97/156

Landrat / Parlament - Bericht 97/156 vom 27. November 1997


Bericht der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission an den Landrat


Beschaffung und Installation MRI-Gerät am Kantonsspital Bruderholz



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Inhaltsübersicht des Berichts

1. Einleitung


2. Kommissionsberatung


3. Antrag


Landratsbeschluss (Entwurf)




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1. Einleitung

Die Magnetresonanztomographie (MRT) wird in der Medizintechnik seit ca. 15 Jahren eingesetzt. Der Erfolg dieser Technik beruht auf dem Umstand, dass keine gefährliche Strahlung (wie zB: Röntgenstrahlen) zum Einsatz kommt, und dass zuverlässige Untersuchungen in Bereichen möglich sind, wo andere Techniken keine oder nicht befriedigende Resultate liefern. In der Schweiz hat diese Technik weite Verbreitung gefunden, so sind heute im öffentlichen und privaten Bereich 90 MRI-Geräte (MRI: magnetic resonance imaging) im Einsatz. Damit liegt die Schweiz bezogen auf die Einwohnerzahl über dem europäischen Durchschnitt, aber deutlich unter dem Durchschnitt von Japan und USA.


Obwohl die Kosten für MRI-Geräte, bedingt durch den technischen Fortschritt und die grössere Verbreitung, in den letzten Jahren gesunken sind, sind sie mit rund 2 Millionen Franken auch heute noch beachtlich. In Anbetracht der immer noch überdurchschnittlich steigenden Kosten im Gesundheitswesen ist die Notwendigkeit für weitere MRI-Geräte vor jeder Anschaffung individuell abzuklären. In der Region Basel liegt die MRI-Dichte mit 1.56 Geräten pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner leicht über dem schweizerischen Mittel. Die Verteilung der Geräte ist jedoch unbefriedigend, stehen doch alle 7 MRI-Geräte in Basel, wovon nur 2 in öffentlichen Spitälern.


Das Kantonsspital Bruderholz führt bis jetzt an 2 Tagen pro Woche Untersuchungen auf dem MRI-Gerät am Biozentrum in Basel durch. In Notfallsituationen muss zudem auf andere MRI-Geräte in Basel ausgewichen werden. Diese Situation ist mit folgenden hauptsächlichen Nachteilen verbunden:


- belastende Transporte für schwerkranke Patientinnen und Patienten


- längere Hospitalisation wegen der Wartezeiten


- höherer Personalaufwand, da die Synergiemöglichkeiten in der Radiologie im Kantonsspital Bruderholz nicht genutzt werden können


- die Arbeitseinteilung kann nicht optimal gestaltet werden


Für ein Kantonsspital mit über 500 Betten, einem umfassenden Leistungsauftrag und der teilweisen Einbindung in die Medizinische Fakultät (innere Medizin, gemeinsames Universitäts- Kinderspital) können diese Nachteile nicht mehr länger hingenommen werden. Mit zunehmender Dauer dieses Zustandes steigt die Gefahr von der Entwicklung in der Medizintechnik abgehängt zu werden und einen respektablen Kompetenzverlust (Personal und know how) zu erleiden.


Als Gerätelieferanten kommen General Electric, Philips-Medical System, Picker/Leuag und Siemens in Frage. Die Geräteentwicklung wird immer noch vorangetrieben und bringt weitere Fortschritte. Damit der Entscheid über Gerätetyp/Lieferant möglichst spät gefällt werden kann, wird ein Verpflichtungskredit von 2.2 Millionen Franken beantragt und der Entscheid über Gerätetyp/Lieferant offen gelassen.


Die räumlichen Gegebenheiten im Kantonsspital Bruderholz lassen die Installation eines MRI-Gerätes ohne bauliche Anpassungen nicht zu. Von den zwei geprüften Varianten, hat sich die "Erweiterung Röntgen" klar als vorteilhafter erwiesen. Sie


- weist ein besseres Kosten/Nutzenverhältnis auf


- hat, als Röntgen-Einheit im Erdgeschoss, funktionelle und betriebliche Vorteile


- schafft zusätzlichen Raum im 1. Untergeschoss


- schränkt während der Bauzeit den laufenden Krankenhausbetrieb nur gering ein


Für die Baukosten "Erweiterung Röntgen" wird ein Verpflichtungskredit von 1.65 Millionen Franken beantragt.




2. Kommissionsberatung


Die Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission hat die Vorlage an den Sitzungen vom 15. Oktober und 21. November 1997 beraten. Die Beratungen wurden begleitet von Regierungsrat Eduard Belser, Rosmarie Furrer, Direktionssekretär VSD, Dr. Carlo Petralli, Chefarzt Radiologie und Karl Huwiler, Spitalverwalter Kantonsspital Bruderholz.




Eintreten


Die Vorteile der Untersuchungen mit MRI-Geräten, insbesondere dass keine gefährliche Strahlung zum Einsatz kommt, werden von der Kommission anerkannt, und der Einsatz dieser Technik wird befürwortet.


Die grosse Mehrheit der Kommission vertritt die Meinung, dass ein Spital dieser Grösse und mit einem universitären Leistungsauftrag diese Technik im eigenen Hause einsetzen können muss. Es dürfe nicht sein, dass die aus Kostengründen geübte Zurückhaltung beim Einsatz dieser Technik nun "bestraft" werde.


