2002-23 (1)


1. Einleitung
Die Bau- und Planungskommission hat die Vorlage an den beiden Sitzungen vom 7. März und 16. Mai 2002 im Beisein von Frau Regierungsrätin Elsbeth Schneider, der Kantonsarchitektin Marie-Theres Caratsch, der stellvertretenden Kantonsarchitektin Roya Blaser, dem Leiter der Kantonsbibliothek Gerhard Matter sowie Andreas Wüthrich, Leiter Stabsstelle für Energiefachfragen und Gerhard Koch, Projektierung und Ausführung AIB, beraten.

2. Vorstellen der Vorlage
Heute ist die Kantonsbibliothek auf sechs Standorte verteilt, was nicht nur betrieblich aufwendig ist sondern auch den Anforderungen einer kundenorientierten Bibliothek nicht mehr genügt.
Die vorhandenen Räumlichkeiten sind ausserdem deutlich zu klein.
Im Jahr 2001 wurden von rund 285'000 Besucherinnen und Besuchern ca. 355'000 Bücher und Medien ausgeliehen.
Am 21. September 2000 stimmte der Landrat der Vorprojektvorlage für die neue Kantonsbibliothek in Liestal zu. An zentraler Lage, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs soll dafür das Gebäude der ehemaligen Weinhandlung Roth umgebaut werden.
Zu diesem Zweck wurde gemäss dem Auftrag des Landrates das siegreiche Wettbewerbsprojekt zum detaillierten Bauprojekt weiterentwickelt.
Unter Einsatz modernster Informationstechnologien soll eine attraktive Bibliothek im Sinne eines kulturellen Treffpunkts mit einem vielseitigen Angebot entstehen, eine Bibliothek, welche auch Ausstellungen und Veranstaltungen durchführt.
Gegen aussen wird die kulturelle Bedeutung des Gebäudes durch einen leuchtturmartigen Dachaufbau unterstrichen.
Für die Realisierung des Bauvorhabens wird ein Kredit von Fr. 16'705'000.-, für die Bibliothekstechnik ein solcher von Fr. 1'455'000.-- beantragt.

3. Kommissionsberatung

3.1 Vom Vorprojekt zum Bauprojekt
Das Bauprojekt entspricht weitgehend dem Vorprojekt. Die architektonischen Vorgaben wurden übernommen und in einigen Punkten weiterentwickelt. Die daraus resultierenden Kosten sind als gering einzustufen.
Bereits in der Vorprojektvorlage wurden Bereiche der Bibliothekstechnik bezeichnet. Die dafür anfallenden Kosten sollen über das Betriebsbudget der Kantonsbibliothek beglichen werden. Da es sich um einmalige betriebliche Investitionen handelt, werden sie mit einem separaten Verpflichtungskredit beantragt.

3.2 Jährlich wiederkehrende Folgekosten
Die Höhe der jährlich wiederkehrenden Folgekosten löste bei einigen Mitgliedern der BPK Unbehagen aus. Im Rahmen der Projektbearbeitung wurden diese eruiert und aus Gründen der Transparenz in der Baukreditvorlage aufgeführt, wobei betont werden muss, dass es sich dabei nicht um Bau- sondern um Betriebskosten handelt. So stehen auch die drei zusätzlichen Stellen in keinem direkten Zusammenhang zum Projekt. Diese Kostentransparenz spricht für das Projekt ; es wird damit ein neuer Weg beschritten, den auch die Finanzkontrolle begrüsst.
Was die Höhe der Betriebskosten anbelangt, halten diese einem gesamtschweizerischen Vergleich durchaus stand. Eine landesweite Analyse hat ergeben, das die Kantonsbibliothek Baselland zu den effizientesten Bibliotheken der Schweiz zählt.
Selbst nach Realisierung des Neubauprojekts rangiert Baselland noch unter den vier kostengünstigsten Bibliotheken schweizweit.

