97/40; Amtsbericht 1996; Teil 23
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| Landeskanzlei (allg. Stabsstelle Landrat / Regierungsrat) | |||
| Regierungsrat / Verwaltung |
| 3 Landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain 3.1 Rechtsetzung 3.1.1 Agrarpolitik 2002 des Bundes Der Bundesrat überwies unter dem Titel Agrarpolitik 2002 am 26. Juni 1996 eine umfassende Botschaft an die eidgenössischen Räte. Er schlägt darin erstens ein neues Landwirtschaftsgesetz, zweitens einen neuen befristeten Getreideartikel in der Bundesverfassung, drittens eine Lockerung im bäuerlichen Bodenrecht und viertens eine Aenderung des Tierseuchengesetzes vor. Die Agrarpolitik 2002 hat zum hauptsächlichen Ziel, den Markt für landwirtschaftliche Produkte zu liberalisieren. Die Preise sollen vermehrt den Kräften des Marktes ausgesetzt sein, Einschränkungen und Vorschriften fallen. Dennoch wird die Landwirtschaft nicht von den staatlichen Fesseln befreit. An die Stelle der alten Agrarpolitik treten die Vorschriften des Gewässerschutzes, des Tierschutzes, des Lebensmittelrechtes, des Landschaftsplanes und des Naturschutzes. Die Direktzahlungen, die der Bund 1993 einführte, werden nur ausbezahlt, wenn alle Vorschriften erfüllt sind. Dies bedeutet für viele Betriebe das Aus, weil die nötigen Investitionen zu hoch wären. Die Direktzahlungen können die sinkenden Preise nur teilweise kompensieren. 3.1.2 Kantonales Landwirtschaftsrecht Der Regierungsrat unterbreitete dem Landrat am 2. Juli 1996 den Entwurf zu einem neuen Landwirtschaftsgesetz. Es soll sieben aktuelle Gesetze in eines zusammenfassen. Die Verwaltung hat begonnen, die dazugehörigen Verordnungen zu erarbeiten. Aus 5 landrätlichen Dekreten und 20 Verordnungen sollen noch 10 Verordnungen entstehen. Es fanden verschiedene Gespräche mit landwirtschaftlichen Organisationen im Zusammenhang mit dem neuen Landwirtschaftsgesetz und dessen Verordnungen statt. 3.2 Organisation Die ganze Abwicklung der komplexen Massnahmen im Bereich Pflanzenbau und Direktzahlungen hat im Jahr 1996 gut funktioniert. Die Landwirte haben ihre Beiträge und Abrechnungen frühzeitig erhalten. Zur Verbesserung der Liquidität der Landwirte im Verlauf des Sommers wurde bei den Direktzahlungen erstmals im Juli eine Akontozahlung ausgerichtet. Die Administration der Betriebe des Kantons Basel-Stadt wurde weitergeführt. Die umfangreichen Massnahmen im Bereich Landwirtschaft bedingen entsprechende Kontrollarbeiten. Die Hauptlast der Erhebungen und Kontrollen im Feld fällt den Ackerbaustellen in den Gemeinden zu. Für spezielle Bereiche werden auch weitere Organisationen mit Kontrollaufgaben betreut: Die Kontrolle des Biologischen Landbaus wird durch das Forschungsinstitut in Oberwil durchgeführt. Die Kontrolle der Integrierten Produktion sowie der Tierhaltungsprogramme wird unter Federführung des Bauernverbandes beider Basel durch speziell qualifizierte und geschulte Landwirte durchgeführt. Diese Zusammenarbeit hat bestens funktioniert. Die Kosten für diese externen Kontrollen werden je zur Hälfte vom Kanton und den betroffenen Landwirten übernommen. Die gesamten Aufwendungen für den Kanton betrugen 1996 gut 82'000 Franken. 3.3 Personelles Dank internen Verschiebungen kann sich eine Mitarbeiterin vollumfänglich der Administration der Direktzahlungen und weiterer Bundesmassnahmen widmen. Damit konnte ein Engpass beseitigt werden, welcher durch die stark ausgebauten Beitragsprogramme in den letzten Jahren aufgetreten ist. Während 7 Monaten hat eine befristet angestellte Agronomin die Qualität der ökologischen Massnahmen von Bund und Kanton untersucht und ein Konzept für eine Erfolgskontrolle ausgearbeitet. Walter Meier, Seltisberg, Heiner Räuftlin, Thürnen und Ueli Gass, Oltingen traten als Mitglieder der Kontrollstelle der Landwirtschaftlichen Kreditkasse zurück. Neu wurde die Kantonale Finanzkontrolle als Kontrollstelle bezeichnet. 3.4 Leistungsausweis 3.4.1 Landwirtschaftliche Ausbildung Schülerzahlen / Prüfungen
