Der Archivschatz von Augusta Raurica
Im neuen Sammlungszentrum Augusta Raurica liegt ein wahrer Schatz an Dokumentationen zur römischen Colonia. Seit den 1930er Jahren wurden in Augusta Raurica rund 400 Laufmeter Akten, 460’000 Fotos, 10’000 Pläne sowie 25 Terabytes Daten produziert und gesammelt. Sie zeugen von den amtlichen, archäologischen und musealen Arbeit in Augusta Raurica. Nun sollen alle schriftlichen und audiovisuellen Dokumente zur Römerstadt erschlossen und einem breiten Kreis von Nutzerinnen und Nutzer zugänglich gemacht werden.
Das Archiv von Augusta Raurica befasst sich mit Sicherung, Erschliessung, Erhalt und Bereitstellung der digitalen und analogen Dokumente, die bei verschiedenen Arbeiten und Aufgaben der Hauptabteilung entstanden oder entstehen. Ein neues Archivkonzept regelt den Umgang mit diesem wertvollen Wissensfundus und schafft so eine fundierte Zukunftsperspektive für Forschung und Vermittlung in Augusta Raurica.
Im Archiv von Augusta Raurica werden die Primärquellen zur Archäologie der römischen Kolonialstadt, die Dokumentation zur museologischen Forschung und zur Museumstätigkeit des Freilichtmuseums sowie die Verwaltungsakten der Hauptabteilung des Kantons Basel-Landschaft gesammelt. Das Archivgut von Augusta Raurica hat einen besonderen Stellenwert: neben den Fundobjekten ist es das einzige Zeugnis der Ausgrabungen. Es umfasst die verschiedenen Befunde und Funde am Ausgrabungsort, dokumentiert schriftlich den Verlauf einer Untersuchung und hält die Vor- und Nachbereitung einer Ausgrabung fest. Somit ist die Sicherung des Archivguts von Augusta Raurica von enormen Wert für die archäologischen Wissenschaften.
Seit 2022 läuft ein mehrjähriges Projekt zur inhaltlichen Erschliessung der vielfältigen analogen und digitalen Archivbestände von Augusta Raurica. Dabei werden die Archivalien bewertet, digitalisiert und ins Ordnungssystem integriert. Die Erschliessung und Digitalisierung der Archivalien zieht viele Entzifferungsarbeiten, Nachforschungen, Vergleiche und Entscheidungen mit sich und erfordert Fachwissen und Flexibilität in den Arbeitsprozessen. Dank dem professionellen Scanner im Sammlungszentrum kann das Archivteam verschiedene Formate und Materialien gleichzeitig digitalisieren und die Abläufe jederzeit den Dokumenten anpassen. Bisher wurden bereits über 26’000 Fotos und Grabungsdokumentationen inhaltlich aufgearbeitet und digital erschlossen.
Die Digitalisierung der Archivalien sorgt für einen besseren Schutz und eine grössere Zugänglichkeit. Dennoch werden die Originale weiterhin aufbewahrt. Da die Bestände nur in einem stabilen, kühlen Klima die Zeit überdauern können, wurden die neuen Archivräume des Sammlungszentrums mit Temperatur- und Luftentfeuchtungsgeräten ausgestattet. Zum Schutz vor Schädigung durch Feuer, Wasser und Verschmutzung werden zudem bis Ende 2023 sämtliche Objekte in archivbeständige Umschläge und Schachteln umgepackt.
Auch der Archivschatz von Augusta Raurica ist Kulturgut und gehört der Öffentlichkeit.
Für erfolgreiche Recherchen in den Datenbeständen braucht es eine systematische Datenverwaltung und geeignete Suchprozesse. Für die Erfassung der archäologischen Dokumentationen ist in Augusta Raurica die Datenbank Imdas Pro, für die Verwaltung der räumlichen Daten ein Geoinformationssystem im Einsatz. Die Datensysteme werden vom Archivteam stetig erweitert und verbessert. Archivbestände, die nicht in einer Datenbank aufgenommen werden, sind dennoch in der Serverstruktur auffindbar. Die laufende Bereinigung der Datenbestände ist Voraussetzung für eine intuitive und personenunabhängige Recherche. Damit verfolgt Augusta Raurica langfristig das Ziel, seine spannenden Archivalien und die darin enthaltenen Informationen einem möglichst breiten Kreis von Nutzerinnen und Nutzern einfach zugänglich zu machen.
Fotos und Text: Céline Zaugg