1997-257 (1)

Landrat / Parlament || Bericht vom 6. April 1998 zur Vorlage 1997-257


Bericht der Erziehungs- und Kulturkommission an den Landrat


betreffend Verpflichtungskredite zur Subventionierung des Kunstvereins Baselland und der Kunsthalle Palazzo für die Jahre 1998 - 2001


Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen





Vorgeschichte

1995 nahm der Landrat ein Kulturförderungskonzept für die letzten fünf Jahre unseres Jahrhunderts zur Kenntnis, genannt "Perspektiven der zeitgenössischen Kunst- und Kulturförderung 1995-2000".


Der seit 1944 tätige Kunstverein Baselland sucht schon länger einen eigenen Ausstellungsraum; für diesen Fall wurden ihm höhere Subventionen vom Kanton zugesichert (gemäss Kulturförderungskonzept, Vorlage S. 5). Die Partnerschaft mit dem Kanton besteht seit 1963, regelmässige Beiträge erhält der Kunstverein seit 1988, seit 1995 Fr. 160'000.- p.a. bei einem aktuellen Jahresbudget von Fr. 520'000.- .


Die Kunsthalle Palazzo existiert in dieser Form seit 1990 beim Bahnhof in Liestal und ermöglicht dem Publikum, sich mit den verschiedensten Formen des zeitgenössischen schweizerischen Kunstschaffens auseinanderzusetzen. Seit 1990 wird das Palazzo jedes Jahr durch kantonale Beiträge unterstützt, seit 1995 mit jährlich Fr. 150'000.-, budgetierter Aufwand: Fr. 270'000.-.




Kommissionsberatung: Kunsthaus Muttenz des Kunstvereins Baselland


Die Erziehungs- und Kulturkommission hat sich am 12. Februar 98 von Richard Hersberger, Präsident des Kunstvereins Baselland, und Andreas Baur, der - unter Vorbehalt der Zustimmung zu den beantragten Subventionen durch den Landrat vom Kunstverein angestellte - Kurator, durch die Räume des Kunsthauses in Muttenz führen lassen. Die Grösse erscheint vielseitig nutzbar, geräumig und doch nicht zu gross für unsern Kanton; die Lage bei St. Jakob ist mit ÖV und PW gut erreichbar und doch abgelegen genug, so dass akustische Veranstaltungen nicht störend für die Nachbarschaft empfunden werden können. Der Zustand der Gebäude ist gut, das Platzangebot und die Lichtverhältnisse lassen viele Entfaltungsmöglichkeiten offen.


Der Kunstverein Baselland ist Besitzer des Kunsthauses in Muttenz und hat zur Zeit 2/3 der Ausstellungsfläche an weitere Kulturschaffende (Theater Basel, Römerstadt Augst (Steinlager) (1) , Foto-Atelier) und Unternehmen (Museumsbetreuungsfirma, Architekturbüro, Sprachschule) vermietet. Der Kanton tritt nicht selber als "Ausstellungsmacher" auf, sondern hat diese Aufgabe den zwei Subventionsempfängern übertragen. Die Zusammenarbeit mit der Fachgruppe Bildende Kunst der Abteilung Kulturelles, welche die Ankäufe tätigt, ist durch die Vereinbarung sicher gestellt.


Im Beisein von Regierungsrat Peter Schmid und dem Kulturbeauftragten Niggi Ullrich hat die EKK die beiden Subventionsvorschläge Kunsthaus Muttenz und Kunsthalle Palazzo in Liestal beraten. Alle wesentlichen Eckdaten sind auf der Titelseite der Vorlage zusammengestellt, eine Übersicht über die beiden Ausstellungsveranstalter ist auf Seite 6 aufgelistet.


Die EKK ist froh, dass der Kunstverein Baselland das Risiko eingegangen ist, das als ideal empfundene Gebäude in Muttenz zu kaufen, ohne die Absicherung vom Kanton innert nützlicher Frist erhalten zu können.