3.3 Nachhaltiges Bauen
Das Konzept für nachhaltiges Bauen wurde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt und Energie sowie den beteiligten Fachplanern optimiert. Mit den vorgesehenen Massnahmen, vor allem in den Bereichen Wärmedämmung, Lüftung und Beleuchtung, wird der MINERGIE-Standard erreicht. Damit ist die neue Kantonsbibliothek das erste kantonale Gebäude mit einem MINERGIE-Label. Die Mehrkosten für diesen Standard werden mit Fr. 300'000.-- beziffert, wobei diesen jährliche Betriebskosteneinsparungen von Fr. 15'000.-- gegenüberstehen.
Die Bau- und Planungskommission würdigt, dass der Kanton beim nachhaltigen Bauen eine Vorreiterrolle einnimmt.
In der Kommission viel zu reden gab die "Urinseparierung". Notwendigkeit und Nutzen dieses Pilotprojekts wurden in Frage gestellt.
Hinter der Idee verbirgt sich eine Toilette mit zwei separaten Ausgängen für Urin und Fäkalien, wobei der Urin in einem kleinen Tank für die Wiederaufbereitung gesammelt oder nachts über da bestehende Kanalnetz abgeleitet und vor der Kläranlage aufgefangen und aufbereitet wird. Das System gilt als wichtiger Eckpfeiler einer zukünftigen Hausentwässerungsstrategie.
Ein Antrag aus der Kommission, die Urinseparierung aus Kostengründen aus dem Projekt zu streichen, wird mit 8:4 Stimmen abgelehnt. Hingegen beschliesst die BPK mit 10:0 Stimmen bei 2 Enthaltungen einen separaten Punkt in die Landratsvorlage aufzunehmen, in welchem die Kosten des Pilotprojekts separat ausgewiesen werden, verbunden mit der zusätzlichen Forderung,
dem Landrat nach 4 Jahren praktischer Erfahrung Bericht zu erstatten.

3.4 Beschaffungsgesetz
Hat die BUD das Beschaffungsgesetz mit dem Wettbewerbsverfahren "umdribbelt" oder nicht?
Das Projekt wurde in einem zweistufigen Projektwettbewerb ausgeschrieben, damit hat das Beschaffungswesen bereits in der ersten Stufe gegriffen.
Da es sich beim Wettbewerbsverfahren um ein öffentlich zugängliches Instrument handelt, wird das Beschaffungswesen damit nicht umgangen.
Innerhalb des Verfahrensablaufs wurde neben dem Entwurfs- auch ein Planerteam gesucht und in der Folge von der eingesetzten Jury bewertet. Mit dieser gemäss Beschaffungsgesetz durchgeführten Submission konnten die Aufträge direkt vergeben werden, was bei einem Projekt dieser Grössenordnung als durchaus normal bezeichnet werden darf.

3.5 Caféteria
Eingehend befasst hat sich die BPK auch mit der Caféteria in der neuen Kantonsbibliothek. Thema waren einerseits die Kosten und andererseits das Betriebskonzept, welches von einer Gastrofirma ausgearbeitet wurde.
Die Verantwortlichen der Bibliothek haben sich dabei für die Variante entschieden, die Caféteria als Teil des Betriebskonzeptes zu führen, mit dem Ziel, mindestens kostendeckend zu arbeiten. Die Caféteria wird in der Rechnung als eigene Kostenstelle erscheinen.
Ueber eine Fremdvermietung gehen die Meinungen in der BPK auseinander. Die einen sind der Ansicht, dass eine Fremdvermietung unter dem Strich günstiger zu stehen komme, während die anderen die Integration der Caféteria ins Betriebskonzept befürworten und im übrigen daran zweifeln, dass Mietintressenten Schlange stehen.
Eine Vermietung an Dritte wäre ohne bauliche Zusatzmassnahmen nur dann möglich, wenn sich diese an die Rahmenbedingungen (z.B. Oeffnungszeiten) der Kantonsbibliothek halten würden.

4. Schlussbemerkungen und Antrag
Bei der Vorlage handelt es sich um ein sehr ausgereiftes Bauprojekt mit einem ausgesprochen hohen Detaillierungsgrad.
Mit der neuen Kantonsbibliothek erfährt das Bahnhofareal eine echte Aufwertung und der Kanton Baselland aber auch die Stadt Liestal erhalten mit dem attraktiven Bau ein Kulturgebäude von grosser Bedeutung.
Die Bau- und Planungskommission beantragt dem Landrat einstimmig, dem beiliegenden Landratsbeschluss zuzustimmen.

Oberdorf,
Im Namen der Bau- und Planungskommission:
Der Präsident: Karl Rudin
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