97/113; Bericht zur Wirtschaftslage; Teil 3
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| 3 Besondere Aspekte der neunziger Jahre 3.1 Der Strukturwandel Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind einerseits vom Strukturwandel besonders stark betroffen. Andererseits bedeuten sie das Rückgrat der Wirtschaft, und sie sind es auch, welche die Wirtschaft erneuern: Neugründungen starten meist als Kleinstfirmen und entwickeln sich bei angemessenem Erfolg zum KMU. Was sind nun die Gründe für den Strukturwandel in unserer Region? Es werden speziell folgende Faktoren dafür verantwortlich gemacht: - die Öffnung der Märkte im Osten - die rasche Expansion der asiatischen Volkswirtschaften - die Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie - der Abbau von Handelsschranken Bezogen auf die beiden ersten Faktoren ist festzustellen, dass sich dadurch einerseits neue oder grössere Chancen im Export eröffnen, weil aus den neuen Märkten 31/2 Milliarden potentielle Kunden zu erwarten sind. Andererseits entsteht uns daraus auch neue Konkurrenz um Märkte und Arbeit, und dies zu einem wesentlich tieferen Lohnniveau. Die Folgen dieses Strukturwandels sind: - Der Wettbewerb ist viel härter geworden, nicht nur unter Firmen, sondern auch unter Standorten. - Es gibt zunehmend eine globale Arbeitsteilung. Die alten Industrieländer müssen sich konzentrieren auf Spezialitäten, auf Innovation, auf Produkte mit hoher Wertschöpfung und auf entsprechende Produktionstechnologien. - Höhere Spezialisierung erfordert höhere Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und führt zu besseren Chancen für Hochqualifizierte, während die Aussichten für weniger qualifiziertes Personal schlechter werden. - Die Verschiebung der Wachstumsdynamik nach Asien ist oft mit einer Stagnation am heimischen Standort verbunden, weil Verlagerungen zu Arbeitsplatzverlusten und damit auch zu Investitionsrückgängen in der Region führen. - Grossfirmen verlagern besonders Produktionsarbeitsplätze in die neuen Märkte. Aber es wird heute auch mehr als die Hälfte der Aufwendungen von Schweizer Firmen für Forschung und Entwicklung im Ausland erbracht. Dies hat für die ansässigen KMU eine gewisse Abkoppelung von neuen Entwicklungen zur Folge. - Die öffentliche Hand spart; gleichzeitig hat sich die Konkurrenzsituation wegen der Öffnung des Marktes verschärft. In diesem Strukurwandel gibt es aber durchaus auch Chancen für die KMU. Sie liegen laut der neuesten Regio-Wirtschaftsstudie vor allem im Bereich der Spezialisierung und höherer Wertschöpfung. Spezialisierung erfordert eine Nischenstrategie; diese kann auf vielfältige Weise verfolgt werden: - Die Produktenische bringt ein Produkt hervor, das die Kundenbedürfnisse besser erfüllt als andere. - Die Qualitätsnische arbeitet nicht nur mit der höchsten, sondern auch mit der richtigen Qualität. - Die Logistiknische spielt in unsern Zeiten von „just in time" eine wichtige Rolle. - Die Servicenische weist heutzutage am meisten Potentiale auf. Auch die geographische Marktausweitung wird von vielen KMU erfolgreich gesucht. Eine Expansion in Märkte der grenznahen Regionen hat für etliche KMU unserer Region heute eine zunehmende Bedeutung. Chancen sind also durchaus vorhanden, es wird aber relativ lange dauern, bis sich messbare Effekte auf dem Arbeitsmarkt niederschlagen werden. Inzwischen ist das Augenmerk auf gute Bedingungen für die kleinen und mittleren Unternehmen zu richten. Es geht dabei nicht zwangsläufig um Steuererleichterungen. Unterstützung beim Technologietransfer oder Zurverfügungstellung von Risikokapital, Zugang zu öffentlichen Forschungsgeldern und zeitgemässe Führungs- und Weiterbildungsangebote sind für die KMU problemangemessener.
3.2.1 Aktuelle Situation und Entwicklung seit 1985 Seit 1990 hat die Arbeitslosigkeit in der ganzen Schweiz stark zugenommen. Nach einem Rückgang Mitte 1995 waren Ende Dezember 1996 gesamtschweizerisch 192’171 Personen als arbeitslos erfasst. Die Arbeitslosenquote lag gesamtschweizerisch bei 5,3 Prozent. Auch im Kanton Baselland (seit 1. Januar 1994 in der Statistik immer inkl. Bezirk Laufen) stieg die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen bis Ende April 1997 auf 5’173 Personen an. Mit 3,9 Prozent lag die Arbeitslosenquote (ALQ) damit im Kanton Basel-Landschaft gegenüber dem schweizerischen Durchschnitt deutlich tiefer. Die Zahl der offenen Stellen betrug demgegenüber lediglich 434. Rund ein Viertel der Baselbieter Arbeitslosen sind länger als ein Jahr ohne Arbeit (sogenannte Langzeitarbeitslose).
