Amtsbericht 1998 des Regierungsrates
Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1999-040 vom 2. März 1999
Amtsbericht 1998 des Regierungsrates
Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen
4 Amt für Berufsbildung und Berufsberatung
4.1 Personelles
An der Gewerblich-industriellen Berufsschule Muttenz ist der langjährige Rektor in den Ruhestand getreten. Sein Nachfolger hat sein neues Amt per 1. Juli angetreten. Die Berufsschule Muttenz feiert 1999 ihr hundertjähriges Jubiläum, das bereits intensiv vorbereitet wird.
4.2 Allgemeines
Das vergangene Jahr war geprägt von Aktivitäten im Bereich des Lehrstellenmarktes. Dabei gibt es zwei Problemfelder: Schwache Jugendliche haben immer mehr Mühe, eine Lehrstelle zu finden, und die Betriebe beklagen - insbesondere in anspruchsvollen Lehrberufen -, keine geeigneten Lehrstellenanwärterinnen und -anwärter zu finden. Bei der Imagekampagne, die wir mit Mitteln aus dem Lehrstellenbeschluss des Bundes realisieren, versuchen wir einerseits, starke Jugendliche für eine Berufsausbildung zu gewinnen, und anderseits gelangen wir an die Lehrbetriebe mit dem Anliegen, auch schwächeren Jugendlichen eine Ausbildungsmöglichkeit zu bieten. Im vergangenen Berichtsjahr ist es uns gelungen, zusätzlich 100 Lehrverträge abzuschliessen. Erfreulich ist auch, dass sich 180 Betriebe unseres Kantons bereit erklärt haben, neu oder wiederum Lehrlinge auszubilden. Ebenfalls aus Mitteln des Lehrstellenbeschlusses ist beim Gewerbeverband Baselland ein Lehrstellenförderer angestellt worden, der die Aufgabe hat, Betriebe für die Lehrlingsausbildung zu gewinnen. Der Lehrstellenförderer hat seine Aufgabe am 1. September 1998 aufgenommen. Bei seiner Arbeit kann sich der Lehrstellenförderer auf eine Untersuchung stützen, die wir in Auftrag gegeben haben, um herauszufinden, was potentielle Betriebe daran hindert, Lehrlinge auszubilden.
Im vergangenen Jahr sind die verschiedenen Berufsberatungsstellen des Kantons aufgehoben worden. Es gibt nun nur noch zwei zentrale Berufsberatungsstellen in unserem Kanton, nämlich in Liestal und in Binningen. Die zu den Berufsberatungsstellen gehörenden Berufs- und Informationszentren (BIZ) sind ebenfalls neu eingerichtet worden.
Das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung ist mit der Realisation des Impulsprogrammes "ChanceÓ betraut worden. Aus Mitteln dieses Programmes ist im April die Jugendberatungsstelle "wie weiter?" eröffnet worden, an die sich Jugendliche wenden können, die nach der obligatorischen Schulzeit keine Anschlusslösung gefunden haben. Im vergangenen Jahr haben sich rund 100 Jugendliche zur Beratung angemeldet.
4.3 Berufsschulen
Schülerinnen- und Schülerstatistik:
| 1998 | 1997 | |
| Berufsschulen | 3'516 | 3'215 |
| Berufsmaturitätsschulen | 412 | 406 |
| Berufsmaturitätsschulen für gelernte Berufsleute | 95 | 61 |
| Höhere Fachschulen | 70 | 66 |
| Vollzeitschulen | 48 | 35 |
| Lehrwerkstätten | 13 | 12 |
1998 sind die Verhandlungen mit dem Kaufmännischen Verein Baselland betreffend Leistungsauftrag an die Schulen abgeschlossen worden. Der Leistungsauftrag, der Schülerpauschalen vorsieht, ist per 1. Januar 1999 in Kraft getreten.
Gemeinsam mit dem Kanton Basel-Stadt ist das Projekt "Brückenangebote/10. Schuljahr" realisiert worden. Die bereits bestehenden Angebote werden zusammengefasst. Damit wird eine grössere Transparenz geschaffen.
4.4 Hauptabteilung Betriebliche Ausbildung
Das Hauptaugenmerk lag im abgelaufenen Jahr auf Aktivitäten und Projekten zur Erhaltung und Schaffung von Lehrstellen.
4.4.1 Lehrverhältnisse und Lehrbetriebe
1998 wurden 1'558 (1'493) Lehrverträge sowie 59 (70) Anlehrverträge abgeschlossen. 131 (145) davon wurden bis Ende des Berichtsjahres wieder aufgelöst.
Die Verteilung zwischen den beiden Geschlechtern blieb unverändert. In den Gewerblich-industriellen Berufen waren ein grosser Teil der Lehrlinge männliche Jugendliche, während in den Kaufmännischen- und Verkaufsberufen mehrheitlich weibliche Jugendliche zu finden waren.
