Brücken gebaut, Wege geebnet – im Gespräch mit Barbara Boos
Barbara Boos geht am 31. Dezember nach gut 6 Jahren als Leiterin der Koordinationsstelle Brückenangebote frühzeitig in Pension. Aufgrund der Neupositionierung der Brückenangebote per 1. August 2020 hat sie diese Stelle ganz neu ausgerichtet. Zum Abschied blickt sie auf ihre Zeit in der BMH zurück.
Ende Jahr gehst du in Pension. Erzählst du uns von deiner Zeit als Leiterin der Koordinationsstelle Brückenangebote?
Am wichtigsten war mir immer mein Team. Zu Beginn waren wir zu zweit, seit zwei Jahren sind wir nun ein ausserordentlich gut funktionierendes Dreierteam. Ein grosser Meilenstein war die Digitalisierung. Bevor ich diese Stelle antrat, wurden die jährlich rund 800 Bewerbungen für ein Brückenangebot noch von Hand bearbeitet. Mit einer IT-Firma zusammen bauten wir ein digitales Bewerbungstool und arbeiten nun papierlos.
Welches ist die grösste Herausforderung?
Das sind geflüchtete Menschen, speziell Jugendliche aus der Ukraine sowie unbegleitete minderjährige Asylsuchende, die in unsere Gesellschaft integriert werden sollten. Einige sind nicht oder kaum alphabetisiert. Andere sind schulisch weit, aber mangels Deutschkenntnissen ist eine berufliche Grundbildung trotzdem nicht realistisch. Für dieser Zielgruppe hat unser Kanton zwar ein Angebot entwickelt: das Integrationsangebot zur Vorbereitung auf die Sekundarstufe II (IAV Sek II). Trotzdem gibt es nicht für alle etwas Passendes.
Was behältst du in guter Erinnerung?
Dankbar bin ich für die Akzeptanz seitens der Sekundarschulen. Zu Beginn gab es Lehrpersonen, die skeptisch waren und den Paradigmenwechsel von der damaligen Anmeldung hin zur Bewerbung für ein Brückenangebot nicht goutierten. Heute ist das Verständnis gross, und die Prozesse sind etabliert. Die Zusammenarbeit ist erfreulich.
Es gab doch sicher auch Nerviges, oder?
Wir sind ein HarmoS-Kanton. Die obligatorische Schulzeit dauert elf Jahre. Wenn Lehrpersonen von ihren «9.-Klässlern» reden und dann erst noch vom «10. Schuljahr», dann muss ich intervenieren. Meine Aufklärung erleben auch Eltern, die nach dem «10. Schuljahr» fragen, obwohl wir das Wort «Schule» in jeglicher Form meiden. Brückenangebote bereiten auf berufliche Grundbildungen vor und sind per Gesetz kein weiteres Schuljahr. Dazu eine Anekdote: Ein Jugendlicher brachte uns zum Schmunzeln. Er schrieb, es reiche auch mal mit Schule, er wolle lieber weiter eine Lehrstelle suchen und wir sollten ihn bitte nicht nehmen. Er wurde in einen Vorkurs zugelassen und in diesem kombinierten Brückenangebot optimal vorbereitet auf seine Lehrstelle.
Was möchtest du deiner Nachfolgerin Stefanie Stricker mitgeben?
Kein Tag ist wie der andere. Nicht selten muss Geplantes zurückgestellt werden zugunsten von Unerwartetem und Überraschendem. An Abwechslung wird es nie mangeln.
In wenigen Wochen wirst du im wohlverdienten Ruhestand sein. Verrätst du uns, was du mit deiner Zeit anstellst?
Mein bisheriges Leben war durch die Erwerbsarbeit strukturiert. Diese Strukturen fallen weg. Zusammen mit meinem Lebenspartner haben wir bewusst entschieden, im Voraus keine Pläne zu schmieden. Wir wollen uns überraschen lassen vom Leben, wollen schauen, was es mit sich bringt. Ich hoffe, der nächste Lebensabschnitt bietet mir die Möglichkeit, neue Facetten an mir zu entdecken, die bisher nicht gelebt werden konnten. Darauf freue ich mich.
Für den neuen Lebensabschnitt wünschen wir von Herzen alles Gute!