Amtsbericht 1998 des Regierungsrates
Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1999-040 vom 2. März 1999
Amtsbericht 1998 des Regierungsrates
Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen
11 Kantonale Psychiatrische Dienste
11.1 Organisation
Bis zum Berichtsjahr wurde erst in den Externen Psychiatrischen Diensten (EPD), im Kantonalen Altersheim (KAL) und im Wohnheim Windspiel mit einem Leistungsauftrag im Sinne der wirkungsorientierten Verwaltungsführung gearbeitet. Im Berichtsjahr wurde auch für die Kantonale Psychiatrische Klinik (KPK), den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst
(KJPD), die Drogenberatung (DBL), die Abteilung Arbeit und Beschäftigung und das Wohnheim Wägwiiser ein Leistungsauftrag erarbeitet. Zudem wurden die (Teil-)Leistungsaufträge für die einzelnen Teilinstitutionen in einen die ganzen Kantonalen Psychiatrischen Dienste (KPD) umfassenden Leistungsauftrag integriert. Gleichzeitig wurde die Aufbauorganisation der KPD neu gegliedert. Die Teilinstitutionen wurden in den Ressorts Psychiatrie, Behinderte und Betagte zusammengefasst. In einem vierten Ressort sind die Infrastrukturdienste organisiert. Angepasst wurden ebenfalls die Leitungsgremien der KPD. Auf der obersten Führungsebene hat sich die erweiterte Leitung KPD definitiv etabliert. Für alle Teilinstitutionen wurden geschäftsleitende Ausschüsse geschaffen.
11.2 Personelles
Wie im nachfolgenden Kapital "11.3 Leistungsausweis" beschrieben, war in der Berichtsperiode im Ressort Psychiatrie ein relevant erhöhtes Patientenaufkommen zu verzeichnen. Der dadurch entstandenen Mehrbelastung konnte bei den EPD mit zusätzlichen Stellen und flexiblen Pensen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen begegnet werden. Auch in der KPK musste aus demselben Grund zusätzliches Personal eingesetzt werden. Im Zusammenhang mit der Zunahme der Pflegebedürftigkeit der Bewohner und Bewohnerinnen wurde zudem im KAL der Personaletat erhöht.
Gross war in der Berichtsperiode auch die Belastung der technischen und administrativen Dienste der KPD. Die Ursache des ersteren liegt hauptsächlich bei den laufenden Bauprojekten. Der zum Teil bedenklich zunehmende Aufwand in administrativer Hinsicht hängt konkret mit der sich schwierig gestaltenden Zusammenarbeit mit den Krankenversicherern zusammen, aber auch mit dem - notwendigen - aktuellen Wandel in der Führung von Gesundheitswesen und Verwaltung.
Der Personalbestand inkl. Auszubildende hat sich gegenüber dem Vorjahr in den KPD von 538 auf 568 erhöht; im KAL ist er von 109 auf 106 zurückgegangen. Ende Jahr wiesen die KPD 430,71 (1997: 432,96) und das KAL 75,15 (1997: 75,92) Stellen aus.
11.3 Leistungsausweis
11.3.1 Kantonale Psychiatrische Klinik
Die Leistungszahlen zeigen eine starke Zunahme der Klinikeintritte, ein wiederum markanter Rückgang der Aufenthaltsdauer und erstmals seit Jahren in allen Bereichen auch eine leichte Zunahme der Pflegetage. Der Anstieg entspricht einem gesamtschweizerischen Trend, der wahrscheinlich komplexe Ursachen hat. Die Zahlen bedeuten vor allem, dass die Akutabteilungen einen stark erhöhten Wechsel der Patientinnen und Patienten bewältigen mussten, was sie zeitweise an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit brachte. Den Mehranforderungen konnte durch zusätzliche personelle Kräfte teilweise entsprochen werden.
| Total PatientInnen: 983 | |
| 0 - 30 Tage | 64,2 % |
| 31 - 60 Tage | 14,5 % |
| 61 - 90 Tage | 5,1 % |
| über 90 Tage | 16,2 % |
| Statistik nach H+ | Rechnung 1998 | Rechnung 1997 |
| Stationäre Patienten | 1 316 | 1 116 |
| Bettenbestand (ab 1.11.1997) | 204 | 204 |
| Pflegetage: - Akutpsychiatrie - Langzeit/Rehabilitation - Geriatrische Psychiatrie - Wohngruppe Bulimie |
19 155 19 232 30 410 776 |
19 029 19 092 30 006 378 |
| Pflegetage total | 69 573 | 68 505 |
| o Pflegedauer in Tagen | 52.9 | 61.4 |
| o Bettenbelegung in % | 93.44 | 86.45 |
| Staatsbeitrag pro Pflegetag | 19844 | 19475 |
| Kosten pro Pflegetag | 47385 | 46730 |
| Ertrag pro Pflegetag | 27541 | 27255 |
| Staatsbeitrag in % | 41.88 | 41.68 |
11.3.2 Externe Psychiatrische Dienste
In den EPD haben die Patientenzahlen wiederum zugenommen: um rund 22 % von 2 174 (1997) auf 2 657 (1998). Ausserdem haben die EPD kontinuierlich das von vielen Patientinnen und Patienten gewünschte Angebot an komplementärmedizinischen Methoden ausgebaut.
