Siedlungsentwicklung
Die frühsten Siedlungsfunde stammen aus der älteren Eisenzeit und kommen aus dem Gebiet Geispitz (Koordinaten 626,1 / 262, LK 1068). Im Jahre 1933 wurden hier Speiseabfälle, Knochen und Scherben von flachen Schüsseln gefunden. Die Funde wurden der älteren Hallstattzeit 800 - 450 v.Ch. zugeordnet. Typologisch bewertete man die Siedlung als eine Höhensiedlung. In der neusten mir zugänglichen Literatur (Tatort Vergangenheit,1998, Kartierung s.406) wird auf die Möglichkeit einer Flachlandsiedlung verwiesen, persönlich bezweifle ich aber aufgrund der Fundortskoordinaten diese Version; der Geispitz ist ein Höhenrücken. Die Quellenlage ist überhaupt mager.
Aus keltischer Zeit (nach neuster Forschung für die Region das 2. und 1. Jh. v.Chr.) liegt nichts vor, dafür gibt es aus römischer Zeit Funde, die auf mehrere Wohnhäuser im Gemeindegebiet von Arisdorf hindeuten. So wurde 1968 in der Langmatt auf den Koordinaten 624,88 / 260,83 mitten auf der Wiese eine rund 5 Meter lange Trümmerschicht aus römischen Ziegeln gefunden (J. Ewald, Fundbericht, SGU 1974/75,s.184). Auch bei Seiglisten kamen in 80 cm Tiefe römische Ziegel zum Vorschein (623,35/262,2) ebenso im Gebiet Blauenrain beim Marchbel, dort fand man sogar Glasscherben (625,65/262) - eine Villa wird angenommen. Weitere vielleicht aus dem Römerzeitalter stammende Funde sind noch unklar in ihrer Datierung.
Sehr wichtige Funde aus dem Frühmittelalter sind die alemannischen Steinkistengräber mit Skeletten, die sowohl an der Ringstr. 67 als auch im Gebiet Häglerstrasse (624,71/262,03) entdeckt wurden. Möglicherweise war Arisdorf nach der Römerzeit für eine Zeitspanne von maximal 2-3 Jahrhunderten unbesiedelt. Sicher fand die alemannische Neubesiedlung an neuen Standorten statt und nicht bei den römischen Überresten. Ob es von Anfang an drei Siedlungskerne waren - oder ob sich diese erst im Verlaufe des frühen Mittelalters bildeten, muss beim momentanen Wissenstand noch offen bleiben.
Die erste Erwähnung der mittelalterlichen Dorfsiedlung erscheint 1142 unter dem Namen Arnolstorf in einer bischöflichen Urkunde. Auch weitere Urkunden (1254, 1265, 1269 etc.) sind schriftliche Quellen über Arisdorf. Am 29.04.1342 wird Arisdorf (Arnstorf) zum Beispiel als Dorfsiedlung mit "hölzern und gütern" erwähnt. Von der mittelalterlichen Bausubstanz ist ausser den Überresten eines möglichen Meyerhauses im Schöffletenboden (625,614/261,157) nichts mehr sichtbar, die heute sichtbare Bausubstanz stammt aus der Neuzeit. Dies deshalb, weil die Alemannen ihre Häuser in der Regel ausschliesslich aus Holz errichteten.
Die ursprüngliche kleine Kirche ‚zum heiligen Kreuz' (1246 erstmals erwähnt) war bis 1595 kirchliches Zentrum. Sie verschwand im 17.Jh. - übrig geblieben ist der Name Chrüz. An deren Stelle trat 1595 die weithin sichtbare heutige Dorfkirche. Die Tatsache, dass sowohl die erste Kirche als auch das mutmassliche Meyerhaus im 13. Jh. für den Raum Oberdorf belegt sind, spricht für ein frühes Siedlungszentrum an diesem Standort. Andrerseits wurden schon 1267 das Mitteldorf und Unterdorf namentlich genannt. Selbst die Steinkistengräber, wahrscheinlich aus dem 7.Jahrhundert, im Mitteldorf müssen nicht zwingend heissen, dass dort das frühe Siedlungszentrum war. Vielleicht geben neue Funde oder Literaturquellen Hinweise auf die Anfänge des Dorfes.
1609 zerstörte ein Dorfbrand Teile des Dorfes. Ab dem 17. Jh. erweiterten sich die Siedlungskerne nur unwesentlich. Allmählich verschwanden aber die strohbedeckten Häuser und machten ziegelbedachten Platz (16. -17.Jh.), dies auch als Brandprophylaxe. Als einziger Bau des 17. Jahrhunderts ist das Pfarrhaus relativ authentisch erhalten - es ist ein ländlicher Barockbau aus dem Jahre 1684. Sein Dachstuhl wurde auf dem Münsterplatz in Basel gezimmert.
Im 16. und 17. Jahrhundert erscheint Arisdorf auf allen Karten als ein stattliches Dorf mit drei ausgeprägten Siedlungskernen. In einer Quelle von 1532 sind diese drei Kerne als "drü dorffer Ober- , Mittel- und Nideraristorff" benannt. Als einziger Aussenhof soll bereits im 16. Jh. (Quelle Landschaftsplan, aber nach den Angaben in der Broschüre Felderregulierung im 18.Jh.,) der ‚Pechhof', später Bächhof, entstanden sein. Er steht unter Denkmalschutz. Erst nach den landwirtschaftlichen Reformen im 18. Jahrhundert konnten weitere Einzelhöfe ausserhalb der Dorfkerne entstehen: zunächst noch im 18.Jh. Blauenrain und Holden. Höfe des 19. Jahrhunderts sind Egghof, Gründen, Hausi, Homberg, Maiacher, Mühlacher, Rüti, Weid und Weiheren.
Dann blieb es um das Dorf herum während fast 100 Jahren ruhig. Aber während und nach der Felderregulierung von 1957 - 1982 kamen 6 neue Einzelhöfe hinzu. Heute zählt Arisdorf rund 20 Einzelhöfe im Landwirtschaftsgebiet. Im Dorf selber war der zweigeschossige klassizistische Schulhausbau (1829) wohl der wichtigste Einzelbau des 19. Jh., es entstanden aber auch eine ganze Reihe von Bauernhäuser neu oder wurden umgebaut. Ebenso erlebte die 1595 erbaute Kirche um 1848 einen Umbau - anstelle des Dachreiters trat der heute bestehende Frontturm. Darin verborgen ist das erste dreistimmige Geläute vom Kanton BL