Neukonzeption von Brückenangeboten

Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1998-240 vom 17. November 1998


Neukonzeption von Brückenangeboten


Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen





2 Konzept für eine mit Basel-Stadt koordinierte Führung von Brückenan- geboten

Brückenangebote sind Bestandteile der Sekundarstufe II und dienen dem Übergang in eine daran anschliessende Berufsbildung. Sie stehen denjenigen Jugendlichen zur Verfügung, denen der Anschluss nicht auf direktem Weg gelingt. Sie unterstützen die Jugendlichen bei der Berufswahl und helfen ihnen bei der Erarbeitung derjenigen Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen, die für das Erlernen eines Berufes notwendig sind. Sie geben den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu machen, und erleichtern ihnen damit den Übergang aus dem Schulleben ins Erwachsenenleben. Damit tragen sie dazu bei, dass Betriebe qualifizierten Nachwuchs finden, dass die Zahl der Lehrabbrüche reduziert wird, dass mehr Jugendliche eine Berufsausbildung machen, dass dafür weniger Jugendliche auf der Strasse stehen.


Abschlusszertifikate geben bei allen Brückenangeboten Auskunft über die erworbenen Fähigkeiten. Da vergleichbare Schulen in beiden Kantonen gleich heissen und vergleichbare Anforderungen stellen, wird die Aussagekraft von Zeugnissen wesentlich besser sein als heute.


Brückenangebote müssen differenziert sein, um den Bedürfnissen der Schüler und Schülerinnen (und der Abnehmerinnen und Abnehmer) möglichst genau zu entsprechen. Trotzdem sollen sie überschaubar bleiben. Diese Forderungen berücksichtigt das vorgeschlagene Konzept.




2.1 Modell 2 + 2



Zwei schulische Brückenangebote mit unterschiedlichen Anforderungsniveaus verbessern neben der Sozialkompetenz vor allem die schulische Leistungsfähigkeit (insbesondere in den Basisfächern Deutsch und Mathematik) der Schüler und Schülerinnen.


Das Angebot Basis richtet sich an die Schüler und Schülerinnen der Berufswahlklassen und der Weiterbildungsschule / Grundniveau BS.


Jugendliche, die das Schuljahr Basis erfolgreich abschliessen, sind fähig, eine Lehre anzutreten, die im schulischen Bereich durchschnittliche Anforderungen stellt.


Das Angebot plus ist zugeschnitten auf Schülerinnen und Schüler aus der Sekundarschule und aus der Weiterbildungsschule / Erweiterungsniveau.


Am Ende des Schuljahres plus sind die Absolventen und Absolventinnen in der Lage, eine Lehre anzutreten, die im schulischen Bereich überdurchschnittliche Anforderungen stellt (ev. zusätzlich Berufsmaturität).


Zwei kombinierte Brückenangebote ( Vorlehren ) ergänzen den Schulteil durch einen bedeutenden Praxisteil ausserhalb des Klassenzimmers.


Die (berufsorientierende) allgemeine Vorlehre A verhilft Jugendlichen mit knappen Schulleistungen in erster Linie zu wichtigen Erfahrungen in der Erwachsenenwelt und zur Berufswahl. Dadurch trägt sie zur Verbesserung des Arbeitsverhaltens bei. Damit und durch das Füllen von schulischen Lücken werden die Voraussetzungen für den Übertritt ins Berufsleben geschaffen.


Die berufsfeldausgerichteten Vorlehren B richten sich an Jugendliche, die bereits klare (und realistische) Vorstellungen von ihrem zukünftigen Beruf haben. Sie vermitteln neben Schulwissen auch Kenntnisse, die im entsprechenden Berufsfeld von spezieller Bedeutung sind.


Firmen und Branchenverbände, die an qualifiziertem Nachwuchs interessiert sind, werden Hand zur Zusammenarbeit bieten; wo kein Nachwuchs gebraucht wird, sind berufsfeldausgerichtete Vorlehren überflüssig.




2.2 Schulträger


Schulische Brückenangebote


Schulisches Brückenangebot Basis (SBA Basis)


Dieses wird in Basel-Stadt für Jugendliche aus beiden Kantonen angeboten.


SBA plus


Im Kanton Basel-Landschaft wird das schulische Brückenangebot plus parallel zur DMS 2 am BZM in Muttenz geführt.