Sehr hoch war auch die Belegung der Tagesklinik in Liestal und der neu eröffneten Tagesklinik in Münchenstein.
11.3.3 Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst
Mit 1 178 Patienten (1997: 1 140) hielt sich die schwache, aber konstante Zunahme der Patientenzahlen im ambulanten Bereich im Rahmen der Vorjahre. In der Diagnosestatistik vergrösserte sich die Anzahl psychiatrischer Behandlungen kriegstraumatisierter Personen. Diese Patientengruppe fällt jedoch wegen der grossen psychischen Belastung des therapeutischen Teams überproportional ins Gewicht.
Im vom KJPD betreuten stationären Bereich ist ein grösserer Zuwachs bei den Pflegetagen von Jugendlichen in der KPK zu verzeichnen. In der Kinderklinik konnten aus Kapazitätsgründen nicht alle Jugendlichen aufgenommen werden. Sie mussten gelegentlich ausserkantonal hospitalisiert werden. Durch den unerwarteterweise notwendig gewordenen Umzug der Wohngruppe für Patientinnen mit Essstörungen in ein neues Logis (siehe Kapitel
11.4.5 Bauliches
) konnten hier die budgetierten Pflegetage trotz anhaltend grosser Nachfrage nicht erreicht werden.
11.3.4 Drogenberatung Baselland
Die Jahresstatistik der Drogenberatung Baselland zeigt eine erneute Zunahme der behandelten Fälle (1998: 1001, 1997: 899). Bei einem Viertel aller Fälle ist es gelungen, einen regulären Abschluss mit einem positiven Behandlungsergebnis zu erreichen.
Bei der Planung neuer Projekte lagen die Schwerpunkte in der Zusammenarbeit mit stationären Einrichtungen und bei der Abgabe von Betäubungsmitteln (Heroin) durch die DBL.
11.3.5 Heime
Im angestrebten Rahmen voll belegt waren unsere Wohnheime Windspiel und Wägwiiser. Im ebenfalls voll belegten Kantonalen Altersheim musste wiederum eine Zunahme der Pflegebedürftigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner verzeichnet werden.
| KAL, Statistik nach H+ | 1998 | 1997 |
| Bettenbestand | 110 | 110 |
| Pflegetage total | 38 035 | 38 006 |
| o Bettenbelegung in % | 94.73 | 94.4 |
| Staatsbeitrag pro Pflegetag | 2165 | 6925 |
| Kosten pro Pflegetag | 25215 | 25484 |
| Ertrag pro Pflegetag | 23050 | 18559 |
| Staatsbeitrag in % | 8.6 | 2718 |
11.3.6 Betriebsrechnung KPD und KAL
Die Rechnung 1998 zeigt wiederum ein sehr positives Ergebnis:
| Aufwand Fr. |
Ertrag Fr. |
Staatsbeitrag Fr. |
|
| KPK Windspiel Wägwiiser EPD KJPD DBL KAL |
32 967 443 3 502 741 572 176 5 663 901 3 467 738 1 884 388 9 590 562 |
19 161 308 3 722 517 535 623 2 894 982 1 487 482 402 894 8 767 062 |
13 806 134 - 219 776 - 36 553 2 768 919 1 980 256 740 747 *) 740 747 823 499 |
| Total | 57 648 949 100,00 % |
36 971 869 64,13 % |
20 677 080 35,87 % |
*) Gemeindeanteil. Der Mehraufwand DBL wird zur Hälfte den Gemeinden übertragen.