Die Abbildung zeigt den Verlauf der Arbeitslosenquote im Kanton Basel-Landschaft und in der Schweiz. Es fällt auf, dass die Arbeitslosigkeit im Kanton Basel-Landschaft grundsätzlich durch die gleichen Bewegungen gekennzeichnet ist, wie jene in der gesamten Schweiz. Bemerkenswert aber ist, dass noch bis 1991, d.h. bis zum Beginn der jüngsten Rezession, die Arbeitslosenquote in Baselland praktisch durchwegs leicht über der gesamtschweizerischen lag, während sich seither die Quote in Baselland unterdurchschnittlich entwickelte. In erster Linie wird für die vergleichsweise gute Entwicklung die günstige Branchenstruktur in der Nordwestschweiz verantwortlich gemacht, die insbesondere in der hohen Leistungsfähigkeit der Chemie und Banken verankert ist. Die Präsenz einer wertschöpfungsstarken Volkswirtschaft ist allerdings keine Selbstverständlichkeit. Wirtschaftstandorte stehen weltweit in harter Konkurrenz, dies haben auch verschiedene Standortentscheide der Industrie in jüngster Zeit klar aufgezeigt. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit seit 1991 wird heute sowohl als ein konjunkturelles Phänomen als auch als Ergebnis zahlreicher struktureller Probleme gesehen. Je weniger die strukturellen Probleme gelöst werden, desto höher liegt die sogenannte strukturelle Arbeitslosigkeit bzw. Sockelarbeitslosigkeit. Zweifellos ist letztere auch in Baselland über die Jahre gestiegen. Dies verdeutlicht die folgende Abbildung.
Die Arbeitslosigkeit steigt auch im Kanton Baselland bei jeder Rezession an, um sich im Aufschwung wieder zurückzubilden, ohne aber auf jenes Niveau zurückzukehren, das sie vor dem Konjunktureinbruch aufwies. Die Arbeitslosigkeit hat sich auch im Baselbiet, analog zur Schweiz insgesamt, von Rezession zu Rezession stufenweise nach oben bewegt. Während in der Rezession 1974 - 1976 der Einbruch der Arbeitskräftenachfrage vor allem durch einen Rückgang des Angebots an kontrollpflichtigen ausländischen Arbeitskräften aufgefangen wurde, genügte der Angebotsrückgang in der Rezession 1982 - 1983 nicht mehr, um einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Vielmehr nahm das Angebot an Arbeitskräften unabhängig von der Stagnation der Nachfrage weiter zu. Die jüngste Rezession seit 1991 zeigt eine weitere Verschlechterung des Ausgleichsmechanismus. Dem Rückgang der Nachfrage nach Erwerbstätigen steht ein Anstieg bzw. eine Konstanz des Angebots seitens der ansässigen Erwerbspersonen (Schweizerinnen und Schweizer sowie ausländische Arbeitskräfte mit Niederlassungsbewilligung) gegenüber.
In der Abbildung fällt auf, dass trotz der verschiedenen Rezessionen die Gesamtzahl der ausländischen Arbeitskräfte stetig zugenommen hat. Vor allem aber ist ersichtlich, wie hoch der Anteil der nichtkontollpflichtigen ausländischen Arbeitskräfte (sogenannt Niedergelassene) gegenüber den kontrollpflichtigen ist. Während man bei den Niedergelassenen - und vermehrt auch bei den Jahresaufenthaltern - bis anhin eine zunehmende Konjunkturunempfindlichkeit feststellte, kam es im Kanton Basel-Landschaft zwischen 1994 und 1995 zu einem markanten Rückgang des Bestandes an niedergelassenen Arbeitnehmenden von beinahe 20 Prozent. Auch gesamtschweizerisch scheint diesbzüglich eine Trendwende einzusetzen, denn seit 1995 sind die Zahlen der Niedergelassenen rückläufig. Vieles deutet darauf hin, dass dieses Abwanderungsverhalten einerseits durch die schlechteren Erwerbsmöglichkeiten und andererseits durch ausgeschöpfte Arbeitslosenversicherungsleistungen verursacht wurde. Weiter zeigt die Grafik, wie stark die Anzahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger gewachsen ist und wie sich gleichzeitig der Anteil der Saisonniers immer weiter reduziert hat. Einerseits werden im Kanton Baselland weniger Saisonniers beantragt und andererseits haben viele Saisonniers von der gesetzlichen Möglichkeit der Umwandlung ihrer Bewilligung in eine Jahresaufenthalts-Bewilligung Gebrauch gemacht. Die relativ schwache Abnahme bei den kontrollpflichtigen ausländischen Arbeitskräften während der jüngsten Rezession ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass die Bestände hochkonjunkturabhängiger Saisonniers mittlerweile tief liegen und die Grenzgängerinnen und Grenzgänger überwiegend in Branchen und Tätigkeiten beschäftigt sind, die entweder exportstark oder aus anderen Gründen wenig konjunkturanfällig sind. |
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