Die Minderheit der Kommission befürchtet, dass die Anschaffung eines weiteren MRI-Gerätes zu einer zusätzlichen Mengenausweitung der Untersuchungen und dadurch zu einem unerwünschten Beitrag zum Ansteigen der Gesundheitskosten führen wird. Es sollte eine Lösung gefunden werden, um mit den bestehenden MRI-Geräten die Untersuchungsmöglichkeiten für das Kantonsspital Bruderholz zu verbessern.


Eintreten wird mit 10 zu 1 Stimmen beschlossen


Die wichtigsten Diskussionspunkte der Beratung sind nachfolgend zusammengefasst:




Zukünftige Entwicklung


Nach Meinung von Prof. Seelig gehört ein MRI-Gerät zur Standardausrüstung eines grösseren Spitals. Wo die MRI-Investition nicht schon getätigt ist, wird sie in absehbarer Zeit erfolgen.


Die MRI-Technik wird in den nächsten Jahren weitere konventionelle Untersuchungsmethoden ablösen und so eine Ausweitung erfahren. In einigen Bereichen können dadurch auch Kosteneinsparungen resultieren.


Im Abdomenbereich zum Beispiel, stellt die MRI-Technik noch nicht die ideale Methode dar. In den nächsten Jahren sind Neuentwicklungen zu erwarten.




Mengenausweitung


Eine Mengenausweitung wird sich durch die Verbesserung der MRI-Technik und den fortschreitenden Ersatz von konventionellen Untersuchungsmethoden ergeben.


Im Kantonsspital Bruderholz werden dann auch die im Kantonsspital Liestal anfallenden Untersuchungen durch das Radiologie-Team des Kantonsspitals Liestal durchgeführt.




Kantonsspital Liestal


Von Seiten des Kantonspitals Liestal wird auch der Wunsch nach einem MRI-Gerät geäussert. Liestal muss demnächst den Nierensteinzertrümmerer in Betrieb nehmen und organisatorische Fragen im Zusammenhang mit dem Neubau bewältigen. Die Anschaffung eines MRI-Gerätes soll deshalb erst in 2 bis 3 Jahren geprüft werden. Zudem ist es nicht nur aus Kostengründen angebracht, nicht in beiden Spitäler im gleichen Zeitpunkt ein MRI-Gerät anzuschaffen. Durch eine zeitliche Staffelung kann auch von der technologischen Entwicklung profitiert werden.




Kinderradiologie


Wenn die Kinderklinik vom Kantonsspital Bruderholz in das "gemeinsame Universitäts-Kinderspital BS/BL mit zwei Standorten" ausgegliedert wird, soll die Kinderradiologie in der Radiologie des Bruderholzspitals kindergerecht betrieben werden. Der neu angestellte Radiologe hat in den letzten zwei Jahren nur mit Kindern gearbeitet und bringt das notwendige Wissen über die Kinderradiologie mit, sodass ein kindergerechter Umgang in der Anwendung der Radiologie gewährleistet ist.




Auslastung privater MRI-Geräte


Die genaue Auslastung der privaten MRI-Geräte ist nicht bekannt. Es ist praktisch nicht möglich diese Angabe bei Privaten anzufordern, da die Kenntnis der Auslastung auch Rückschlüsse über die Wettbewerbssituation zulässt.




Installation eines privaten MRI-Gerätes am Kantonsspital Bruderholz


Um die Bedürfnisse des Kantonspitals Bruderholz abdecken zu können, ohne die Anzahl der MRI-Geräte zu erhöhen, hat die Kommission einen Zusatzbericht über die Möglichkeit der Installation eines privaten MRI-Gerätes am Kantonsspital Bruderholz verlangt.


Die Auslastung von ca. 80 % durch die Radiologie des Kantonsspital Bruderholz und Radiologie des Kantonsspital Liestal würde nur noch rund 20 % Kapazität für den privaten Anbieter offen lassen. Die Zielsetzungen des Privatbetriebes, wie zB. Terminabsprachen mit Patientinnen und Patienten und Gewinnerzielung könnten nicht mehr in einem ausreichenden Mass sichergestellt werden. Wenn ein Privater auf diese "Abtretung" eingehen würde, wäre die Gefahr gross, dass er sich dann mit dem Erlös ein neues, leistungfähigeres MRI-Gerät anschaffen würde.




Erweiterungsbau


Es wäre möglich, durch Umdispositionen im Röntgenbereich das MRI-Gerät ohne Erweiterungsbau zu installieren. Die Geräteverteilung im Erd- und 1. Untergeschoss würde den Arbeitsablauf aber erschweren und zeitweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blockieren, was zu längeren Untersuchungszeiten und höheren Betriebskosten führen würde.




Kosten


Das Kostendach von 2.2 Millionen Franken müsste ausreichen, da die Kosten der MRI-Geräte tendenziell immer noch sinken und auch ein neues verbessertes Gerät deshalb nicht teurer sein sollte


Die Folgekosten der Investition, die Personal-, Betriebs- und Wartungskosten werden durch die Einnahmen aus den Untersuchungen gedeckt, es wird sogar mit einem Ertragsüberschuss gerechnet. Zudem entfallen externe Kosten von rund 500'000 Franken.




3. Antrag


Die Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission beantragt dem Landrat mit 9 zu 2 Stimmen dem beiliegenden Entwurf eines Landratsbeschlusses zur Beschaffung und Installation eines MRI-Gerätes am Kantonsspital Bruderholz zuzustimmen.




Laufen, 27. November 1997




Im Namen der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission


der Präsident: Marcel Metzger




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