Die Ertragslage der KPD hat sich wie folgt verändert:
In den Ressorts Psychiatrie und Betagte sind mit den unter 11.3.1 bis 11.3.4 erwähnten Leistungssteigerungen auch die Erträge angestiegen. In der KPK, in der für die ersten 60 Tage eine höhere Staffeltaxe abgerechnet wird, sind die Erträge an Pflegetaxen durch die Verkürzung der Aufenthaltsdauer und durch die Zunahme der Anzahl Pflegetage gestiegen. Zudem wurde in der Klinik erstmals einer Anzahl von Langzeitpatientinnen und -patienten die unter 11.4.2 erwähnte Pflegeheimtaxe verrechnet. Bei den EPD sowie beim KJPD sind die Erträge aus ambulanten Leistungen und aus der Tagesklinik sowohl höher als im Budget wie auch höher als im Vorjahr ausgefallen. Zu Mehrerträgen für die KPK, die EPD und den KJPD hat das Spitalabkommen mit dem Kanton Solothurn geführt. In der DBL fielen die Erträge in etwa gleich aus wie im Vorjahr, leicht niedriger als budgetiert. Im KAL wurden 1998 an Stelle der niedrigeren Spitaltaxen ausschliesslich die höheren Pflegeheimtaxen verrechnet. Auch in den Wohnheimen des Ressorts Behinderte sind aufgrund eines veränderten Berechungsmodus die Erträge gestiegen.
Veränderungen beim Aufwand:
Gestiegen ist der Aufwand durch die neu eröffnete Tagesklinik EPD Münchenstein, die neu eröffnete DBL in Laufen und die neue Bulimie-Wohngruppe des KJPD. Angestiegen sind zudem die Lohnaufwendungen, die im Zusammenhang mit dem ausserordentlich grossen Patientenaufkommen unumgänglich geworden sind. Ins Gewicht fallen des weiteren höhere Aufwendungen im Bereich EDV sowie erhebliche Unterhalts- und Sanierungsarbeiten bzw. Mobiliaranschaffungen im Zusammenhang mit dem Umbau der 3. Akutstation. Andererseits hat sich das straffe Kostenmanagement dämpfend auf den Personal- und Sachaufwand ausgewirkt.
Zu gewissen Aufwand- und Ertragsverschiebungen zwischen den einzelnen Teilinstitutionen hat die Anpassung der Umlageschlüssel und die neue Verrechnungspraxis innerhalb der KPD geführt.
| Staatsbeitrag in 1 000 Franken | ||||
| 1998 | 1997 | 1996 | 1995 | |
| KPK Windspiel Wägwiiser EPD KJPD DBL KAL |
13'806 - 220 37 2 769 1 980 741 740 824 |
13 342 - 1 683 - 102 2 438 2 021 710 710 2 632 |
15 188 - 92 - 9 2 555 1 989 738 **) 738 3 043 |
13 582 671 - 251 2 853 2 275 *) 1 515 3 763 |
| Total | 20 677 | 20 068 | 24 150 | 24 408 |
*) Beitrag VSD
**) Gemeindeanteil. Der Mehraufwand DBL wird zur Hälfte den Gemeinden übertragen.
Der Staatsbeitrag an die KPD und das KAL ist um insgesamt Fr. 3 159 821.-- tiefer ausgefallen als budgetiert. Auch im Vergleich zum Vorjahr weisen wir - unter Berücksichtigung von 2,55 Mio. Franken ausserordentlichen IV-Erträgen im Jahre 1997 - ein wiederum besseres Resultat bzw. einen geringeren Staatsbeitrag aus. Alle Teilinstitutionen der KPD haben zu diesem äusserst erfreulichen Ergebnis beigetragen. Werden die Fr. 520 000.-- ausserordentliche IV-Zahlungen von 1997 berücksichtigt, ist der Staatsbeitrag auch für die KPK 1998 niedriger ausgefallen als 1997 und 1996, obwohl effektiv mehr Leistungen erbracht wurden. Besonders markant hat sich der Staatsbeitrag im KAL verändert: von 27,18 % im Jahre 1997 auf 8,6 % im Jahre 1998. Pro Pflegetag beträgt der Staatsbeitrag im KAL somit noch Fr. 21.65.
11.4 Besonderes
11.4.1 Taxen 1998
Im Sommer 1997 waren die Taxverhandlungen mit den Krankenkassen gescheitert. Gegen die darauf vom Regierungsrat erlassenen Taxen haben die Krankenkassen beim Bundesrat Beschwerde eingereicht. Seither warten Kanton, Spitäler und Krankenversicherer auf einen Entscheid des Bundesrates. Folglich mussten wir im ambulanten und im stationären Bereich während der Berichtsperiode mit den Taxen 1997 provisorisch abrechnen.
