1998-9 (1)
Bericht der Bau- und Planungskommission an den Landrat
betreffend Ausbau der Schulanlage "Egerten" Reinach für die Handelsschule KV Baselland, Erweiterung Nordtrakt; Ergänzungsvorlage
Geschäfte des Landrats
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Hinweise und Erklärungen
Landratsbeschluss (Entwurf)
1. Einleitung
Mit Beschluss vom 13. Januar 1998 hat der Regierungsrat die Baukreditvorlage 98/9 betr. Schulanlage "Egerten" Reinach genehmigt und an den Landrat weitergeleitet. Die Bau- und Planungskommission erhielt das Geschäft zugewiesen und befasste sich an ihrer Sitzung vom 12. Februar 1998 mit der Ergänzungsvorlage.
Für die Erläuterung der Vorlage standen an der Sitzung zur Verfügung Frau Baudirektorin Elsbeth Schneider, die Herren Erziehungsdirektor Peter Schmid, Willy Grolimund, Rektor Handelsschule, sowie Kantonsarchitekt Alfred Oppikofer.
2. Vorstellung und Beratung der Vorlage
Als Erstes liess sich die Kommission darlegen, dass die bauliche Möglichkeit des neuen Nordtraktes nicht eine neue Idee darstellt, sondern bereits im ursprünglichen Projekt als mögliche Erweiterung enthalten war, und dass jetzt die Schaffung zusätzlicher Schulzimmer aufgrund des rasch gewachsenen Zustroms zur Handelsschule notwendig geworden ist.
Im Weiteren liess sich die Kommission erläutern, dass die Suche nach Raum nicht leicht genommen wurde, sondern dass als Alternative zum Erweiterungstrakt Varianten geprüft wurden, wie sie auch in Kapitel 3 der Vorlage aufgeführt sind:
- Die Weiternutzung mit Renovation der bisherigen Pavillons "Loog" in Münchenstein
- die Miete in Gewerberäumen in Reinach
- die Mitnutzung in bestehenden Schulhäusern in Reinach
Es musste erkannt werden, dass alle diese Varianten aus Kosten- oder betrieblichen Gründen, oder im Fall der Gemeinde Reinach wegen nicht zur Verfügung stehendem Raum, nicht in Frage kommen.
Die Kommission erhielt ebenfalls das relativ einfach zu bewerkstelligende Projekt des Nordtraktes vorgestellt, und benutzte die Gelegenheit zu einer Besichtigung der Baustelle des Hauptkomplexes der Bauten.
In der Detailberatung liess sich die Kommission verschiedene Fragen beantworten.
3. Fragen betreffend schulische Belange
- Welches sind die Gründe für die Zunahme der Schülerzahlen ?
- Beim KV Reinach nehmen die Schülerzahlen aus folgenden Gründen zu:
- Das Angebot an kaufmännischen Lehrstellen ist in den letzten Jahren zurückgegangen.
- Die kaufmännische Berufstätigkeit ist in den letzten Jahren anspruchsvoller geworden und verlangt eine bessere Ausbildung.
Beide Gründe verstärken denTrend, die kaufmännische Grundausbildung in einer Vollzeitschule vorzunehmen.
- Das Angebot an Lehrstellen bei der zweijährigen Bürolehre ist fast ganz zurückgegangen. Dies drängt noch mehr junge Leute mit schwächeren schulischen Leistungen in die einjährige kaufmännische Vorbereitungsschule (KVS), aber auch in die DMS2.
- Eine Prognose ist schwierig. Eine weitere Zunahme ist nicht erwünscht und wird nicht mehr erwartet, da der Arbeitsmarkt nicht mehr junge Leute im Bereich der kaufmännischen Berufe aufnehmen kann. Sollte wider erwarten eine Zunahme erfolgen, so ist ein weiterer Ausbau in Reinach aus räumlichen und schulorganisatorischen Gründen nicht mehr sinnvoll. Dann müsste das Angebot vermutlich in Muttenz erweitert werden (zusammen mit der DMS2 in Muttenz wegen der Querverbindung zur Schule in Liestal). Ein weiteres Ansteigen bei der kaufmännischen Ausbildung wäre vermutlich verbunden mit einem Rückgang bei der gewerblichen oder gymnasialen Ausbildung. Das würde zu einer geringeren Raumbelegung in Muttenz führen.
- Im Rahmen des 10. Schuljahres (Brückenangebot) wird gemeinsam mit Basel nach einer besseren Lösung gesucht. Diese Lösung soll bis zum Schulbeginn 1999 realisiert werden. Dies dürfte für die KVS eine Entlastung bringen.
- Die geburtenstärksten Jahrgänge verlassen zur Zeit die Sekundarstufe I. Bei den Geburten ist andererseits wieder eine Zunahme festzustellen. Die Planung der Schulhäuser ist auf mittlere Werte abzustellen.
- Wird das Schulhaus genügend gross, und wie ist die weitere Entwicklung ?
Nach Fertigstellung des Erweiterungstraktes fehlen immer noch 4 Klassenzimmer. Dieses Defizit wird bewusst in Kauf genommen. Man will keine Ueberkapazitäten schaffen. Wenn die Klassenzahl bis 2002 nicht abnehmen sollte, wird die Gemeinde Reinach im Schulhaus Lochacker vier Klassenzimmer zur Verfügung stellen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Kanton über die Schulhäuser der Sekundarstufe I verfügen und in diesem Bereich über die Zuteilung von Schulraum direkt entscheiden können. Dies wird die Situation in Reinach wesentlich vereinfachen.
Beim Fachlehrersystem kann man in einem Schulhaus von 22 Klassenzimmern 28 Klassen unterbringen (Prinzip der Wanderklassen).
