Amtsbericht 1998 des Regierungsrates
Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1999-040 vom 2. März 1999
Amtsbericht 1998 des Regierungsrates
Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen
2 Arbeitserziehungsanstalt Arxhof
2.1 Überblick
Das Jahr 1998 war vom Weggang des Direktors Bastian Nussbaumer geprägt. Die Stelle des Direktors hat Renato Rossi übernommen und seine Ausbildungsleiterstelle wurde durch Max Pitasch neu besetzt.
Seit 1997 war eine Veränderung in der Art der Störungsbilder der neueintretenden Bewohner zu verzeichnen. Einerseits lässt sich dies mit der Entwicklung in bezug auf die Drogenliberalisierung erklären, andererseits haben auch die Veränderungen in der Jugendszene, speziell die zunehmende Gewaltbereitschaft, einen prägenden Einfluss auf die Aufnahmesitutation. Die veränderte Lage hat die Direktion gezwungen, nach neuen konzeptuellen Lösungen zu suchen und neue Antworten zu finden. Im zweiten Halbjahr 1998 war der Arxhof deshalb vor allem mit Veränderungen in der Organisationsstruktur beschäftigt.
Im baulichen Bereich wurden im Sommer 1998 die Sanierungen der Betriebsgebäude abgeschlossen. Als kleines Bauvorhaben ist ein Umbau in der Zentralküche in Planung.
2.2 Bewohner
Per 31. Dezember 1998 befanden sich 33 (31) Bewohner auf dem Arxhof. Die Herkunft dieser Bewohner verteilt sich folgendermassen:
| BL | 0 | -2 |
| BS | 4 | -6 |
| BE | 5 | -7 |
| AG | 3 | 0 |
| LU | 4 | -3 |
| SO | 10 | -6 |
| ZH | 2 | -4 |
| ZG | 0 | -1 |
| TG | 1 | -2 |
| UR | 1 | 0 |
| SG | 3 | 0 |
Aufgeteilt nach Alter:
4 17 - 18
8 19 - 20
5 21 - 22
10 23 - 24
6 älter als 25
Die Bewegungsstatistik zeigt folgendes Bild:
Bestand per 1. Januar 1998 31 (31)
Aufnahmen oder Wiedereintritte 25 (34)
Austritte 20 (35)
Austritte mit Teilzielerfolg 11 (17)
Abbrüche 9 (18)
Für die Auslastung der Anstalt, ist die Anzahl der Aufenthaltstage massgebend: 10'946 (10'726) und daraus resultiert eine durchschnittliche Bewohnerzahl von 30 (30) Bewohner.
Für die Auslastung der Anstalt, war noch folgendes massgebend:
- In allen schweizerischen Massnahmevollzugsanstalten, ist eine gleiche Tendenz rückläufiger Belegungszahlen festzustellen. In Anstalten mit geschlossenen Abteilungen ist die Tendenz weniger stark und in Strafanstalten ist eher eine Tendenz chronischer Überbelegung festzustellen. Die fünf schweizerischen Massnahmevollzugsanstalten haben deshalb im 1998 eine gemeinsame Broschüre entwickelt, deren Ziel es ist, die Verantwortlichen für die Verurteilung von jungen Männern auf die Vorteile einer Massnahme hinzuweisen und sie über die Funktion und Wirkungsweise von Massnahmevollzugsanstalten neu zu informieren. 1998 wurde ein Massnahmenkatalog entwickelt, der 1999 weitgehend umgesetzt und wirksam werden soll.
- Die Politik der Drogenabgabe und der Ersatzprogramme hat dazu geführt, dass sich weniger junge Männer dafür entscheiden können, den anstrengenden Weg der Abstinenz zu gehen.
- Die zunehmende Durchmischung von Bewohnern mit Suchterkrankung und solchen mit anderen Störungsbilder, hat zu einer Orientierungslosigkeit in der Behandlung geführt und die Haltekräfte in den verschiedenen Pavillons negativ beeinflusst.
- Die fehlenden Haltekräfte haben im Sommer zu einem Belegungstiefstand geführt und die Direktion zu schnellem Handeln veranlasst. Im Sinne einer Differenzierung, wurde neu ein Eintrittspavillon geschaffen und zwei Stammpavillons mit den Schwerpunkten 'Sucht' und 'Stationäre Psychotherapie' konzipiert. Die Massnahmen haben dazu geführt, dass seit den Umstrukturierungen bis zum Jahresende keine Abbrüche mehr zu verzeichnen waren und die Bewohnerzahl auf 33 gestiegen ist. Die konzeptuellen 'Umbauten' sind noch in einer Versuchsphase und werden voraussichtlich Mitte 1999 abgeschlossen und die Konzeptänderungen der Aufsichtskommission vorgelegt.