Mit der Realisierung wird der Kaufmännische Verein Baselland (analog zur DMS 2) beauftragt.


Basel-Stadt baut ein entsprechendes Angebot für Jugendliche aus der Stadt auf.




Kombinierte Brückenangebote (Vorlehren)


Sie sollen möglichst praxisnah, also an den Berufsschulen geführt werden:


Allgemeine Vorlehre A


Sie wird bereits als "Vorlehre Baselland" an der GIBS Liestal geführt. Sie ist offen für Jugendliche aus BL (zur Zeit drei Klassen).


Basel-Stadt führt ein analoges Angebot für die eigenen Jugendlichen.


Berufsfeldausgerichtete Vorlehren B


Sie sollen an denjenigen Berufsschulen geführt werden, die auch den entsprechenden Berufsschulunterricht anbieten, kaufmännische Vorlehren also an den Handelsschulen des Kaufmännischen Vereins, die Vorlehre Metall Münchenstein organisatorisch an der GIBS Liestal (Schulort für Polymechaniker) usw.


Basel-Stadt wird die (auch für Baselbieterinnen und Baselbieter offenen) Vorkurse als berufsfeldausgerichtete Vorlehren weiterführen.


Die notwendigen Praktikumsplätze werden sicher nur mittelfristig zu finden sein. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass die bestehenden Vorkurse nur schrittweise durch Vorlehren B abgelöst werden können.




2.3 Information und Triage


Heute ist es für Jugendliche und ihre Eltern praktisch unmöglich, einen wirklich umfassenden Überblick über alle vorhandenen Brückenangebote zu erhalten, vergleichbare Informationen existieren nicht.


Die Anmeldetermine sind von Schule zu Schule unterschiedlich, Absprachen über die Aufnahme gibt es nur in Ausnahmefällen.


Deshalb soll in Basel-Stadt und in Basel-Landschaft beim Amt für Berufsbildung und Berufsberatung je eine Triagestelle geschaffen werden. Alle Anmeldungen für Brückenangebote laufen über die Triagestelle des Wohnkantons. Die beiden Triagestellen arbeiten eng zusammen. Sie kennen das ganze Angebot und die gesamte Nachfrage und können Informationen für Eltern und Jugendliche, abgebende Schulen, Berufsberatungsstellen und Öffentlichkeit erarbeiten. Damit sorgen sie für bessere Entscheidungsgrundlagen und tragen bei zu einer gezielteren Schulwahl.


Je eine zentrale Triagestelle pro Kanton wird dafür verantwortlich sein, dass alle Interessentinnen und Interessenten des eigenen Kantons sinnvoll auf die vorhandenen Plätze verteilt werden (Triage). Massgebend für ihre Entscheide werden die begründeten Wünsche von Jugendlichen und Eltern, Empfehlungen von abgebenden Schulen und Berufsberatung sowie gegebenenfalls eigene Abklärungen sein.


Die beiden Triagestellen werden auch in der Lage sein, an die Erziehungs- und Kulturdirektion Basel-Landschaft bzw. den Erziehungsrat Basel-Stadt Anträge auf Anpassung (allenfalls Erweiterung oder Reduktion) von Brückenangeboten zu stellen.




2.4 Veränderungen gegenüber der heutigen Situation


Im Kanton Basel-Landschaft sind gegenüber dem heutigen Zustand folgende Änderungen vorzusehen:


• Diejenige Kategorie von Schülerinnen und Schüler, die bisher das 10. Schuljahr der Berufswahlschule Basel besuchte, wird neu das Schulische Brückenangebot Basis in Basel-Stadt besuchen.


• Schüler und Schülerinnen, die neu das Schulische Brückenangebot plus in Muttenz besuchen werden, werden in erster Linie die DMS 2 entlasten.


Allgemeine Vorlehre A : Grundsätzlich keine Änderung gegenüber dem aktuellen Stand.


Berufsfeldausgerichtete Vorlehren B existieren in ähnlicher Form bereits in beiden Kantonen.


Koordinierte Planung, Information und Zuteilung werden dazu beitragen, dass die notwendigen (auch in den Augen der Abnehmerinnen und Abnehmer) Vorlehren angeboten und von interessierten und motivierten Jugendlichen besucht werden. Zugelassen werden sollen Interessierte unabhängig vom Wohnkanton.



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