1998-59 (1)
Landrat / Parlament || Bericht vom 11. Juni 1998 zur Vorlage 1998-059
Bericht der Umweltschutz- und Energiekommission an den Landrat
betreffend "Bewilligung der Verpflichtungskredite für den Neubau der Abwasserreinigungsanlagen in den Gemeinden Maisprach und Hersberg
Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen
Landratsbeschluss
1. Vorlage
1.1. Heutige Situation
Die Abwasserreinigungsanlagen Maisprach (erbaut 1972) und Hersberg (1968) wurden seinerzeit für eine geringere Einwohnerzahl als heute und nach dem damaligen Stand der Technik, der den heutigen Anforderungen der Gewässerschutzgesetzgebung nicht mehr entspricht, erstellt. Folgende Mängel werden festgestellt:
- die Kapazität der Anlagen ist ungenügend
- die Mischwasserbehandlung fehlt
- die Leistungsfähigkeit der Nachklärbecken ist ungenügend
- die technischen Einrichtungen sind sanierungsbedürftig.
Diese Situation führt dazu, dass die Bäche (Buuserbach, Arisdörferbach) unterhalb der Kläranlagen zu stark belastet werden.
1.2. Ziel der Vorlage
Die Sanierung der beiden fraglichen Anlagen erfolgt im Rahmen des Regierungsprogrammes 1995 - 99, das festhält, dass weitere lokale Abwasseranlagen schrittweise ausgebaut werden sollen. Die Erneuerung der beiden Anlagen muss den erhöhten Einwohnerzahlen (Prognose bis 2015) und den verschärften Gewässerschutzzielen angepasst werden. So dürfen die beiden Bäche in Zukunft nicht mehr belastet werden durch:
- übermässige Abwassereinleitungen bei den Kläranlagen
- Mischwasser
- Eindringen von Fremdwasser
Aufgabe der Gemeinden wird sein, im Rahmen des Generellen Entwässerungsplanes (GEP) für die Eliminierung von sauberem Fremdwasser zu sorgen. Als weitere Massnahme ist eine Reduktion der Trink- resp. Brauchwassermenge anzustreben.
1.3. Lösungsansätze und Varianten
Neben der Erneuerung der beiden Anlagen vor Ort wurde als Alternative die Ableitung der Abwässer in die nächsten regionalen Kläranlagen ARA Rheinfelden (Maisprach) und ARA Rhein in Pratteln (Hersberg) geprüft und ins Vorprojekt miteinbezogen. Der Kostenvergleich spricht in beiden Fällen allerdings für den Ausbau der Anlagen vor Ort.
Wie von der Umweltschutz- und Energiekommission anlässlich einer früheren Vorlage vorgeschlagen, wurde für Hersberg die Variante einer Pflanzenkläranlage geprüft. Der einzige Standort, der für eine solche, relativ flächenintensive Anlage in Frage käme, ist allerdings in verschiedener Hinsicht nicht ideal und würde die Kosten wesentlich erhöhen.
Als gewählte Lösung für die Abwasserreinigungsanlagen ist das in anderen ARAs des Kantons bewährte Belebtschlammverfahren mit aerober Schlammstabilisierung ohne Vorklärung vorgesehen, das eine ganzjährige Vollnitrifikation und eine maximale Abbauleistung bezüglich organischer Stoffe gewährleistet. Die Mischwasserbehandlung erfolgt in einem Mischwasserbecken mit Sieb.
Dieser Anlagetyp, der sich bisher in zehn Baselbieter Gemeinden bewährt hat, erreicht einen hohen Qualitätsstandart bezüglich Leistung, Funktionssicherheit, Bedienungsfreundlichkeit und Langlebigkeit. So gelten die Schmutzstoffelimination als maximal, die Entlastungsfracht bei Regen als minimal und vor allem das Kosten/Nutzen-Verhältnis als optimal.
2. Kommissionsberatung
An ihren Sitzungen vom 20. April und 25. Mai 1998 hat die Umweltschutz- und Energiekommission in Anwesenheit von Frau RR Elsbeth Schneider und den Herren Walter Dinkel, Vorsteher AIB, Ruedi Vögtli und Christoph Bitterli die Vorlage 98/59 beraten.
2.1. Augenschein
Am 20. April fand ein Augenschein verschiedener Anlagen statt.
Dass eine Erneuerung der veralteten und völlig ungenügenden Anlage in Hersberg fällig ist, war jedem Kommissionsmitglied klar. Ebenso wurde der mögliche Standort für eine Pflanzenkläranlage besichtigt. Dabei konnte sich die Kommission versichern, dass die Projektverantwortlichen diese alternative Anlage ernsthaft geprüft haben. Gleichzeitig liess sie sich aber überzeugen, dass der Standort in diesem Fall ungeeignet ist. Dennoch bleibt der Wunsch bestehen, bei anderer Gelegenheit und unter günstigeren Rahmenbedingungen ein solches Pilotprojekt zu realisieren.
Anschliessend fand eine Besichtigung der Kläranlagen der neueren Generation in Bennwil (erbaut 1991) und Arboldswil (1997) statt. Die Funktionsfähigkeit dieser Abwasseranlagen ist beeindruckend. Alle Erfahrungen mit diesen bereits funktionierenden Anlagen können in die Planung weiterer Neuanlagen einfliessen.
Die Umweltschutz- und Energiekommission stellte mit Freude fest, dass die Umgebung dieser Anlagen naturnah gestaltet ist.
2.2. Weitere Beratung
Eintreten auf die Vorlage war unbestritten.
Der Augenschein hat den Handlungsbedarf deutlich gezeigt. Erfreulich ist, dass mit den aus den in den letzten Jahren neugebauten ARAs gewonnenen Erfahrungen die Baukosten durch vereinfachte Bauart um ca. 20 % reduziert werden können. Die Kosten belaufen sich somit für die ARA Maisprach auf 2.2 Mio Franken, für die ARA Hersberg auf 1.4 Mio Franken.
Vor allem aber wird die Reinigungsleistung der kommunalen Abwasser so effizient sein, dass die betroffenen Gewässer in Zukunft als nur mehr "schwach belastet" eingestuft werden müssen.
3. Antrag
Die Umweltschutz- und Energiekommission beantragt dem Landrat einstimmig, dem Entwurf des Landratsbeschlusses betreffend "Bewilligung des Verpflichtungskredites für den Neubau der Abwasserreinigungsanlagen in den Gemeinden Maisprach und Hersberg" in beiden Punkten zuzustimmen.
Allschwil, 11. Juni 1998
Im Namen der Umweltschutz- und Energiekommission:
die Präsidentin: Jacqueline Halder