Die Zahl der Lehrvertragsauflösungen ist mit 410 (384) erneut und deutlich höher ausgefallen. 115 (112) Lehrlinge wurden in andere Betriebe im Kanton umplatziert und setzten dort ihre Ausbildung fort. 31 (22) wechselten den Beruf. In eine Anlehre traten 5 (19) Lehrlinge über.
Die Anlehrverhältnisse haben im Vergleich zum Vorjahr wiederum zugenommen. Sie betrugen 125 (120).
4.4.2 Prüfungen
Die Lehrabschlussprüfungen haben von Mitte März bis Mitte Juni stattgefunden. Insgesamt waren es 1'351 (1'380). Davon wurden 1'001 (1'035) in den Gewerblich-industriellen Berufen, 246 (237) in den Kaufmännischen Berufen und 104 (108) in den Verkaufsberufen abgehalten.
142 (127) Kandidatinnen und Kandidaten oder 10.5% (9.2%) konnte das Fähigkeitszeugnis nicht oder wiederum nicht abgegeben werden. Im gleichen Zeitraum wie die Lehrabschlussprüfungen sind 121 (118) Zwischenprüfungen organisiert und durchgeführt worden. 38 (61) Augenscheine zum Abschluss der Anlehren komplettierten das Prüfungsprogramm.
4.5 Fort- und Weiterbildung
1998 wurden 9 (7) obligatorische Grundkurse für Lehrmeisterinnen und Lehrmeister durchgeführt, die von 179 (147) Personen besucht wurden.
Bei den fakultativen Weiterbildungskursen für Lehrmeisterinnen und Lehrmeister ging die Zahl der Kursanmeldungen um rund ein Drittel zurück.
Das Weiterbildungsangebot der Gewerblich-industriellen Berufsschulen wurde im abgelaufenen Jahr rege benützt: In Liestal belegten 1'986 (1'745) Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen der angebotenen 174 (140) Kurse und in Muttenz 2'657 (3'099) einen der 233 (267) Kurse.
Bei den Teilnehmerzahlen der Weiterbildungskurse an der Handelsschule des KV Baselland war wiederum eine Zunahme zu verzeichnen: 4'558( 4'254) Personen besuchten einen der 369 (359) angebotenen Kurse. In Liestal waren es 2'438 (2'083) Kursteilnehmer/innen in 199 (180) Kursen, in Reinach 2'120 (2'171) in 170 (179) Kursen.
Die mehrsemestrigen Ausbildungsgänge (d.h. Kaufmännische Lehre auf dem 2. Bildungsweg und Bürolehre auf dem 2. Bildungsweg) der Handelsschule für Erwachsene mit 125 (119) Teilnehmenden in insgesamt 7 (7) Klassen erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit - wohl nicht zuletzt wegen des neuen Angebots der "Modularen Ausbildung."
Zur Erlangung der "Berufsmaturität für Ausgelernte" sind z. Zt. 23 (27) Absolventen in 2 (2) Klassen dabei, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen.
Ebenso erfreulich ist die Entwicklung bei der dreijährigen Höheren Kaufmännischen Gesamtschule (HKG), wo die Zahl der Studieren nochmals angestiegen ist: neu sind 173 (155) Studierende in 9 (8) Klassen eingeschrieben.
Die Kaufmännische Führungsschule (KFS) - ein Angebot der Kaderausbildung - wird in 2 (2) Kursen geführt und von 25 (28) Absolventinnen und Absolventen besucht.
4.6 Kommissionen
Der Berufsbildungsrat tagte viermal und erledigte dabei zahlreiche Geschäfte, dabei diskutierte er unter anderem den Entwurf für ein neues Bildungsgesetz. 1998 ist der langjährige Präsident der Berufsbildungskommission zurückgetreten.
Die Kantonale Prüfungskommission für gewerblich-industrielle Lehrabschlussprüfungen behandelte in fünf ordentlichen Sitzungen 33 Traktanden. Die Prüfungskommission für die Büro- und Verkaufsberufe kam zu drei Sitzungen zusammen und behandelte insgesamt 17 Traktanden.
4.7 Hauptabteilung Berufs- und Studienberatung
Im Berichtsjahr wurden die sechs dezentralen Beratungsstellen aufgelöst und an die beiden neuen Standorte in Binningen und Liestal gezügelt. Der Kanton Basel-Landschaft besitzt nun mit den neu errichteten öffentlichen Berufsinformationszentren (BIZ) und dem Beratungsdienst für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung unter gleichem Dach zwei moderne Dienstleistungszentren für Bildungsfragen. Die Beratungsstelle in Laufen bleibt bis zum Abschluss der Übergangsfrist im Laufentalvertrag noch bestehen.