2.3 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
Wie bereits im 1997 war im sozialpädagogischen Bereich ein reger Personalwechsel zu verzeichnen. Die Konzeptveränderungen mit neuen Aufgaben mussten hauptsächlich von der Sozialpädagogik getragen werden, was zu erheblichen Belastungen in diesem Bereich führte. Verschärft wurde diese Situation durch Personaleinsparungen, die wegen des niederen Bewohnerbestandes und den dadurch ausfallenden Einnahmen nötig wurden. Die Fluktuation der MitarbeiterInnen ist insofern schwierig, da für die anspruchsvolle Aufgabe kaum MitarbeiterInnen gefunden werden können, die über genügend Fachkompetenz verfügen, so dass eine längere Phase von interner Schulung nötig ist, um sie überhaupt auf den entsprechenden fachlichen Stand zu bringen. Diese Fluktuation zu reduzieren und eine Beruhigung einzuleiten wird ein Ziel im 1999 sein.
Personalbestand per 31.12.1998, inkl. Teilzeitstellen:
| Direktion | 5.0 | (5.0) |
| Verwaltung und Abteilung Dienste | 7.2 | (6.7) |
| Sozialpädagogik | 18.5 | (19.5) |
| Therapie | 5.1 | (6.5) |
| Ausbildung und Schule | 12.1 | (13.1) |
| Total | 47.9 | (50.8) |
2.4 Aussenkontakte
Nach sieben Betriebsjahren, hat der Arxhof - auch in der Oeffentlichkeit - Bilanz gezogen. Für die Arxhofleitung war von Anfang an klar, dass sie ihre Arbeit wissenschaftlich begleitet werden sollte, so dass die Wirkung der Arbeit bezifferbar und belegbar wird. Die Bilanz ist erstaunlich gut ausgefallen, so dass die in einer Broschüre festgehaltenen Daten mit Stolz der Öffentlichkeit vorgelegt werden konnten. Die Broschüre wurde vom Therapeutischen Leiter Dr. Dieter Bongers und dem therapeutischen Mitarbeiter Peter Waldner verfasst. Die Zahlen stammen einerseits aus dem Forschungsverbund vom Institut für Suchtforschung (IFS Zürich) unter Professor Dr. A. Uchtenhagen (Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes Zürich) und dem schweizerischen Zentralstrafregister in Bern. Die ausgewiesenen Zahlen belegen, wenn man von Bagatelldelikten absieht, dass 60% der Bewohner, die bei uns entlassen werden nach einem Jahr drogenfrei leben, einen geordneten Haushalt führen, einer geregelten Arbeit nachgehen und keine Delikte begangen haben. Längerfristige Aussagen waren selbstredend, in der für solche Statistiken kurzen Betriebszeit nicht möglich. Angesichts der Tatsache, dass der Arxhof mit einer besonders schwierigen Klientel arbeitet, muss diese Quote als deutlicher Erfolg gewertet werden.
Ein weiterer Höhepunkt waren die sechs Lehrabschlüsse unserer staatlichen Lehrbetriebe. Auch dieses Ereignis wurde in der Presse entsprechend gewürdigt.
2.5 Bauliche Vorhaben
Nach einer über zwei Jahre dauernden Bauphase, wurde Mitte Jahr die letzte Bauetappe der Gesamtsanierung abgeschlossen. Wie eingangs erwähnt, wird nun der Umbau der Küche und der Cafeteria geplant. Gleichzeitig wird die Gelegenheit wahrgenommen ein neues Küchenkonzept umzusetzen, das insbesondere Aspekte der Ausbildung besser berücksichtigt.
2.6 Finanzen
Aufgrund der geschilderten Entwicklung ergibt sich ein Nettofinanzierungsbedarf durch den Kanton Baselland von ca. Fr. 2'170'000.-- (Budget 2'129'115.--) (1997: Nettofinanzierungsbedarf BL Fr. 2'460'886.10 / Budget 2'510'0648). (Es fehlten am 29.1.99 noch massgebende Angaben seitens des Personalamtes, deshalb ist der Betrag geschätzt)