Über Grenzen hinweg: Ein Austauschprojekt erweitert Horizonte
Ein Austauschprojekt zwischen der Schweiz und Japan – das klingt nach weiter Reise, kulturellen Unterschieden und viel Neugier. Doch hinter diesen Besuchen steckt weit mehr: Für die Jugendlichen beider Länder eröffnet sich eine Welt des Lernens, Verstehens und Wachsens.
Im Sommer 2023 reisten zehn japanische Jugendliche mit zwei Begleitpersonen in die Schweiz. Ein Jahr später folgte der Gegenbesuch von zehn Sekundarschülerinnen und -schülern aus dem Kanton Basel-Landschaft nach Japan. Organisiert wurde der Austausch vom Verein «Jugendaustausch Schweiz-Japan», unterstützt durch Fördergelder der nationalen Agentur Movetia. Die Projekte erlauben Jugendlichen, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich auf neue Menschen, Perspektiven und Kulturen einzulassen.
Während der Aufenthalte wohnten die Jugendlichen in Gastfamilien, besuchten Schulen und unternahmen Exkursionen mit einem thematischen Fokus auf Energie und Nachhaltigkeit. So standen im Baselbiet Besuche bei Primeo Energie und dem Kraftwerk Birsfelden auf dem Programm; in Japan etwa der Hiroshima-Gedenkpark und eine moderne Wasseraufbereitungsanlage.
Gerade im Schulalltag wurden Unterschiede sichtbar: In Japan sind die Klassen mit bis zu 40 Lernenden pro Klasse viel grösser. Die Schülerinnen und Schüler tragen Schuluniformen, bleiben den ganzen Tag in der Schule und essen gemeinsam im Klassenzimmer ein von der Schule gekochtes Mittagessen. «Wir haben alle zusammen Reis, Gemüse und Fisch gegessen, oft begleitet von Suppe und Früchten. Diese gemeinsame Zeit war eine tolle Gelegenheit, mehr über meine Mitschülerinnen und Mitschüler und ihren Alltag zu erfahren», erzählt Ursula Schenkenberger aus Liestal. Auch Begrüssungsrituale beeindruckten die Schweizer Jugendlichen. Vor und nach dem Unterricht verbeugen sich die Klassen vor der Lehrperson. «Ich stand einfach mit allen auf und verbeugte mich – ohne genau zu wissen, was es bedeutet», so Gauthier Dominé aus Laufen.
Die japanischen Schulen bieten zudem ein breites Fächerangebot – inklusive traditioneller Disziplinen wie Kalligraphie. Besonders auffällig war auch der Sportunterricht: «Die synchronen Aufwärmübungen mit lautem Zählen waren sehr beeindruckend», erinnert sich Amelie Fox aus Laufen.
Trotz der Hitze und Luftfeuchtigkeit, die für die Schweizer Jugendlichen ungewohnt war, überstanden alle das Abenteuer gut – nicht zuletzt dank Klimaanlagen in allen Gebäuden und einer kommunikativen Mischung aus Englisch, Händen und Füssen.
Doch was nehmen die Jugendlichen aus diesen zwei Wochen mit? «Dass ich mit 14 alleine ohne Eltern nach Japan geflogen bin – das wird mir niemand nehmen können», meint Jaël Chrétien aus Liestal stolz. Viele berichten von neu gewonnenen Freundschaften, tieferen Einblicken in eine andere Lebensweise und kleinen Erkenntnissen mit grosser Wirkung: «Ein japanischer Mitschüler zeigte mir eine Studie, die besagt, dass man in der ersten Reihe im Klassenzimmer besser lernt», erzählt Gauthier Dominé.
Für Lehrpersonen, Familien und die Schulen in beiden Ländern bleibt der Austausch ebenfalls nachhaltig spürbar. Eine Austauschfamilie aus dem Baselbiet plant bereits Ferien in Japan – inklusive Wiedersehen mit ihrer Gastfamilie. Und ein japanischer Schüler wurde von seinem Baselbieter Schulleiter spontan zum Aikido-Training eingeladen – eine Geste, die viel über Offenheit und Gastfreundschaft aussagt.
Doch solche Austausche sind mit einem grossen Aufwand verbunden und brauchen Engagement: Schulen, die den Mehrwert erkennen, ein erfahrener Verein, der sorgfältig auswählt und organisiert, und mutige Jugendliche, die bereit sind, sich auf ein Abenteuer einzulassen. Der Nutzen ist vielschichtig: Verbesserung der Englischkenntnisse, interkulturelle Kompetenz und persönliche Reifung – genau jene überfachlichen Kompetenzen, die auch der Lehrplan auf Sekundarstufe vorsieht.
Für einige war dieser Austausch vielleicht nur ein Anfang. «Die Erfahrung hat mich tief geprägt. Ich freue mich schon jetzt auf den Tag, an dem ich wieder nach Japan reisen kann», sagt Till Hartwig aus Reinach. Und vielleicht ist genau das das grösste Geschenk solcher Programme: die Tür zu einer grösseren Welt.
Text: Julia Weilenmann, Amt für Volksschulen
Fotos: Verein Jugendaustausch Schweiz-Japan
Weitere Informationen:
Austausch Basel-Landschaft
Movetia – nationale Agentur für Förderung von Austausch und Mobilität