Die Beratungsnachfrage blieb auch dieses Jahr mit 3'241 (3'236) Beratungsfällen auf hohem Niveau konstant. Der Anteil der Erwachsenen beträgt rund die Hälfte 1'620 (1'625), 511 (522) Personen davon waren arbeitslos. Auch dieses Jahr haben Berufsberaterinnen und Berufsberater an 68 (51) Informationsveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler und deren Eltern mitgewirkt und 142 (164) Lektionen Berufswahlvorbereitung in den Abschlussklassen erteilt.
4.8 Ausbildungsbeiträge
Die Kommission für Ausbildungsbeiträge trat zur Behandlung der in ihre Zuständigkeit fallenden Geschäfte zu 15 (20) Sitzungen zusammen. An Absolventen und Absolventinnen von Maturitätsschulen, Vollzeitberufsschulen, Schulen für Allgemeinbildung, Fachschulen, paramedizinischen Berufsschulen, Berufslehren, Anlehren, Universitäten, Lehramtsbildungsanstalten, Ausbildungsstätten für Sozialarbeiter, Sozialarbeiterinnen, Erzieher, Erzieherinnen und Geistliche, höheren technischen und landwirtschaftlichen Lehranstalten sowie höheren Handels- und Verwaltungsschulen wurden 2'055 (1'943) Stipendien im Gesamtbetrag von 12'580'990 Fr. (12'891'403 Fr.) und 97 (140) Ausbildungsdarlehen von zusammen 714'000 Fr. (972'000 Fr.) ausgerichtet. Da die massgeblichen Bedingungen für den Bezug von Ausbildungsbeiträgen nicht erfüllt waren, mussten 332 (322) Gesuche abgewiesen werden, wovon 44 (48) an den Regierungsrat weitergezogen wurden.
Gestützt auf das Bundesgesetz über die Gewährung von Beiträgen an die Aufwendungen der Kantone für Stipendien konnten insgesamt Fr 2'680'344.-- (Fr 2'459'907.--) an Bundesbeiträgen geltend gemacht werden, womit sich schliesslich die Nettoaufwendungen des Kantons für Stipendien noch auf
Fr. 9'900'646.-- (Fr. 10'431'496.--) beliefen.
Während des Berichtsjahres zahlten 65 (75) ehemalige Stipendienbezüger und -bezügerinnen Fr. 181'691.-- (Fr. 247'253.--) Stipendien zurück.
Auf Jahresende betrug der Ausstand für 222 (230) Ausbildungsdarlehen, die durch den Staat vollumfänglich verzinst werden mussten, Fr. 2'719'303.-- (Fr. 2'725'703.--). Die Aufwendungen für Zinsen betrugen insgesamt Fr. 149'936.-- (Fr. 169'531.--).
4.9 Impulsprogramme
4.9.1 Impulsprogramm I "Chance"
Im Rahmen des Impulsprogrammes "Chance" ist die Jugendberatungsstelle "wie weiter?" in Birsfelden eröffnet worden. Sie ist für jene Jugendlichen gedacht, die nach der obligatorischen Schulzeit keine Anschlusslösung gefunden haben. Die Jugendberatungsstelle klärt die Situation des Jugendlichen ab, führt Beratungen durch und initiiert unkonventionelle Unterstützungsmassnahmen, um die Jugendlichen in den Lehrstellenmarkt zu integrieren. Von Mai bis Dezember 1998 nutzten genau 100 Jugendliche dieses neue Angebot, und für 44 von ihnen wurde eine Anschlusslösung gefunden.
Im Rahmen des Impulsprogrammes werden auch Lehrbetriebe gesucht, die speziell jenen Schülerinnen und Schülern, die grundsätzlich eine Lehre bestehen könnten, jedoch sprachliche und kulturelle Defizite aufweisen, eine Ausbildung anbieten. An den Berufsschulen werden im Rahmen des Impulsprogrammes Lehrlingen Beratungen angeboten, die nach der Lehre keine Anstellung finden und ein weiteres Projekt richtet sich an weniger qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in KMU.
4.9.2 Impulsprogramm II "Qualifikation"
Das Impulsprogramm II ist dem Bereich Aus- und Weiterbildung am CIM-Zentrum Muttenz angegliedert. Für die Realisation wurde eine Programmstruktur eingerichtet, die die Entwicklung steuert und die Einzelprojekte koordiniert. Über die Realisierung der Projekte entscheidet eine "Triage"-Gruppe, zusammengesetzt aus der Programmleitung und weiteren Dozenten des CZM. Jedes Projekt hat eine Projektleitung mit eigener Budgetverantwortung, wobei vierteljährlich eine Berichterstattung an das Finanzcontrolling erfolgt. Zur Zeit sind zehn Projekte in Bearbeitung, welche die fünf Projektschwerpunkte der Landratsvorlage abdecken. Sieben davon werden im Jahr 1999 mit Pilotangeboten an die Öffentlichkeit treten. Die Programmleitung ist bemüht, die Kontakte zu Unternehmen, Wirtschafts- und Berufsverbänden und Fachkreisen im Kanton Basel-Landschaft kontinuierlich auszubauen.
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