Universitäts-Kinderspital beider Basel
Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1998-227 vom 3. November 1998
Universitäts-Kinderspital beider Basel
Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen
1. Zusammenfassung
Das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) ist ein von den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt gemeinsam getragenes und betriebenes Kinderspital mit Universitätskliniken und -polikliniken an den beiden Standorten Bruderholz und Römergasse Basel-Stadt. Der Baselbieter Souverän hat am 27. September 1998 der entsprechenden Spitalgesetzänderung mit einem Ja-Anteil von rund 85% zugestimmt. Die neue selbständige Institution nimmt am 1. Januar 1999 ihren Betrieb auf.
Die medizinisch/pflegerischen Leistungen werden auf die zwei Standorte schwerpunktemässig aufgeteilt, wobei die Grundversorgung an beiden Standorten über 24 Stunden angeboten wird. Mit der Aufteilung des Leistungsspektrums ist das bestehende Kinderspital im Kantonsspital Bruderholz (KSB) an die neuen, zusätzlichen Nutzeranforderungen im Bereich Chirurgie und Orthopädie anzupassen.
Um einen optimalen Betrieb gewährleisten zu können, sieht das vorliegende Projekt bauliche Anpassungen in vier Teilbereichen vor:
A Umnutzung der ehemaligen Notfall-Operationssäle des KSB zum Kinder-Operationsbereich UKBB mit 2 Operationssälen, Aufwachraum und dazugehörigen Nebenräumen
B Anpassungen in der Kinderklinik durch Schwerpunkte stationäre Chirurgie und Orthopädie auf den Bettenstationen und der Poliklinik sowie Einbau der Kinderintensivstation
C Umnutzung der Personalzimmer im 4. - 6. Obergeschoss des Personalwohnhaus A zu Büros
D Schaffung eines direkten, gedeckten Verbindungsweges zwischen Kinderklinik und Haus A der Personalwohnsiedlung
Der erforderliche Verpflichtungskredit beträgt Fr. 6'200'000.--.
Die rechtlichen Grundlagen für den Betrieb des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) bilden das Spitalgesetz des Kantons Basel-Landschaft vom 24. Juni 1976, das Spitaldekret vom 18. Oktober 1976 und die vom Landrat am 11. Juni 1998 beschlossene Änderung derselben, sowie der Vertrag zwischen den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft über das Universitäts-Kinderspital beider Basel (Kinderspitalvertrag) vom 16. Februar 1998.
In der Volksabstimmung vom 27. September 1998 stimmte das Baselbieter Stimmvolk der Änderung des Spitalgesetzes zu.
3.1. Einbindung in Gesamtplanung
Durch die Zusammenführung der beiden Kinderkliniken auf dem Bruderholz und in der Stadt Basel zum Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) werden bestehende Doppelspurigkeiten weitgehend abgebaut. Die Leistungsaufteilung auf die beiden Standorte wird so festgelegt, dass auf dem Bruderholz in erster Linie die operativen Disziplinen Chirurgie und Orthopädie und in der Stadt Basel schwergewichtig die Pädiatrie angesiedelt werden.
| Bruderholz | Basel |
| Stationäre Orthopädie und Chirurgie | Ambulante und teilstationäre Chirurgie |
| Stationäre Neuropädiatrie | Stationäre Schwerpunkte Pädiatrie
(ohne Neuropädiatrie) |
| Grundversorgung Pädiatrie | Grundversorgung Pädiatrie |
| IPS; Neonatologie (ergänzend) | Neonatologie; IPS (ergänzend) |
| Notfall operative Disziplinen und einfache pädiatrische Notfälle | Notfall Pädiatrie und einfache chirurgische Notfälle |
| Polikliniken Neuropädiatrie und operative Disziplinen | Alle anderen Polikliniken (Pädiatrie, interdisziplinär) |
| Querschnittsfunktionen | Querschnittsfunktionen |
( fett = Schwerpunkt)
Das Kantonsspital Bruderholz (KSB) führt seit seiner Betriebsaufnahme 1973 auch eine Kinderklinik mit rund 70 Betten. Diese ist bis heute Teil des Gesamtspitals und darin vollständig integriert. Mit Ausnahme der Bettenstationen verfügt die Kinderklinik somit auf dem Bruderholz derzeit nur teilweise über eigene bauliche und betriebliche Infrastruktur. Die operativen Eingriffe im Bereich der Chirurgie und Traumatologie werden in den gemeinsam betriebenen, zentralen Operationssälen (OPS) vorgenommen. Die Intensivpflege (IPS) findet ebenso zusammen mit der Erwachsenen-IPS statt.
