erhaltenen Reste des Heiligtums zu sehen. 

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Visualisierung: Dávid Šálka, Universität Brno (Tschechien)

Magnetogramm der Flur Grienmatt. Gut sichtbar sind die beiden modernen Leitungen, die über Kreuz durch das Arbeitsgebiet verlaufen. Am rechten Bildrand sind die halbkreisförmig angeordneten möglichen Kalkbrennöfen zu erkennen. 

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Foto: Caroline Bosshart, Römerstadt Augusta Raurica

Michal Vágner von der Universität Brno bei der Messung mit dem Bodenradar in der Flur Schwarzacker, Augst/BL. Im Hintergrund ist das Sammlungszentrum von Augusta Raurica zu sehen. 

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Visualisierung: Michal Vágner, Universität Brno (Tschechien)

Kombination aus Bodenradarprofil und Tiefenscheibe aus der Flur Steinler, Augst/BL. Gut sichtbar sind die Mauern der noch im Boden befindlichen römischen Bebauung sowohl im Profil als auch im Grundriss. 

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Foto: Urs Rosemann, Augusta Raurica

Igor Murín von der Universität Brno bei der elektromagnetischen Induktionsmessung in der Flur Schwarzacker, Augst/BL. Im Hintergrund ist die ehemalige Gärtnerei Wyttenbach zu erkennen. 

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Visualisierung: Igor Murín, Universität Brno (Tschechien)

Visualisierung der Ergebnisse der elektromagnetischen Induktionsmessung im Areal der ehemaligen Gärtnerei Wyttenbach. Am rechten Rand des östlichen Arbeitsgebietes zeichnet sich eine römische Strasse ab (rot). 

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Foto: Simon Vogt, Kantonsarchäologie Zürich

Luftbild der Flur Wallmenacker aus dem Jahr 2025. Römische Mauerzüge und Strassen, ein neuzeitlicher Feldweg, der im Zuge des Autobahnbaus aufgehoben wurde, sowie moderne Leitungen zeichnen sich durch das Getreide ab. 

Bild Legende:
Foto: Simon Vogt, Kantonsarchäologie Zürich

Luftbild der Flur Winkel aus dem Jahr 2004. In direkter Nachbarschaft zum römischen Amphitheater am linken unteren Bildrand sind durch das Getreide verschiedene Gräben und zahlreiche Gruben sichtbar geworden. Worum es sich hierbei genau handelt, muss leider offenbleiben.