Lehrabschlussprüfung 1. Teil nach neuem Reglement 1996 haben zwei Frauen und 22 Burschen am Ebenrain den ersten Teil der Landwirtschaftlichen Lehrabschlussprüfung bestanden. Zum ersten Mal wurde die Prüfung nach dem neuen Reglement durchgeführt. Damit verbunden waren eine Reduktion der Prüfungsfächer und eine teilweise Verlagerung der Prüfungen auf die Lehrbetriebe. So wurde das Prüfgebiet "Praktische Tierhaltung", eingeschlossen das Melken, auf dem Lehrbetrieb geprüft. "Praktischer Pflanzenbau" und "Landtechnik" hingegen fanden wie bisher auf dem Schulgutsbetrieb statt. Die Beurteilung der Betriebshefte wurde durch eine Expertengruppe am Ebenrain vorgenommen. Für die Kandidaten und Kandidatinnen hat die neue Form zu einer etwas stressärmeren Prüfung geführt. Mit dem Bestehen der Lehrabschlussprüfung Teil 1 (LAP 1) ist ein wichtiger Teil, nämlich die praktische Ausbildung, abgeschlossen und ausgewiesen. Ausbildungskonzept Biolandbau Immer mehr Landwirte stellen ihren Betrieb auf Biolandbau um. Neben der Weiterbildung und Beratung der Umstellungswilligen muss das Angebot für junge Bio-Landwirte / Bio-Landwirtinnen in der Grundausbildung verstärkt werden. Im Mai 1996 veröffentlichte das Bundesamt für Landwirtschaft einen Bericht zum Projekt Ausbildung im Biolandbau. Darin werden drei mögliche Modelle vorgeschlagen. 1. Bioausbildung in speziellen, separat geführten Berufsschul- und Landwirtschaftsschulklassen 2. Bioausbildung in gemischten Klassen mit Spezialunterricht in Biolandbau 3. Bioausbildung ausschliesslich über die Weiterbildung nach dem Abschluss der Landwirtschaftsschule Der bestehende Lehrgang Biolandbau Ebenrain / FiBL entspricht der letzten Variante. Da aber von der Praxis aus ein Bedürfnis besteht, bereits in der Grundausbildung mehr Unterricht im Biolandbau anzubieten, haben die Landwirtschaftsschulen der Region Nordwest- und Zentralschweiz beschlossen, ein gemeinsames Ausbildungskonzept auszuarbeiten, das der zweiten Variante entspricht. Das Konzept ist soweit ausgereift, dass es 1997 in die Praxis umgesetzt werden kann. Renovation Betriebsküche Die Küche und der Esssaal des Landwirtschaftlichen Zentrums wurden vollständig renoviert, um den hygienischen Anforderungen auch in Zukunft gerecht zu werden. Die Mahlzeitenausgabe wurde vom Tischservice auf die Selbstbedienung umgestellt. 3.4.2 Haushaltungsschule 14 Kursteilnehmerinnen aus den Kantonen BL/BS/BE haben im März den Bäuerlich-hauswirtschaftlichen Fachkurs 95/96 abgeschlossen. Im Bäuerlich-hauswirtschaftlichen Fachkurs 1996/97 konnten im Oktober 15 Kursteilnehmerinnen begrüsst werden. 11 Kursteilnehmerinnen haben Ende September den berufsbegleitenden Bäuerlich-hauswirtschaftlichen Fachkurs abgeschlossen. Alle wohnen im Kanton BL und sind im landwirtschaftlichen Familienbetrieb tätig. 4 Bäuerlich-hauswirtschaftliche und 6 Hauswirtschaftliche Angestellte haben im Juni mit Erfolg ihre Lehrabschlussprüfung bestanden. Für 4 Bäuerlich-hauswirtschaftliche und 10 Hauswirtschaftliche Kandidatinnen begann im August ein neues Lehrjahr. Die Vielfalt der familiären Lebensformen hat zugenommen. Während man glaubt, die materielle Hausarbeit habe sich durch die Technisierung vereinfacht, ja sogar reduziert, werden Aspekte der Beziehungs-, Erziehungs-, und Unterstützungsarbeit immer wichtiger. Deshalb wird heute im Gegensatz zur Erwerbsarbeit der umfangreiche Verantwortungsbereich der Haus- und Familienarbeit immer bedeutender. Im Januar besuchten die Landwirtschaftsschülerinnen und -schüler während drei Kurstagen die Haushaltungschule. Im Rahmen des Betriebsleiterkurses befassten sich die Kursteilnehmer zusammen mit ihren Partnerinnen mit dem Thema "Haus- und Familienarbeit". Gemeinsame Weiterbildungsangebote im Bereich der Erwachsenenbildung fanden in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule beider Basel statt. 