«BOTTOM UP – von unten nach oben und dann mitten ins Herz»

Zehn Tage, 200 Kilometer, 33 Jugendliche, zehn Begleitpersonen, drei Begleitfahrzeuge, ein Schulhund und ein Abenteuer, das Spuren hinterliess: Mit dem Projekt «BOTTOM UP – von unten nach oben und dann mitten ins Herz» wagten zwei Niveau A-Klassen der Sekundarschule Frenkendorf eine aussergewöhnliche Reise. Sie wanderten von ihrem Schulhausplatz nach Beatenberg im Berner Oberland. 

Ganz im Sinne ihres pädagogischen Konzepts entstand bei den Lehrpersonen die Idee, ihren Schülerinnen und Schülern mehr als nur Unterricht im Klassenzimmer zu bieten. Denn manches, was dort nicht funktioniert, lässt sich ausserhalb des herkömmlichen Unterrichts vielleicht besser lernen. Dazu gehören Durchhaltewillen und der unerschütterliche Glaube daran, dass man auch hohe Ziele erreichen kann. Voraussetzung dafür sind Engagement und Einsatz. Denn: Erfolg folgt!

Der Mehrwert dieses Projekts sollte darin liegen, dass die Jugendlichen durch echte Erfahrungen, Mut und Ausdauer ein starkes «Wir-Gefühl» entwickeln. Die Botschaft war klar: Mit guter Vorbereitung und Teamgeist lässt sich auch etwas erreichen, das auf den ersten Blick unmöglich erscheint. Der Start direkt vor dem Schulhaus wurde bewusst gewählt und stand symbolisch für den Aufbruch aus dem Schulalltag hinaus ins Leben. Auch das Ziel in Beatenberg war sorgfältig ausgesucht hoch über dem Thunersee, zu einer Bildungsstätte, die das pädagogische Team seit Jahren inspiriert.

Der eigentliche Wanderstart war am 17. Juni 2025, doch das Abenteuer begann bereits zwei Jahre zuvor. Auf der Suche nach Sponsoren organisierten die Klassen beispielsweise eine Ausstellung im Bürgerhaus Frenkendorf, führten ein Kunstkaffee am Dorffest durch, sangen am Weihnachtsfest der Senioren und waren auch sonst vielseitig unterwegs. Sie trainierten auf mehreren kleineren und grösseren Wanderungen, um für die grosse Herausforderung bestens gerüstet zu sein. Alle leisteten ihren Beitrag mit viel Herzblut.

Besonders eindrücklich war die selbstverständliche Inklusion eines Schülers mit Muskeldystrophie. Im Rollstuhl nahm er die Strecke unter die Räder, unterstützt durch sein eigenes Begleitfahrzeug und vor allem durch die tatkräftige Hilfe seiner Mitschülerinnen und Mitschüler. Es war keine Frage, «ob» er mitkommt, sondern nur «wie».

Unterwegs erlebten die Jugendlichen Momente, die unvergesslich bleiben, wie die rührende Verabschiedung durch die Sekundarschule in Frenkendorf, die erste Nacht in einer Turnhalle, das Spalier der Primarschule in Oberdorf, der Blick auf die Alpen, die Begegnung mit einer Schlange und das Bezwingen der Höhenangst auf der Hängebrücke in Sigriswil. Bei der Ankunft in Beatenberg fielen sich 33 Jugendliche und zehn Erwachsene erschöpft, aber überglücklich und voller Stolz in die Arme.

Das Projekt hat alle Erwartungen weit übertroffen. Es zeigte, dass Gemeinschaft stark macht, dass Grenzen verschoben werden können und dass aus Anstrengung und Einsatz echtes Glück entstehen kann. Für viele wird „BOTTOM UP“ weit mehr bleiben als nur eine Wanderung: nämlich ein Stück Lebenskraft, das durch den Alltag begleitet. Die Erinnerungen werden noch lange nachhallen.

Text: Michael Röthlin, Sekundarschule Frenkendorf
Fotos: zVg Sekundarschule Frenkendorf

 

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