20 Jahre Schulsozialarbeit an den Sekundarschulen

Seit 20 Jahren setzen Schulsozialarbeitende engagiert den Schulsozialdienst an den 17 Sekundarschulstandorten im Kanton Basel-Landschaft um. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Gespräch mit Schulsozialarbeiterin Sabrina Forni und Schulleiter Simon Schweizer von der Sekundarschule Muttenz.

Sabrina, wie sieht ein gewöhnlicher und wie ein aussergewöhnlicher Arbeitstag aus?
Sabrina:
Die gewöhnlichen Tage als Schulsozialarbeiterin sind gefüllt mit Einzelgesprächen mit Jugendlichen, mit Klassenbesuchen, mit Elterngesprächen, mit Anfragen von Lehrpersonen oder der Schulleitung und allem, was sonst noch anfällt. Aussergewöhnlich ist ein Tag, wenn es einen Notfall gibt. Dann muss ich alles stehen und liegen lassen.

Simon, in welchen Situationen suchst Du die Zusammenarbeit mit Sabrina oder sie mit Dir?
Simon: Wir haben einen wöchentlichen Austausch. Darin besprechen wir, welche Themen aktuell sind und wer, wo, in welcher Form gefordert ist im Sinne von Unterstützung und Einschätzung. Wenn ich Fragen habe zum Sozialen, dann gehe ich auf Sabrina zu. Umgekehrt kommt sie zu mir, wenn es Fragen aus dem schulischen Betrieb gibt.

Bereits seit einigen Jahren leidet die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. Eltern, Schule und Hilfssysteme sind stark gefordert. Wie wirkt sich das auf eure Arbeit und Kooperation aus?
Simon: Wir stellen eine Intensivierung allgemein aber auch in der Zusammenarbeit und beim Ansteigen der Fälle fest. Das hat einerseits zu einer verbesserten Kommunikation zwischen uns und zwischen allen Kooperationspartnerinnen und –partnern geführt. Andererseits bedeutet dies mehr Elterngespräche und Fachrunden.

Sabrina: Auf die Arbeit wirkt es sich so aus, dass die Belastung konstant hoch ist –  manchmal auch zu hoch. Das bereitet uns Sorge. Auch hat die Komplexität der Fälle zugenommen und die Dauer der Beratungsgespräche hat sich verlängert. Die Kooperation ist dadurch noch wichtiger geworden – auch im Sinne von gegenseitiger Unterstützung.

Simon, woran erkennst Du, ob die Schulsozialarbeit aktiv war?
Simon:
In der Regel wird die Schulleitung früh einbezogen, oder wir beziehen die Schulsozialarbeit selbst ein. Wir nehmen deshalb Veränderungen und Wirkung ständig wahr. Wenn es uns gelingt, mit einer jugendlichen Person einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen, dann ist das so, weil zum einen die Schulsozialarbeit aktiv ist, und zum anderen, weil wir gemeinsam als Team aktiv sind.

Sabrina, welche Wirkung nimmst Du wahr? Wo stösst deine Arbeit an Grenzen?
Sabrina:
Ich bin niederschwellig und schnell ansprechbar für die Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen. Nach einem Gespräch gibt es häufig eine erste Entspannung der Situation. Oft versuche ich, zwischen Parteien zu vermitteln und Übersetzungsarbeit zu leisten – also zwischen Eltern und Jugendlichen, Jugendlichen und Lehrpersonen, Lehrpersonen und Eltern. Da sehe ich unmittelbar Wirkung. Und manchmal geht es um die Stärkung von einzelnen Menschen. Sie gehen hier raus und sind gefühlt wieder um ein paar Zentimeter gewachsen. Grenzen sind, wenn es keine Kooperation gibt oder ich nicht triagieren kann, weil die geeignete Fachstelle keinen Platz hat.

Welche Bilanz zieht ihr nach 20 Jahren Schulsozialdienst?
Sabrina:
Ich bin seit fast zehn Jahren dabei. Schulsozialarbeit ist etabliert und ein wichtiger Teil der Schule. Offensichtlich besteht grosser Bedarf. Das Angebot wird genutzt, die Agenden sind voll, die Jugendlichen kommen. Wir sind ein wichtiger Kooperationspartner geworden.

Simon: Das kann ich nur bestätigen. Ich arbeite seit knapp 30 Jahren auf der Sekundarstufe I in diesem Kanton. Nach dem Funktionswechsel in die Schulleitung wurde mir noch stärker bewusst, wie wichtig das Angebot der Schulsozialarbeit ist. Wie es sich positiv entwickelt hat, wie es professioneller und umfassender geworden ist und wie die Stelle eine wichtige Bedeutung in- und ausserhalb der Schule bekommen hat. Einen Ausbau der Ressourcen erachte ich aufgrund des kontinuierlich zunehmenden Bedarfs als zwingend notwendig.

Text: David Stalder, Amt für Kind, Jugend und Behindertenangebote
Bild: David Stalder

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Sabrina Forni und Simon Schweizer im Gespräch