3.4.3 Weiterbildung Das Weiterbildungsprogramm des Wintersemesters 1995/96 mit den Schwerpunkten Landwirtschaft und bäuerliche Hauswirtschaft ist bei der landwirtschaftlichen Bevölkerung wieder auf grosses Interesse gestossen. Das Weiterbildungsprogramm "Haus, Garten, Handwerk, Landwirtschaft" für das Sommersemester bot in allen Bereichen der Haus- und Familienarbeit 33 Kurse an. 23 Kurse konnten durchgeführt werden. Das Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer liegt vorallem im Bereich Ernährung, Textilarbeit, Garten und EDV. Zum zweiten Male konnte der Lehrgang Biolandbau Ebenrain / FiBL im Sommersemester mit 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgreich durchgeführt werden. Die ersten Arbeiten, Kurse des Weiterbildungsangebotes in modulare Form umzuarbeiten, sind angelaufen. Als erstes soll der Unterrichtsstoff der Betriebsleiterschule in Modulen angeboten werden können. In den nachstehenden Abschnitten wird die Weiterbildung im einzelnen noch erwähnt. 3.4.4 Gutsbetrieb Für den Gutsbetrieb galt es, gegenüber 1992 80'000 Franken einzusparen. Dabei sollten die bisherigen Sonderaufgaben wie Führungen, Oeffentlichkeitsarbeit, Vielseitigkeit etc. beibehalten werden. Eine Vertretung der Berufsbildungs- und Aufsichtskommission überprüfte mehrmals, ob die Leistungen auftragsgemäss erbracht wurden. Mit dem Anbau von biologischen Selbstpflück-Blumen wagte der Gutsbetrieb einen Schritt in ein nicht traditionell landwirtschaftliches Produktionsgebiet. Personell bewältigte er die Arbeit mit einem Praktikanten, einem Lehrling, dem jugoslawischen Mitarbeiter und der Werkführerfamilie. Nach provisorischem Buchhaltungsabschluss wurde das vorgegebene Sparziel erreicht. 3.4.5 Schulgarten Besonderes Augenmerk galten der Förderung des Direktverkaufs, der Schnittblumenproduktion und der Beratung für neu angelegter Hecken. Der vor 2 Jahren geplante Heckenschaugarten wurde vervollständigt. Die Standaktion "Gsundi Gärte - gsundi Umwält" wurde weitergeführt und stiess auf guten Anklang. Verschiedene Lehrmittel und Broschüren wurden mitgestaltet. 3.4.6 Direktzahlungen und Pflanzenbau Bundesmassnahmen Die Bundesmassnahmen erfuhren im Jahr 1996 keine wesentlichen Änderungen. Nach dem Ausbau in den letzten Jahren wurden im Berichtsjahr gewisse Massnahmen vereinfacht und koordiniert. Übersicht Anbauflächen und Bundesbeiträge:
Das Gesamtvolumen an Bundesbeiträgen für die Landwirtschaft ist im Berichtsjahr gesamthaft um rund 30 % gestiegen. Ins Auge sticht insbesondere die starke Zunahme der Beiträge für die ökologischen Produktionsmethoden (Integrierte Produktion und Biologischer Landbau), welche sich um mehr als 250 % erhöht haben. Kantonale Massnahmen Die kantonalen Massnahmen im Bereich Ökologischer Ausgleich erfuhren 1996 eine weitere Zunahme. Nachdem Mitte Jahr eine Budgetkürzung für 1997 in Erwägung gezogen wurde, wurden die Vertragsverhandlungen mit den Bewirtschaftern unterbrochen. Das Budget wurde somit nicht vollumfänglich ausgeschöpft. Übersicht Flächen und Kantonsbeiträge:
Förderung des biologischen Landbaues Es wurden folgende Beiträge für die Umstellung auf den Biolandbau ausbezahlt
Raps-, Soja- und Sonnenblumenkontingente 1996 wurden folgende Flächenkontingente für die Produktion von Ölsaaten verteilt:
Die Rapsfläche hat somit gegenüber dem Vorjahr um 30 ha abgenommen, während die Sojafläche um 20 ha zunahm. |
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