Bereits im Dezember 97 konnte die erste grosse Kunstausstellung - die Selektion 97 - mit über 200 Künstler/-innen aus der Region im Kunsthaus Muttenz durchgeführt werden, welche 2'200 Besucher/-innen anlockte. Seit Januar '98 arbeitet Andreas Baur als Kurator in Muttenz: Studium in Stuttgart (Kunstgeschichte und Kunstpädagogik); ab '87 Kunstwissenschaftler in den Bereichen Ausstellungswesen, Kunstvermittlung und kunsthistorische Forschung in Hamburg.


Sein erstes Projekt, das am 28. März Vernissage hatte, steht unter dem Thema "Raumkonzepte", wofür er den Basler Daniel Göttin und Ulrike Flaig aus Deutschland gewinnen konnte.


Einerseits ist die Verankerung der regionalen Kunstszene sehr wichtig und vertraglich festgehalten. Andrerseits will Andreas Baur auch noch nicht arrivierten Künstler/-innen eine Ausstellungsmöglichkeit geben. Andreas Baur: "Schön wäre es, wenn ich hier in Muttenz Künstler/-innen zeigen könnte, die vielleicht in ein paar Jahren den Sprung in die Basler Kunsthalle schaffen werden." Damit hat er sich deutlich gegenüber der Kunsthalle Basel in der Aufgabenstellung abgegrenzt. Zudem wird eine Ausstellung im Muttenzer Kunsthaus den Baselbieter Künstler/-innen eine Plattform bieten, sich weiter herum bekannt zu machen, weshalb eine Zusammenarbeit mit ähnlich ausgerichteten Häusern in Europa aufgebaut wird.




Finanzen


Obwohl allen klar ist, dass Kultur keinen direkten Ertrag abwirft, hat eine Studie (2) über die Wertschöpfung der Kultur im Raume Basel festgehalten, dass Kultur einerseits die Lebensqualität erhöht, andererseits auch wirtschaftlich und gesamthaft betrachtet nicht nur zu Defiziten führt.


Mit dieser Vorlage wird an den Kunstverein kein Beitrag an die Gestehungskosten geleistet, hingegen kommt der Kanton mit Fr. 150'000.- zu einem Drittel für die Investitionskosten auf. Auch die Kunsthalle Palazzo erhielt damals einen zusätzlichen Investitionsbeitrag für den Umbau.




Kunsthalle Palazzo, Liestal


Bei einem aktuellen Jahresbudget von ca. Fr. 270'000.- erhielt die Kunsthalle Palazzo seit 1995 Fr. 150'000.- jährlich vom Kanton Basel-Landschaft. Somit bildet diese Vorlage eine unveränderte Weiterführung der bisherigen Subvention über weitere 4 Jahre, d.h. bis 2001. In Anerkennung der Bedeutung des von Esther Jungo geleiteten Palazzos als eines der 5 Schweizer Avant-Garde-Hallen unterstützt auch der Bund die Institution mit Fr. 15'000.- p.a.




Die Subventionsverträge


Für die Mitglieder der EKK liegen zwei gute Vereinbarungen vor mit klaren und doch nicht einschränkenden Leistungsaufträgen. Der Kunstverein soll neben Ausstellungen, Führungen und Vorträgen in Muttenz auch regelmässig Veranstaltungen im Oberbaselbiet durchführen, wozu ihm die Räume in Schloss Ebenrain unentgeltlich zur Verfügung stehen. Beide Institutionen sind angehalten, die Sponsorensuche zu intensivieren.




Beschluss und Antrag


Die Kommission empfiehlt dem Landrat einstimmig (10:0 ohne Enthaltungen), dem unveränderten Landratsbeschluss, insbesondere den beiden Subventionskrediten, zuzustimmen.




Im Namen der Erziehungs- und Kulturkommission


Die Präsidentin: Andrea von Bidder


Binningen, 6. April 1998



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1 mit unabhängiger Abrechnung.


2 im Auftrag der Kulturabteilungen beider Basler Halbkantone