1998-100
Landrat / Parlament
lnterpellation: Transporte mit abgebranntem AKW-Brennstoff durch den Kanton Basel-Landschaft
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Autor: Heidi Portmann, SP
Eingereicht: 14. Mai 1998
Nr.: 1998-100
In Frankreich haben am 6. Mal 1998 die französischen Staatsbahnen SNCF sämtliche Atommülltransporte nach La Hague sistiert, da aufgedeckt wurde, dass 35 Prozent der in La Hague ankommenden Transporte teilweise massiv radioaktiv kontaminiert sind und Mensch und Umwelt gefährden. Dahinter befinden sich auch Transporte aus der Schweiz. In Frankreich ist eine Untersuchung über die Ursache im Gang. Laut einem Enthüllungsarbeit der Pariser Libération strahlen nicht nur manche Castor-Behälter weit jenseits der genehmigten Grenzwerte, auch ein Grossteil der wuchtigen Bahnwaggons, mit denen die Behälter aus den AKW in die Wiederaufarbeitungsanlagen rollen, ist kontaminiert und zwar mit radioaktiven lsotopen der Metalle Kobalt, Cäsium und Silber. Die strahlenden Partikel stammen aus den internen Becken der Atomkraftwerke. Der zulässige Grenzwert liegt bei einer Strahlung von vier Becquerel pro Quadratzentimeter. Bei der Eingangskontrolle in Valognes seien jedoch Werte von bis zu 2000 Becquerel pro Quadratzentimeter gemessen worden. Seit Jahren(!) sei dieses Problem innerhalb der französischen Atomwirtschaft bekannt und erhielt auch einen Namen: "Weeping". Ich bitte die Regierung um die schriftliche Beantwortung folgender Fragen:
1. Hat die Cogéma oder die Transportfirma Transnucléaire die Schweizer Kontrollbehörden oder das Bundesamt für Energie (BFE) über die Probleme der Verseuchung der Transportbehälter informiert. Haben die AKW-Betreiber davon gewusst? Haben diese die Behörden über die Verstrahlung informiert? Hat unsere Regierung davon Kenntnis? Wenn ja, von wem?
2. Wie gross ist die Kontamination? Welche Stoffe sind gefunden worden? Wie hoch sind die zulässigen Grenzwerte? Sind Behälter und Waggons betroffen?
3. Wer hat bis anhin wie (Wischtest?) und wie oft die Behälter technisch und radiologisch kontrolliert? Wurden auf dem Güterbahnhof Pratteln oder Muttenz immer Kontrollen auf Kontamination vorgenommen sowohl bei der Ankunft wie auch bei der Abfahrt und beim Verlassen der Schweiz? Wenn ja, was haben diese Kontrollen ergeben?
4. Es könnte sein, dass die Container und Waggons erst nach Stunden, während der Zugreise, zu strahlen beginnen. Die Container standen aber oft länger als die Reisezeit selber in Muttenz. Wie lange waren die Container jeweils früher und in letzter Zeit in der Schweiz, bis sie die Grenze passierten? Wie lange dauert die Reise inkl. Aufenthalte in französischen Bahnhöfen, bis die Container in Valognes ankommen?
5. Besteht die Regierung darauf, dass erst wieder Transporte durch unsern Kanton fahren dürfen, wenn die Herkunft der Verseuchung ohne Zweifel aufgeklärt ist und Massnahmen getroffen worden sind? Noch am 7. Mai 1998 wurde ein leerer Behälter nach Leibstadt transportiert, um die Beladung mit abgebrannten Brennelementen und den Transport in eine der beiden Plutoniumfabriken vorzunehmen. Wird die Regierung verlangen, dass der Abtransport dezidiert gestoppt wird?
6. Was ist von seiten der SBB zum Schutz der Arbeiter vorgekehrt worden? Hat unser Kanton mit der SBB Verbindung aufgenommen? Wieviele SBB-Angestellte kommen den Behältern und den Eisenbahnwaggons jeweils wie nahe oder gar in Berührung?
7. Bei einem Unfall mit möglichem Radioaktivitätsaustritt seien der in Würenlingen geschulte Strahlenwehrschutzzug beider Basel der Novartis sofort zur Stelle. Sieht die Regierung die Möglichkeit, solche Leute bis zum definitiven Aus der Transporte zur regelmässigen Kontrolle der Transporte einzusetzen?
8. Über welche Geleise und zu welchen Zeiten fahren die Atommülltransporte durch den Bahnhof Basel? Fährt er an Menschen vorbei, die auf dem Perron auf einen Zug warten? Kann es vorkommen, dass er anhält?
9. Meint die Regierung nicht auch, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Atombehörden derart erschüttert ist, dass endlich auch der Atomenergie kritisch eingestellte Experten und Expertinnen Prüfungen vornehmen können, damit die Öffentlichkeit von den Problemen erfährt?
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