«Leichte Sprache» für mehr Klarheit und Teilhabe

«Ich kann KI nutzen, um mir schwierige Wörter erklären zu lassen – aber oft kommt nur ein neues schwieriges Wort». Mit diesem Satz brachte Karin Zingg, Peer-Beraterin und Selbstvertreterin, es auf den Punkt: Verständlichkeit ist keine Selbstverständlichkeit – auch nicht im digitalen Zeitalte

Journalistin und Fachexpertin Andrea Sterchi gestaltete am 24. Juni 2025 im Amt für Kultur gemeinsam mit Karin Zingg, Peer-Beraterin und Selbstvertreterin, einen Workshop zu Leichter Sprache für Kulturschaffende, Mitarbeitende von Kulturinstitutionen sowie interessierte Personen. Eindrücklich zeigten sie den Teilnehmenden, wie Sprache Türen öffnen, aber eben auch verschliessen kann.

Verständlichkeit ist keine Selbstverständlichkeit
Die Leichte Sprache vereinfacht Texte und macht diese leicht verständlich, sie zielt auf klare Aussagen ab, reduziert Unnötiges, erklärt schwierige Wörter und illustriert abstrakte Sachverhalte mit Beispielen. Zudem wird in der Leichten Sprache viel Wert auf eine verständliche Inhaltsstruktur und ein übersichtliches Layout gelegt. Die beiden Referentinnen reflektierten über den Nutzen und die Wirkung Leichter Sprache - persönlich und nah an der Realität vieler Menschen.  

Leichte Sprache bedeutet nicht, Inhalte zu vereinfachen, sondern sprachliche Zugänge klar und bewusst zu gestalten. Sterchi und Zingg demonstrierten eindrücklich, wie schwierig es sein kann, komplexe Texte zu verstehen – etwa bei politischen Abstimmungen oder auf Webseiten. Auch künstliche Intelligenz helfe oft nur bedingt weiter: «Dann bin ich häufig wieder gleich weit», brachte es Zingg augenzwinkernd auf den Punkt.

Verständlichkeit entsteht im Dialog
Andrea Sterchi griff auch auf die Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zurück und zeigte praxisnah, wie inklusive Kommunikation gelingen kann – nicht als Einzelarbeit am Schreibtisch, sondern im Austausch mit den Menschen, die man erreichen will. Besonders wichtig sei, Texte nicht nur für, sondern mit Menschen mit Behinderung zu entwickeln. Die Workshopteilnehmenden wurden in Übungen zum Perspektivenwechsel animiert. Eine Simulation von Leseerschwernissen machte deutlich, wie schnell Sprache zur Barriere werden und wie befreiend verständliche Formulierungen wirken können.

Leichte Sprache - ein Gewinn für alle
Die Teilnehmenden lernten im Workshop grundlegende Regeln und hilfreiche Tools kennen – und nahmen Aha-Erlebnisse und Impulse mit in ihre Praxis. Leichte Sprache hilft nicht nur Menschen mit kognitiven Behinderungen, sondern auch Menschen mit anderer Erstsprache, geringer Lesekompetenz oder wenig Zeit.

Der Workshop zeigte eindrucksvoll: Leichte Sprache ist kein Extra für Wenige, sondern ein Schritt hin zu mehr Verständlichkeit, Inklusion und demokratischer Teilhabe.

Die Starterkits des Amts für Kultur
Die Workshop-Reihe ist Teil der kantonalen Inklusionsmassnahmen und richtet sich an eigene und vom Kanton Basel-Landschaft subventionierte Kulturinstitutionen sowie Kulturschaffende mit und ohne Behinderungen. Sie bietet Raum für Austausch, Weiterbildung und die gemeinsame Entwicklung inklusiver Praxis.

Text und Fotos: Claudia Puzik, Amt für Kultur


Zu den Referentinnen:

Karin Zingg, Peer-Beraterin und Co-Forscherin in inklusiven Projekten, berichtete von ihrer Arbeit in partizipativen Forschungsprojekten wie SEGEL und ihrer Tätigkeit als Reporterin bei infoeasy. Als Selbstvertreterin zeigte sie eindrucksvoll, wie wichtig es ist, Texte in Leichter Sprache gemeinsam mit Betroffenen zu entwickeln.

Andrea Sterchi, Journalistin und Mitgründerin der Nachrichtenplattform infoeasy, stellte zentrale Prinzipien der Leichten und Einfachen Sprache vor. In ihrer Arbeit mit Behörden, Unternehmen und Institutionen begleitet sie den gesamten Prozess von der Übersetzung bis zur Umsetzung inklusiver Kommunikationsstrategien.


 Weiterführende Materialien und Links:

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