Mittendrin: Wie das Römerfest 2025 Inklusion erlebbar machte
Wenn Legionäre in glänzender Rüstung aufmarschieren und antikes Handwerk die Sinne belebt, wird Geschichte greifbar. Für eine Gruppe der Institution Insieme wurde das diesjährige Römerfest jedoch zu weit mehr als einer Reise in die Vergangenheit. Es war der Beweis, dass Inklusion und kulturelles Erleben Hand in Hand gehen können: nicht als Pflichtübung, sondern als gelebte Selbstverständlichkeit.
Zwölf Menschen zwischen dreissig und achtzig Jahren, begleitet von der Leiterin Claudia Glaser und vier Helferinnen und Helfern machten sich vom Bahnhof in Basel auf nach Augusta Raurica, um das Römerfest zu erleben.
Vor Ort erwartete sie Nicole Klemens, die vom Museum gestellte Führerin. Mit einer Mischung aus profundem Sachwissen, Witz und Empathie navigierte sie mit den Helfenden die Gruppe umsichtig durch das weitläufige Areal. Nebenbei erklärte sie viel Wissenswertes, wie zum Beispiel, dass damals die Leinenstoffe mit Ringelblumensud gelb eingefärbt wurden.
Der Schlüssel zur Teilhabe: Ein Plan und ein offenes Herz
Nicole Klemens sorgte für barrierefreie Wege und reservierte Plätze im Theater. Als die Gruppe im Festzelt bei «römischen» Pommes am Tisch sass, während draussen ein heftiger Regenschauer niederprasselte, kommentierte Markus schmunzelnd: «Das war ein Service, der uns den Tag gerettet hat.» Es sind diese Details, die aus einem einfachen Besuch ein echtes Erlebnis machen.
Geschichte, die alle erreicht
Auf dem ehemaligen Forum, dem einstigen Herzen der Römerstadt, liessen Stände mit Glasbläserei, Münzprägung, Schuhmacherei und vielerlei mehr einen bunten Marktplatz entstehen. Nicole Klemens‘ Erklärungen halfen dabei, sich das einstige Treiben und Leben vorzustellen.
Der emotionale Höhepunkt war das Theater. Dank der Plätze ganz oben, geeignet auch für die Rollstühle, erlebte die Gruppe den Einmarsch der Legionen aus allen Ländern und die Schaukämpfe der Gladiatoren mit guter Sicht. Es war dieser Moment, der für Rita den Unterschied machte: «So fühlt man sich wirklich mittendrin!», schwärmte sie. Ein Satz, der die Mission des Tages auf den Punkt bringt.
Begleitet wurde das Schauspiel von Tanzeinlagen römischer Tänzerinnen aus Italien: Neun Frauen in leuchtend roten Tuniken traten immer wieder zwischen den Vorführungen der Gladiatoren auf. Mit anmutigen Bewegungen, rhythmischem Tanz und dem Klang der Tamburine verliehen sie der Inszenierung eine zusätzliche kulturelle Tiefe und einen festlichen Glanz.
Ein Fest, das in die Zukunft weist
Der Nachmittag zeigte eindrücklich, wie physische und soziale Barrieren schwinden, wenn das Miteinander im Vordergrund steht. Jüngere und Ältere, Menschen mit Behinderungen und ohne teilten dieselben Eindrücke: das Staunen über die Handwerkskunst, das gemeinsame Essen, das Lachen über den Regen.
Als die Gruppe erfüllt und müde den Heimweg antrat, hatte das Römerfest mehr als nur die Antike wiederbelebt. Es hat gezeigt, wie eine offene Gemeinschaft funktioniert und damit den Blick in eine Zukunft gerichtet, in der echte Teilhabe eine Realität ist. Diese Ansätze zeigen, dass ein inklusives kulturelles Erlebnis sowohl bereichernd als auch umsetzbar ist.
Text: Urs Reimer, Reporter ohne Barrieren
Fotos: zVg Römerstadt Augusta Raurica
Reporter:innen ohne Barrieren
Reporter:innen ohne Barrieren (RoB) ist ein Verein, der Menschen mit Behinderungen zu Journalist:innen ausbildet, um ihre Perspektiven und Stimmen in den Medien und der Gesellschaft sichtbarer zu machen. RoB schult die Teilnehmer:innen in journalistischen Kompetenzen, unterstützt sie bei der Erstellung von Beiträgen und fördert so den Abbau von Vorurteilen, die Schaffung eines inklusiven Diskurses und die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.