1997-193
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Landrat des Kantons Basel-Landschaft Interpellation: Anerkennung der DMS 3-Diplome zur Ausbildung als Lehrkraft |
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Zu
Geschäfte des Landrates
(Übersicht)
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Lehrerausbildung an integrierten Seminaren der Sekundarstufe II - wie lange noch ? Mit grossem Mehr hat der Landrat am 18. September die "Petition gegen Zentralismus und Gleichschaltung in der Lehrerbildung" dem Regierungsrat zur Kenntnis überwiesen. Auslöser dieser Unterschriftensammlung war die Empfehlung der eidgenössischen Erziehungsdirektoren Konferenz EDK, zur Harmonisierung der Ausbildungsgänge für die Lehrkräfte aller Stufen künftig die Maturität und eine Fachhochschulausbildung (=Tertiärstufe) zu verlangen. Die von Regierungspräsident Peter Schmid an der letzten Landratssitzung vom 18. September 1997 gemachte Feststellung, dass in der Schweiz nur noch die Ausbildungsstätte St. Michael in Zug mit der eingeschlagenen Richtung unzufrieden sei, mag auf Ebene der kantonalen Erziehungsdirektionen zutreffen, liess sich im Kontakt mit der Basis aber nicht bestätigen, wie ich dreifach erfahren habe: - Die Befürchtungen von betroffenen Seminarleitern und Beobachtern des Lehrerbildungswesens bestehen weiter, wie ein Treffen am Samstag, 20. September 1997 zeigte, zu dem das Komitee für Freiheit in der Lehrerbildung eingeladen hatte. Lehrervertreter/-innen wie Kantonsparlamentarier/-innen aus den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Graubünden, Luzern, Obwalden, St. Gallen, Thurgau, Zug und Zürich wurden über die unterschiedlichen Optionen der Kantone. in der Lehrerausbildung der nahen Zukunft orientiert. - Im Kanton Luzern ist am vergangenen Dienstag, 23. September, die Gesetzesinitiative "Für eine massvolle und kostengünstige Reform der Primarlehrer/-innenausbildung" vorgestellt worden mit dem Ziel, die bewährten Ausbildungswege der integrierten Seminare nicht abzuschaffen, sondern an die neuen Ausbildungsansprüche anzupassen. - Auch im Kanton Basel-Landschaft besteht Klärungsbedarf, welche Zukunftsmöglichkeiten jetzigen Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I nach Abschluss der 3--jährigen Diplommittelschule versprochen werden können. Nach wie vor sind die BIGA-Berufe (über Berufsmatur und Fachhochschulen) klarer definiert als Berufe im sozialen, gesundheitlichen, erzieherischen und gestalterischen Bereich, in denen sich vornehmlich Frauen ausbilden lassen. Entstehung der Anerkennungsreglemente Durch die "Interkantonale Vereinbarung über die Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen" vom 18. Februar 1993 haben die Kantone einen Teil ihrer Schulhoheit an die eidgenössische Erziehungsdirektorenkonferenz EDK delegiert. Die EDK bestimmt die erforderlichen Qualifikationen sowie das Prüfungsverfahren für alle Bildungsabschlüsse (ausgenommen Hochschulen). Gemäss Art. 7 kann sie die folgenden vier Bereiche der Bildungspolitik autonom regeln: - die Dauer der Ausbildung - die Zulassungsvoraussetzungen zur Ausbildung (Kriterien) - die Lehrgegenstände und - die Qualifikation des Lehrpersonals. Nur noch Matur oder auch DMS 3 - Diplome für Kindergärtnerinnen, Primarlehrer-innen, Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerinnen ? Was geht das uns im Baselbiet an? Zur Zeit ist die "Koordinationsgruppe Diplomvereinbarung/Lehrerbildung" unter der Leitung von Urs Krainer daran, die Kriterien für die Diplomanerkennung für Lehrkräfte auszuarbeiten. Gemäss meinen Informationen herrscht in der EDK