11.4.2 Abkommen mit den Krankenkassen betreffend Langzeitpatienten und -patientinnen in der KPK
Mit Inkrafttreten des heutigen Krankenversicherungsgesetzes zu Beginn des Berichtsjahres wurde die Klinik mit der systematischen Ablehnung von Krankenkassen-Kostengutsprachen für längerfristige Klinikbehandlungen konfrontiert. Diese Krise konnte dank einer Vereinbarung mit den Krankenkassen konstruktiv gelöst werden. In Zusammenarbeit mit dem Vertrauensarzt des Verbandes Basellandschaftlicher Krankenkassen hat die Klinik ein standardisiertes Berichtsverfahren erarbeitet, welches die Angabe von differenzierten Kriterien zur Beurteilung der Spital- versus Pflegeheimbedürftigkeit einschliesst. Damit ist auch akzeptiert, dass die Klinik, nach einem nun zwei Jahrzehnte dauernden Prozess der Dehospitalisation, nur noch wenige Dauerpatientinnen und -patienten beherbergt. Am Jahresende hielten sich noch 24 Personen, die wegen ihres gestörten Verhaltens nirgendwo anders unterkommen können, in der Klinik auf. Diese Patienten werden unter dem Titel "Pflegeheim-Patient" abgerechnet.
11.4.3 Qualitätssicherung
Gemäss Krankenversicherungsgesetz kann der Bundesrat systematische wissenschaftliche Kontrollen der Qualität von Leistungen im Gesundheitswesen vorsehen. Die Vereinigung "H+ Die Spitäler der Schweiz" hat deshalb mit dem Konkordat der Schweizerischen Krankenversicherer einen Rahmenvertrag betreffend das Qualitätsmanagement in den Spitälern erarbeitet. Die Kantonalen Psychiatrischen Dienste sind diesem Rahmenvertrag beigetreten.
Seit September 1998 ist mit einem Pensum von vorerst 20 % eine Beauftragte für Qualitätsmanagement für die Koordination der verschiedenen Projekte innerhalb der KPD zuständig. Im Kantonalen Altersheim wird derzeit ein umfassendes, im Betagtensektor anerkanntes Qualitätsüberprüfungs- und -entwicklungskonzept eingeführt, das die Zertifizierung des Heimes zum Ziel hat.
11.4.4 Informatik
Mit Beschluss vom 8. September 1998 hat der Regierungsrat der Beschaffung eines neuen Patientenadministrationssystems zugestimmt. Mit dieser letzten Etappe wurde die 1996 begonnene Einführung des neuen Finanz- und Rechnungsinformationssystems FIBIS in die Wege geleitet.
11.4.5 Bauliches
Die Bauarbeiten für die Tagesklinik Münchenstein konnten im Sommer abgeschlossen werden. Mit einem festlichen Eröffnungsakt in Anwesenheit von Regierungsrätin Schneider und Regierungsrat Belser wurde im September die Klinik offiziell dem Betrieb übergeben.
Der in einem Privathaus in Liestal eingemieteten Wohngruppe für Patientinnen mit Essstörungen wurde wegen Eigenbedarf gekündigt. In der Personalwohnsiedlung Silberbrunnen konnte geeigneter Ersatzwohnraum gefunden werden. Die dafür notwendigen Umbauarbeiten wurden weitgehend durch Eigenleistungen unseres Technischen Dienstes erbracht.
Der Kinikumbau für die Schaffung der dritten Akutstation ist planmässig fortgeschritten. Das neue Dachgeschoss im Haus 5 konnte im Juni fertiggestellt und durch zwei Abteilungen aus den oberen Etagen des Hauses 7 provisorisch bezogen werden. Danach begannen die Umbauarbeiten im 3. und 4. Obergeschoss des Hauses 7. Ende Jahr waren diese Arbeiten schon weitgehend abgeschlossen. Durch die Bauarbeiten haben erhebliche Lärmimmissionen den Klinikbetrieb in den unteren Etagen des Hauses 7 phasenweise massiv gestört und Patienten wie Personal stark belastet. Das Personal konnte dank Flexibilität und grossem Einsatz diese Schwierigkeiten grösstenteils kompensieren. Der Klinikbetrieb konnte somit ohne Abstriche aufrechterhalten werden.
In eigener Regie konnten im Umbauprojekt 3. Akutstation nicht enthaltene, dringend erforderliche Sanierungsarbeiten an den Patientenzimmern vorgenommen werden. Für den ebenfalls notwendigen Ersatz von Stationsmobiliar im Haus 7 hat der Landrat einem entsprechenden Nachtragskredit zugestimmt.
Am 19. Mai 1998 hat der Regierungsrat dem Büro Burckhardt + Partner AG, in Basel, den Architekturauftrag für die Planungs-, Projektierungs- und die Bauleitungsarbeiten für den Umbau und die Sanierung des Hauses 5 (Altbau) der Psychiatrischen Klinik erteilt. Mit grossem Engagement und mit hilfreicher Unterstützung der Baudirektion bzw. des Hochbauamtes hat die Planungskommission das Vorprojekt bis Ende Jahr weitgehend abgeschlossen.
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