Die Dienstleistungen der medizinischen Querschnittsfunktionen wie Anästhesie, Radiologie, Labor, Apotheke sowie Dienstleistungen der Zentralen Dienste wie Küche, Reinigungsdienst, Technischer Dienst, Verwaltung etc. werden heute für das Erwachsenenspital wie für die Kinderklinik erbracht.
3.3. Künftige Situation und Ziele
Im Gegensatz zur Kinderklinik auf dem Bruderholz verfügt das Kinderspital Basel weitgehend über die erforderliche bauliche und betriebliche Infrastruktur eines Universitätsspitals. In den Bereichen medizinische Bildgebung (CT, MRI), Labor und in einzelnen chirurgischen Fächern findet eine enge Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Basel statt.
Durch die Zusammenlegung der beiden Kinderkliniken zum UKBB als eigenständiges Unternehmen mit universitärem Status müssen nun am Standort Bruderholz einige bauliche und betriebliche Massnahmen getroffen werden. Dies auch deshalb, weil die im Erwachsenenspital heute vorhandene Kapazität an ausreichend ausgerüsteten Operationssälen zu gering ist und geeignete Intensivpflegeplätze in der Kinderklinik nicht vorhanden sind, um den zusätzlichen Bedarf des UKBB abzudecken. Es ist deshalb vorgesehen, die zwei vom KSB derzeit wenig genutzten Notfall-OPS so anzupassen, dass sie den Anforderungen (Raumklasse, Grösse) des UKBB genügen und diesem mietweise zur Verfügung gestellt werden können. Ausserdem sollen ein eigener Kinder-Aufwachraum und eine eigene Kinder-IPS entstehen.
Aufgrund der Analyse der heutigen OPS-Auslastungen im KSB sowie im Kinderspital Basel ist zukünftig mit einer Beanspruchung von 2,2 OPS durch das UKBB am Standort Bruderholz zu rechnen. Im Falle von Engpässen in den beiden Kinder-OPS ist vorgesehen, dass das UKBB in Absprache mit dem KSB auf die Erwachsenen-OPS zurückgreifen kann.
Die beiden Standorte Bruderholz und Basel sollen in Bezug auf ihr medizinisches, pflegerisches Angebot möglichst ausgewogen und gleichgewichtig sein. Aus diesem Grund werden künftig am Standort Bruderholz weit mehr Ärzte und Pflegepersonal tätig sein, als dies heute der Fall ist. Die erforderlichen Büroräumlichkeiten, Aufenthaltsräume und Garderoben müssen bereitgestellt werden. Das Gebäudevolumen der Kinderklinik reicht nicht aus, um diese Räume darin unterzubringen. Das UKBB wird in der Personalwohnsiedlung (Haus A) die obersten drei Stockwerke mietweise übernehmen und als Bürotrakt betreiben. Die örtliche Trennung von Klinik und Büroräumlichkeiten ist nicht optimal. Um Betriebsabläufe nicht unnötig zu komplizieren, soll zwischen den beiden Häusern ein gedeckter Verbindungsweg (Luftlinie rund 90 m) erstellt werden.
3.4. Bisherige Planungsschritte
Im Juni 1997 haben der Grosse Rat und der Landrat dem von den beiden Regierungen als partnerschaftliches Geschäft beantragten Projektierungskredit zur Schaffung eines gemeinsamen Universitäts-Kindespital beider Basel an zwei Standorten zugestimmt.
Zur Lösung der vielschichtigen Problemstellungen medizinischer, struktureller, organisatorischer und rechtlicher Art wurden ab August 1997 fünf Arbeitsgruppen (AG) zu den Themenbereichen Leistungsangebot, Personalwesen, Infrastruktur und Raumfragen, Finanz- und Rechnungswesen sowie Trägerschaft / Staatsvertrag gebildet.
Die 'AG Infrastruktur und Raumfragen' befasste sich mit Anpassungen der Infrastruktur an beiden Standorten, insbesondere dem Raumprogramm und der technischen und EDV-mässigen Infrastruktur. Zudem waren Fragen des Transportes von Personal und Material zwischen beiden Standorten sowie des Datentransfers zu klären.
Innerhalb der 'AG Infrastruktur und Raumfragen' hatte der 'Ausschuss Raumprogramme' die Aufgabe die bauliche Situation im KSB zu beurteilen und möglichst einfache Umsetzungsvarianten auszuarbeiten.