mehrheitlich immer noch die Meinung vor, für "Lehrkräfte aller Stufen" (d.h. inkl. Kindergärtner/-innen, Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerinnen) "die Maturität und eine anschliessende, dreijährige Fachhochschulausbildung" zu verlangen. Demgegenüber sieht beispielsweise der Kanton Zürich in seinem Fachhochschulgesetz explizit vor, zum Studium an Fachhochschulen zuzulassen, wer "über eine eidgenössisch anerkannte gymnasiale Maturität oder über ein anerkanntes Diplom einer dreijährigen abgeschlossenen Diplom- oder Handelsdiplommittelschule sowie über eine mindestens einjährige qualifizierte Berufserfahrung auf dem Gebiet der gewählten Studienrichtung verfügt." (§ 16) Gleich wie in den Westschweizer Kantonen rekrutieren sich in Baselland viele Seminarist/-innen aus den 3-jährigen Diplommittelschulen. Diese nicht zur Matur fahrenden Schulen der Sekundarstufe 11 bieten neben guter Allgemeinbildung ein vielfältiges Angebot an musischen und handwerklichen Fächern, sind also insofern auch eine ideale Vorbereitung für zukünftige Primarlehrer/-innen wie Kindergärtner/-innen, Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrer/-innen. Die mentale Unterstützung des Luzerner Initiativkomitees durch das Welschland zur Lancierung der obengenannten Initiative weist darauf hin, dass die zuständigen Diplommittelschulleitungen noch keine definitive Zusage der Anerkennung von DMS 3 - Absolvent/-innen für die Aufnahme an die geplanten Pädagogischen Hochschulen erhalten haben. Meine Fragen 1. Die EDK versteht sich nach den Äusserungen ihrer obersten Exponenten als demokratisches Gremium. Wie wird sichergestellt, dass bezüglich der verbindlichen Entscheide der EDK die demokratischen Rechte unserer Bürgerinnen und Bürger gewahrt werden? 2. Die Entscheidfindung in der EDK beruht auf dem Mehrheitsprinzip. Auf welche Weise werden die Anliegen von Minderheiten berücksichtigt, so insbesondere die Minderheit derjenigen Kantone, die sich bisher für die Anerkennung der Diplome von DMS 3-Schulen als Zulassung für die Seminare und künftigen Pädagogischen Hochschulen eingesetzt haben? 3. Ist der Entscheid über die Anerkennung von erfolgreichen Abschlüssen von 3-jährigen Diplommittelschulen als Zulassungskriterium an die Pädagogischen Hochschulen in der EDK gefallen und wenn ja, wie? 4. DMS 3-Absolvent/-innen, die an Berufsschulen in der EU Aufnahme suchten, wurden vielfach abgewiesen mit der Begründung, dass ihr Abschluss nicht die Bezeichnung "Matur" habe. Wie beurteilt der Regierungsrat die Chancen, dem mit einem Praxisjahr erweiterten DMS 3 - Abschluss die Anerkennung als Fachmatur zuzugestehen, entsprechend der eingeführten Berufsmatur, welche z.B. Handelsdiplomabsolvent/-innen nach einem Jahr Praxis zuerkannt wird? 5. Bestätigt der Regierungsrat die Ansicht des Zuger Rechtsanwalts Matthias Michel, dass eine liberale Anerkennung unterschiedlicher Abschlusszeugnisse (Matur und DMS 3 - Diplome) eine grössere EU - Kompatibilität zur Folge hat, da die Anerkennung eines Ausbildungsweges im Inland das Kriterium für die EU - Anerkennung bildet? 6. Hat der Regierungsrat davon Kenntnis, ob der Bund die künftigen Pädagogischen Hochschulen zusätzlich zu den zur Zeit sieben angestrebten (wissenschaftlich-technischen) Fachhochschulen einrichten will oder ob die Pädagogischen Hochschulen als Teil dieser sieben Fachhochschulen gezählt werden. Ich danke dem Regierungsrat für die schriftliche Beantwortung meiner Fragen und baldige Klärung zur Situation der 52 schweizerischen Diplommittelschulen, so weit dies möglich ist. |
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