- Könnte die Schule in Breitenbach beigezogen werden ?
Eine Verlagerung der kaufmännischen Ausbildung von Reinach nach Breitenbach ist nicht sinnvoll: In Breitenbach gibt es keine Handelsmittelschule. Für eine sinnvolle Führung einer Handelsmittelschule (vertretbare Grösse bei den Wahlpflichtfächern und Freifächern) braucht es ca. 12 Klassen. Eine solche Grösse kann in Breitenbach nicht erreicht werden.
- Wie gross ist das Einzugsgebiet ?
Das Einzugsgebiet der Handelsschule KV in Reinach umfasst die beiden Bezirke Arlesheim und Laufental sowie das solothurnische Dorneck-Thierstein.
- Welches ist das Bildungsangebot dieser Schule ?
- dreijährige Handelsmittelschule HMS: Vollzeitschule, eidg. Handelsdiplom, kaufmännische Berufsmatura.
- einjährige Kaufmännische Vorbereitungsschule KVS. Vollzeitschule, Vorbereitung auf kaufmännische Berufslehre und z.T. die Handelsmittelschule, häufig anstelle der fehlenden Bürolehre, Teil eines 10. Schuljahres.
- Höhere Kaufmännische Gesamtschule HKG: berufsbegleitend, drei Jahre, 12 Lektionen pro Woche, unteres bis mittleres kaufmännisches Kader.
- Kurse + Lehrgänge: verschiedene Kurse für Erwachsene im Bereich Büro + Sekretariat, Fremdsprachen und Informatik.
Die kaufmännischen Lehrlinge des Bezirks Arlesheim werden an der Handelsschule KV in Basel ausgebildet.
4. Fragen betreffend bauliche Belange
- Gibt es, abgesehen vom neuen Nordtrakt, weitere Ausbaumöglichkeiten auf dem Gelände ?
Dies ist nicht der Fall, ausser der vorgesehenen Möglichkeit für die Gemeinde, im westlichen Teil des Areals bei Bedarf einen Kindergarten zu erstellen. Das Areal ist durch die zusätzlichen Schultrakte stark ausgenutzt. Demgemäss wurde auch von einer Aufstockungsmöglichkeit bewusst abgesehen.
- Sind die Belange der Hauswartung genügend berücksichtigt worden ?
Ja, im Rahmen des Möglichen, wobei es auch hier darum ging, die Interessen der verschiedenen, am Projekt und am Bau beteiligten Seiten auf einen Nenner zu bringen. Bezogen auf den ganzen, derzeit im Bau befindlichen Bautenkomplex werden genügend Diensträume geschaffen, die Ausrüstung ist noch festzulegen.
- Ist die Rollstuhlgängigkeit der Bauten gewährleistet ?
Unsere öffentlichen Bauten werden den einschlägigen Richtlinien des Bauens für Behinderte entsprechend geplant und ausgeführt, so auch die Schule Egerten. Die ganze Gebäudegruppe wird inklusive dem neuen Nordtrakt rollstuhlgängig. Unter anderem verbindet ein genügend gross dimensionierter Lift sämtliche Stockwerke und dient auch für die verschiedenen Transporte.
- Ist ein Honorarumfang von 15 % für diesen Nordtrakt gerechtfertigt ?
Dadurch, dass es sich nicht nur um das Architektenhonorar handelt, sondern auch die Honorare sämtlicher Ingenieursparten inbegriffen sind, stimmt der Rahmen. Für den Nordtrakt geht es nicht um völlig neue, separate Honoraraufträge, sondern um Zusätze zu den bisherigen Verträgen, welche eine baukostenabhängige Honorierung beinhalten. Dabei ist es klar, dass nur Leistungen vergütet werden, welche auch effektiv zu erbringen sind.
- Gegen den Hauptgebäudekomplex waren 1995 mehrere Einsprachen erhoben wor- den. Welches waren die Einsprachegründe, die Zeitverzögerungen und die ausgelösten Mehrkosten ?
Gesamthaft ergingen 7 Einsprachen, alle von Seiten der Nachbarn. Die angegebenen Gründe waren vielfältig und betrafen die angebliche Uebernutzung der dortigen Zone für öffentliche Werke und Anlagen, Immissionen des öffentlichen Cafés, der Gemeindebibliothek und infolge zusätzlichen Verkehrs, Parkierungsfragen und die Umgebungsgestaltung. Der Zeitraum, über den sich die Einspracheverhandlungen inkl. 2 Rekurse erstreckten, betrug rund 1 1/2 Jahre bis zur Baubewilligung im November 1996. Die effektive Zeitverzögerung muss ab ursprünglich geplantem Baubeginn April 1996 gerechnet werden und macht demgemäss rund 8 Monate aus. Mehrkosten entstanden aus der länger dauernden Miete des Containerprovisoriums und aus Installationsprovisorien und beliefen sich auf rund 200 000.-- Franken, den Verwaltungsaufwand allerdings nicht eingerechnet.
5. Abstimmung
Die Kommission kam zur Ueberzeugung, dass es sich beim beantragten Nordtrakt um eine sinnvolle und auch notwendige Ergänzung der Schulanlage Egerten handelt. Demgemäss stimmte sie der Vorlage und dem Landratsbeschluss mit 10 gegen 1 Stimme zu.
6. Antrag
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen und der Abstimmung beantragt die Bau- und Planungskommission dem Landrat, dem beiliegenden Entwurf zum Landratsbeschluss zuzustimmen.
Binningen, 18. Februar 1998
Im Namen der
Bau- und Planungskommission
der Präsident: R. Felber
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