Baukreditvorlage
Für die konkrete Planung der Umbau- und Anpassarbeiten im KSB wurde im Mai 1998 die 'AG Baukreditvorlage UKBB' unter der Leitung des Verwalters Kinderspital BS, Dr. P. Oeschger mit zwei Vertretern KSB und je einem Vertreter Kinderspital BS und Hochbauamt BL eingesetzt. Auf den Grundlagen des Ausschusses Raumprogramme aufbauend wurde die vorliegende Baukreditvorlage ausgearbeitet.
EDV-Kredit
Ein Spitalbetrieb an zwei Standorten bedingt ein gut ausgebautes Kommunikationssystem. Vorgesehen sind sowohl ein Wide-Area-Network (WAN) zwischen, als auch ein Local-Area-Network (LAN) an beiden Standorten. Ausserdem müssen verschiedene Software-Pakete installiert und die bestehenden Daten in das neue EDV-System übernommen werden. Diese Investitionen sind nicht Teil dieser Baukreditvorlage. Die entsprechenden Mittel werden im Rahmen des UKBB-Globalbeitrages beantragt.
Medizintechnik-Kredit UKBB
Im Zusammenhang mit dem OPS-Umbau sowie mit dem Bau einer Intensivpflegestation müssen auch Investitionen in medizinische Geräte und Infrastruktur getätigt werden. Die entsprechenden Mittel werden ebenfalls im Rahmen des UKBB-Globalbeitrages beantragt.
Telefonvermittlungsanlage KSB
Im 1. Quartal 1998 wurden die Planungsarbeiten zur Erneuerung der Telefonvermittlungsanlage (TVA) im KSB aufgenommen. Durch die frühzeitige Aufnahme dieser Arbeiten ist die Koordination und Vernetzung zwischen den Telefonanlagen KSB und UKBB gewährleistet. Die Erneuerung der TVA KSB wird zu einem späteren Zeitpunkt mit einer separaten Baukreditvorlage beantragt.
Um den zusätzlichen Nutzeranforderungen des UKBB, insbesondere im Bereich Chirurgie und Orthopädie gerecht zu werden und einen optimalen Betrieb am Standort Bruderholz gewährleisten zu können, sind bauliche Massnahmen in vier voneinander unabhänigigen Teilbereichen notwendig. Mit Ausnahme eines Verbindungsweges können alle erforderlichen Massnahmen innerhalb des bestehenden Bauvolumens durch Umbauten realisiert werden.
Operationstrakt
Um die Operationen des UKBB (Kinderchirurgie und -orthopädie) in der zu erwartenden Zahl und um einen selbständigen und losgelösten Betrieb des UKBB zu ermöglichen, sollen diese zukünftig im heutigen septischen OP-Bereich (ehemalige Notfall-OPS) durchgeführt werden. Durch diese Umnutzung kann für das UKBB an zentraler Lage und in direkter Verbindung zur neuen Notfallstation ein eigener, kindergerechter Operationsbereich mit den dazugehörigen Nebenräumen geschaffen werden.
Kinderklinik
Die heutige Neonatologie KSB wird um eine Kinderintensivstation erweitert und deshalb flächenmässig vergrössert. Die räumlichen Anpassungen der Bettenstationen und der Poliklinik werden auf das Notwendigste beschränkt. Zusätzlich sind Sanierungsmassnahmen der Haustechnik im Bereich Elektro, Lüftung, Brandschutz und teilweise Sanitär unabdingbar.
Personalwohnsiedlung (PWS)
Im 4. bis 6. Obergeschoss des Haus A der PWS werden die zugunsten von Untersuchungsräumen in der Poliklinik aufgehobenen Büros der Kinderklinik untergebracht sowie der gegenüber der heutigen Situation erhöhte Bürobedarf des UKBB abgedeckt. Die ehemaligen Personalzimmer bleiben dabei in ihrer Struktur bestehen und werden wo nötig renoviert.
Verbindungsweg
Da praktisch alle Büroarbeitsplätze in der PWS untergebracht sind und die Patientenbetreuung und -behandlung in der Kinderklinik resp. dem Operationstrakt stattfindet, muss das UKBB-Personal mehrmals pro Tag in Spitalkleidung und mit Unterlagen bepackt den Weg zwischen der Kinderklinik und der PWS bei jeder Witterung rasch und sicher zurücklegen können.
Um die Betriebsabläufe nicht unnötig zu erschweren und die Wegdistanzen zwischen Büroarbeitsplatz, Patientenstationen und Operationstrakt für das UKBB-Personal minimal zu halten, soll zwischen der Kinderklinik und der PWS ein direkter, gedeckter Verbindungsweg erstellt werden.